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Kirche

Generationenkirche Flawil – Wie eine Kirchgemeinde zu einer grossen, vielfältigen Familie werden soll

«Gott ist zwischen den Menschen»

23.05.2018
«Kirche ist nicht Gottesdienst». So überschrieb die Wiler Zeitung – etwas provokativ, aber zu Recht – einen Artikel über den Weg der Kirchgemeinde Flawil zur Generationenkirche.

Manches ist hier ähnlich wie in anderen Kirchgemeinden: Es gibt eine grosse Kirche, die eher selten benutzt wird, ein Kirchgemeindehaus daneben (zusammen mit der politischen Gemeinde genutzt), vor allem ältere Menschen in den Gottesdiensten, wenig Familien, viele Angebote für spezifische Interessen- und Altersgruppen, aber kaum Verbindungen und Berührungspunkte. Etwas besonders ist die Lage der Kirche: Rundherum gibt es die einzig grössere Parkanlage Flawils, ein Schulhaus, eine Alterssiedlung, ein Quartier mit hohem Ausländeranteil. «Und wir haben nichts, um all das zu verbinden», sagen Kirchgemeindepräsidentin Daniela Zillig und Pfarrer Mark Hampton. 

«Generationenkirche ist die konkrete Umsetzung der abstrakten Idee Volkskirche.»

Auf dem Weg in die Zukunft
Das soll sich ändern. Seit 2015 sind darum Kirchenvorsteherschaft, Angestellte und Freiwillige in einem aufwendigen Veränderungsprozess engagiert. Das Ziel: Die Kirchgemeinde soll eine Generationenkirche werden. Eine Kirche also, die Begegnungsmöglichkeiten für alle Generationen und Bevölkerungsgruppen bietet, wo «man kommen kann ohne Einladung und Schlüssel», wo man Heimat findet, eine grosse Familie wird. Oder wie es Hampton formuliert: «Generationenkirche ist die konkrete Umsetzung der abstrakten Idee Volkskirche.»

Planungsprozess löst viel aus
Dass es dazu nicht reicht, einfach ein bestehendes Gebäude zu modernisieren, war den Verantwortlichen von Anfang an bewusst. Es ist ein vielschichtiger, umfassender Veränderungsprozess, bei dem viele Themen ineinandergreifen und sich gegenseitig bedingen. Die Kirchgemeinde geht mit viel Begeisterung und bewusst viel Unterstützung von externen Fachleuten ans Werk. Eine tragende Rolle spielt dabei die Beratungsfirma cottier + zogg (Generationenwelten.ch), deren dreijähriges Engagement aus dem Innovationsfonds der Kantonalkirche mitfinanziert wird.

«Kirche soll ein Ort sein, wo man ohne Einladung und Schlüssel hineinkommt.»

Soeben wurde Phase 2 des Prozesses abgeschlossen: die Grundlagen für die Gestaltung des Bereichs Alltagskirche. Zentrales Element dafür ist ein geplanter Neubau, der eine niederschwellige Begegnungsplattform bieten wird. Sie soll einen Markt der Interessen möglich machen. Deshalb kann man sich zum Beispiel im Bistro auch hinsetzen und sein selber mitgebrachtes Essen mit anderen geniessen. Die Kirchgemeinde orientiert sich an Jesus, der ja nicht zu Veranstaltungen eingeladen hat, sondern mitten im Alltag der Menschen präsent war und auf ihre Bedürfnisse eingegangen ist. Parallel zu diesen Planungen werden sie jetzt schon laufend verbessert und ergänzt, um für Familien attraktiver zu werden. Explizit werden dafür die Kirchgemeindemitglieder eingeladen, Vorschläge zu machen und zu realisieren. Dafür gibt es einen eigenen Budgetposten «Generationenkirche konkret». «Gott ist zwischen den Menschen», sind die Flawiler Gemeindeverantwortlichen nämlich überzeugt

Verbesserte Aussenwahrnehmung
Hampton und Zillig sind begeistert, weil eine Aufbruchstimmung und ein grösseres Engagement in der Gemeinde entstanden sind und sich dank vieler Gespräche mit anderen Gruppen und Behörden die Aussenwahrnehmung der Kirche deutlich verbessert hat – schon jetzt während des Prozesses. Das macht ihnen Mut für die weiteren Schritte bis zum Prozessende 2021 und darüber hinaus.

 

Text: Marcel Wildi | Foto: Beat Schildknecht  – Kirchenbote SG, Juni-Juli 2018

 


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