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Spiritualität

Ohne Lohn, mit Gewinn

Das Gebet «Christus hat keine Hände» aus dem 4. Jh. ist Inspiration für Pfarrerin Andrea Weinhold respektive eine Besinnung zu schreiben.

Christus hat keine Hände, 
nur unsere Hände, 
um seine Arbeit heute zu tun. 
Er hat keine Füsse, nur unsere Füsse,
um Menschen auf seinen Weg zu führen.
Christus hat keine Lippen, 
nur unsere Lippen, 
um Menschen von ihm zu erzählen. 
Er hat keine Hilfe,
nur unsere Hilfe, um Menschen an seine Seite zu bringen.

 Gebet aus dem 4. Jh.

 

Voller Freude komme ich dem Wunsch nach, über diesen Text ein paar Gedanken zu schreiben. Und während ich schreibe, frage ich mich, was es mit solch wahren Texten auf sich hat. Was, wenn es wirklich wahr
wäre, dass Christus nur unsere Hände hat, um seine Arbeit zu tun? Was könnte das heissen? 

Unverzichtbaren Dienst leisten
Es könnte heissen: Christus hat nun ganz viele Hände, die seine Arbeit tun! Viele tun es sogar ohne Lohn. Eindrücklich war für mich das Bild, als die Kirche Lachen gefüllt war mit all den vielen Freiwilligen, die im Stillen und oft Verborgenen einen unverzichtbaren Dienst leisten. Was wäre die Kirche ohne sie?

Inbegriff der Freiwilligenarbeit
Als ich 22 Jahre alt war, las ich in einer Zeitung die Zeilen: «Ohne Lohn, aber mit Gewinn». Es war ein Aufruf der «Dargebotenen Hand», die neue Mitarbeitende suchte, damit das Telefon 143 rund um die Uhr für Menschen in Krisensituationen erreichbar ist.

«Christus hat nun ganz viele Hände, die seine Arbeit tun.»

Die Worte «Ohne Lohn, aber mit Gewinn» sind seither für mich zum Inbegriff der Freiwilligenarbeit geworden. Denn der Gewinn besteht darin, dass die Arbeit für mich persönlich auch Sinn hat – so viel Sinn sogar, dass ich bereit bin, in diesem Bereich auf einen Lohn zu verzichten. So könnte die Arbeit für Christus auch bedeuten, dass sie dem eigenen Leben Sinn gibt. Die meisten Freiwilligen, mit denen ich Kontakt hatte – egal ob in der Schweiz, in Kanada oder Nicaragua – waren mit Freude engagiert. Sie wussten, wenn sie die Arbeit für ihre Nächsten, für Christus nicht tun würden, würde sie sonst niemand tun. Die Arbeit für Christus ist oft mit Freude verbunden, aber immer «Not-wendig».

 

Text: Andrea Weinhold, Pfarrerin St.Gallen-Straubenzell | Foto: pixabay  – Kirchenbote SG, Mai 2018

 


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