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Kirche

Drei Projekte, die berührten

Normalerweise steht «reformiert» nicht gerade für Sinnlichkeit. Doch die Diakoniekonferenz der Kantonalkirchen von Schwyz, Luzern, Nidwalden und Zug widmete sich dem Thema «Reformierte Identität und die fünf Sinne». Mit Erfolg.

Wie passt Berühren zur reformierten Nüchternheit, lautete die Frage der Zentralschweizer Diakoniekonferenz, zu der die ehemalige Kirchenrätin von Schwyz, Sibylle Andermatt, die Teilnehmenden begrüsste. Die Tagung wurde erstmals vom Kanton Schwyz ausgerichtet. Andermatt dankte Peter Dürrenmatt, dem Präsidenten der Kirchgemeinde Arth-Goldau, für die Gastfreundschaft. Seitens Diakonie Schweiz überbrachte die Glarner Kirchenrätin Barbara Hefti das Grusswort. 
Das Leitungsteam der Diakoniekonferenz hatte wertvolle Vorarbeit geleistet und Menschen aller Altersklassen befragt, was sie heute berühre. Die Ausbeute liess in ihrer Vielfalt aufhorchen. Unüberhörbar war der Wunsch nach Fröhlichkeit in der Kirche, nach Trost und dem Erfüllen von unorthodoxen Wünschen an den Abdankungen, wie etwa einem Trommelkonzert. Berührend der Ausruf des siebenjährigen Silas zu den bunten Ballonen, die sich draussen am Kirchturm bewegten: «Der Schnauf von Gott.»

Frappierend

Im Zentrum der Veranstaltung, welche die Theologin Lisbeth Zogg moderierte, standen drei exemplarische Projekte: Die Kulturkirche Glarus Rieder, das Foodsave-Bankett in Bern und das  Velo-Projekt «Die Unfassbar». Sie zeigten, wie Menschen von der reformierten Kirche unkonventionell berührt werden.
Als Kirchenrätin Andrea Trümpy und Pfarrer Sebastian Doll die Kulturkirche Glarus Riedern (Stadtkirche Glarus) vorstellten, mögen vielen Teilnehmenden ob der Fülle kulturellen Geschehens die Augen übergegangen sein. Seit Jahren experimentiert die Kirchgemeinde mit ihrem Kulturprogramm. Immerhin, es gab zum «gluschtigen Programm» mit Sinfonie- und Jazz-Konzerten, Volksmusik, den Auftritten der Vier -Tenöre und der Cellistin Sol Gabetta, den Gregorianischen Gesängen und den Filmen auf Grossleinwand auch nüchterne Zahlen: Das Budget beträgt dank Sponsoren und Vermietungen bloss 14 000 Franken. Über 1000 Besucher kommen zu den Grossanlässen, doch auch kleinere Angebote wie etwa Lesungen haben ihr Stammpublikum.

Begeisternd

Auf sichtliche Begeisterung und Nachahmungsgelüste stiessen die Erklärungen von Jan Tschannen über das Foodsave-Bankett vor der Berner Heiliggeist-Kirche. Tschannen ist Theologe und Mitarbeiter bei «Brot für alle». 
Der Erntedank-Anlass fand 2017 bereits zum zweiten Mal statt, gratis für alle: Für Bedürftige und Obdachlose genauso wie für Touristen und überzeugte Gegner des omnipräsenten Wegwerfens. 1500 Drei-Gänge-Menüs wurden ausgegeben, fast eine Tonne abgelaufene Lebensmittel verarbeitet. Das Bankett setzte damit ein markantes Zeichen wider den Überfluss. Es sei skandalös, so Tschannen, denn die in Europa weggeschmissenen Lebensmittel könnten den Hunger der Welt stillen. Tschannen berichtete begeistert über die 60 Freiwilligen, darunter Schüler, Senioren und Migranten, sowie 38 Organisationen, die sich für das Fest engagierten und über das «kreative Wirken des Rüstens, Schöpfens, Dekorierens». 

Berührend

Das Projekt «Die Unfassbar» ist in seinen Möglichkeiten tatsächlich unfassbar. Die Erfinder und Protagonisten, die beiden Pfarrer Bernhard Jungen und Tobias Rentsch, berührten mit ihrem Credo, wie sie ihr «Unternehmen» verstehen, die Zuhörenden. Begeistert erzählten sie vom Velo auf drei Rädern, mit dem sie zu Quartierfesten und anderen Anlässen fahren, vom Zapfhahn, aus dem Pfaff-Bier läuft, und dem offenen Ohr. 
An den Anlässen kämen sie mit den Menschen ins Gespräch und begegneten ihnen auf Augenhöhe, denn der Gast gebe das Thema vor, so die Initianten. Last but not least plädierten sie für eine Kirche, die sich aus ihrem Elfenbeinturm und ihrem Autismus bewegt und zu den Leuten kommt. «So bewegt Kirche und wird selber -bewegt.»

Betty Peter / 26.04.18

 


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