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Leben & Glauben

Die Automationsstudentin Selina Helfenstein bewegt sich nicht nur zwischen 0 und 1

Wissen nimmt die Angst

20.03.2018
Den freien Willen sieht sie nicht gefährdet, wenn Roboter Arbeiten des Menschen übernehmen. Vielmehr plädiert Selina Helfenstein dafür, sich Wissen und Verständnis anzueignen, um die Prozesse hinter der Automatisierung besser zu verstehen.

Als Edison die Glühlampe erfand und Licht in die Stube brachte, glaubten die Menschen, dahinter stecke Magie. «Heute kennt ein Grossteil der Bevölkerung den Strom und weiss, warum die Lampe leuchtet», sagt Selina Helfenstein. 

Man kann nicht ausweichen

Für sie, die in Rorschach aufgewachsen ist und zurzeit an der Hochschule Nordwestschweiz Systemtechnik sowie Automation studiert, sollte sich auch bei der Robotertechnik ein ähnlicher Prozess in Gang setzen. Das Wissen über die Funktionsweise und die Herstellung könne nicht nur das Verständnis fördern, sondern auch Ängste nehmen. «Mich fasziniert mein Studiengang, und der Technologisierung kann je länger je weniger ausgewichen werden.» Wenn indes die Geräte genutzt werden, ohne sie zu verstehen oder sich im Klaren darüber zu sein, welche Folgen gewisse Funktionen eines Smartphones, Trackers oder der rote Knopf im Weissen Haus haben, dann setze sich der Mensch selber einer Gefahr aus. 

«Es ist unser Entschluss, ob wir eine Maschine laufen lassen oder den Stecker ziehen.»

Die gelernte Uhrmacherin sieht in der Robotik das Weiterführen der Mechanik, wo ebenfalls Prozesse aneinandergereiht ablaufen. Statt Zahnräder greifen indes die Zahlen 0 und 1 ineinander. Dass dabei dem Menschen der Wille abhanden komme, befürchtet die 26-Jährige nicht, ist für sie Fiktion. «Wenn eine Maschine etwas Unerwünschtes ausführt, dann deshalb, weil wir Menschen beim Programmieren einen Fehler gemacht haben und nicht, weil der Roboter sich dazu entscheidet, über uns herrschen zu wollen. Es ist unser Entschluss, ob wir eine Maschine laufen lassen oder den Stecker ziehen. Fehler gibt es und wird es immer geben. Sie sind menschlich, deren Schuld und Konsequenzen sind aber, so schwer es einem manchmal fällt, auch dem Menschen zuzuweisen.»

Nicht den Profit heben
Wichtiger erscheint der Studentin die Frage, wo es sinnvoll sei, einen Roboter einzusetzen und wo nicht. «Wichtig dabei ist, dass man den Einsatz kritisch betrachtet und das Menschliche weiterhin wertschätzt und hochhält. Roboter sollen in erster Linie unsere Lebensqualität heben und nicht den Profit.»

 

Text: Katharina Meier | Foto: Selina Maria Helfenstein  – Kirchenbote SG, April 2018


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