Logo
Gesellschaft

Wenn ein Teil der Familie fehlt

Schon lange bevor in Fernsehsendungen wie «Julia Leischick sucht: Bitte melde dich», «Vermisst» oder auch «Happy Day» Familienangehörige gesucht wurden, haben die Heilsarmee, das Schweizerische Rote Kreuz und andere Organisationen diese Dienstleistung angeboten.

Sie entspricht offenbar einem grossen Bedürfnis. Denn zur Realität von Familien gehört es auch dazu, dass – aus den unterschiedlichsten Gründen – eine Generation oder eine einzelne wichtige Bezugsperson fehlt.

«Für Menschen, die ein Familienmitglied vermissen, ist das Leben wie ein Puzzle, in dem ein Stück fehlt.»

Die Heilsarmee ist bekannt für ihr Motto «Suppe, Seife, Seelenheil», ihre Topfkollekten, die Brockenhäuser, ihre Wohnheime und Sozialberatungsstellen. Kaum jemand aber weiss, dass die Heilsarmee seit mehr als hundert Jahren vermisste Familienmitglieder sucht. Regula Kurilin leitet diesen Arbeitszweig. 

Frau Kurilin, warum betreibt die Heilsarmee einen Personensuchdienst?
Den internationalen Personensuchdienst der Heilsarmee gibt es seit 1885. Für Menschen, die ein Familienmitglied vermissen, ist das Leben wie ein Puzzle, in dem ein Stück fehlt: Das «Bild» ist fühlbar unvollständig.

«Familie ist Identität, gewissermassen ‹innere Heimat›.» 

Wer wird denn von wem am häufigsten gesucht?
Aktuell habe ich sehr viele Anfragen von Söhnen und Töchtern, die nach einem leiblichen Elternteil suchen, meist dem Vater. Sie widerspiegeln den Bruch von Familien und die emotionalen Schäden, die so etwas hinterlassen kann.

Wie hoch ist Ihre Erfolgsquote?
Statistisch gesehen ist rund ein Drittel aller Suchbemühungen von Erfolg gekrönt. Das hängt aber sehr von der Komplexität der Suche ab. Gute Voraussetzungen, jemanden zu finden, haben wir, wenn wir Vor- und Nachnamen, das Geburtsdatum und einen ehemaligen Wohnort kennen. Wir fragen ja viel bei Ämtern und Behörden nach. Nicht immer ist aber so viel bekannt.

 Ihre längste Suche?
Die dauerte etwa vier Jahre.

Und die emotionalste?
Da war eine Mutter, die ihre Tochter suchte, die bei Verwandten aufwuchs. Sie wollte ihr mitteilen, warum sie nicht zu Hause aufwachsen konnte beziehungsweise durfte. Die gefundene Tochter kannte den Grund eben nicht und nahm ihr das übel. Sie verneinte jedenfalls die Kontaktanfrage (aus Datenschutzgründen müssen wir die gefundenen Personen jeweils fragen, ob sie Kontakt aufnehmen wollen). Obwohl ich den Grund kannte, durfte ich ihr aufgrund der Schweigepflicht keine Auskunft geben. Die Mutter war dann verständlicherweise sehr enttäuscht, ihr Versöhnungsversuch war misslungen. Sie weiss weiterhin gar nichts über das aktuelle Leben ihrer Tochter.

Warum ist denn Familie so wichtig für uns Menschen?
Familie ist Identität, gewissermassen «innere Heimat». Wurzellose oder entwurzelte (erwachsene) Kinder wünschen sich, zu wissen, wie ihr Vater, ihre Mutter aussieht, ob sie ihnen gleichen, welche Charaktereigenschaften sie mit ihnen teilen, wie sie leben, wie sie selbst aufgewachsen sind, ob es noch weitere Familienmitglieder gibt … Kontaktabbrüche – egal welcher Art und aus welchem Grund – hinterlassen bei den Betroffenen meist emotionale Wunden. Die (Wieder)herstellung eines Kontakts kann helfen, diese Wunden zu heilen.

 

Interview: Marcel Wildi | Foto: pixabay  – Kirchenbote SG, Juni-Juli 2018

 

Der Personensuchdienst der Heilsarmee

Regula Kurilin hat eine Teilzeitstelle in der Heilsarmeezentrale in Bern. Die grösste Herausforderung bei ihrer Arbeit, sagt sie, sei der Datenschutz der Behörden. Den Vorteil ihres Suchdienstes gegenüber den erwähnten TV-Formaten sieht sie vor allem darin, dass man sich als Suchender und Gefundener nicht einem Millionenpublikum ausliefern muss. Oft hilfreich für ihre Tätigkeit sei der Umstand, dass sie Teil einer weltweiten Organisation sei. Wer ihre Hilfe in Anspruch nehmen möchte, kann sich auf der Homepage www.heilsarmee.ch informieren und anmelden.


KIRCHENBOTE E-PAPER

Alle Kirchenboten ab 2002 zum Lesen, Suchen und Herunterladen...

Röbi und die Reformanzen – Das Programm als Film  | Artikel

«Lückenbüsserinnen, Lästermäuler und Lockvögel»: Die drei St.Galler Pfarrerinnen Kathrin Bolt, Andrea Weinhold und Marilene Hess verwenden Luthers Wortschöpfungen als treffende Zusammenfassung für ihre kreative Arbeit. Mit Röbi Fricker bilden sie das Reformations-Kabarett «Röbi und die Reformanzen». Andreas Schwendener war an der Dernière in der St. Galler DenkBar mit der Kamera dabei und hielt das Programm in voller Länge fest. Ein Genuss! 


St. Gallen – eine Stadt sucht ihr protestantisches Profil  | Artikel

Vor 100 Jahren ist die «freie protestantische Vereinigung St. Gallen» gegründet worden. Der Verein wollte den Zusammenhalt und die Position der Protestanten in der Stadt stärken. Heute nennt er sich Evangelisch-reformiertes Forum. Aus Anlass des Jubiläums referierte der Präsident Andreas Schwendener im Stadtsaal St. Gallen über das Ringen um ein protestantisches Profil.  

 


Der Kirchenbote ohne Folie – ein Versuch  | Artikel

Eine Teilauflage des Februar-Kirchenboten ist ohne Folie versandt worden. Durchwegs positive Rückmeldungen – auch von PostMail – sind bei der Herausgeberkommission eingetroffen.

Seit einigen Jahren wird der Kirchenbote für den Versand in Folie eingeschweisst. Regelmässig erreichen uns Anfragen zu dieser Folierung: «Geht das nicht umweltfreundlicher?» Die Kirchenbote-Kommission evaluiert zurzeit verschiedene Alternativen. 

Mehr dazu lesen Sie hier.


Uraufführung von Peter Roths Requiem  | Artikel

Im Auftrag der St. Galler Kantonalkirche hat der Musiker und Komponist Peter Roth ein Requiem geschaffen. Die Uraufführungen in St. Gallen und in Alt St. Johann zogen über 1500 Interessierte in Bann. Wer keinen Stuhl mehr ergattern konnte, dem bietet sich im kommenden Jahr nochmals die Gelegenheit «Wisst ihr denn nicht?» zu erleben, und zwar am: 

Samstag,15. Juni 2019, 20 Uhr, Grossmünster, Zürich
Sonntag, 23. Juni 2019, 17 Uhr, Lukaskirche, Luzern

Kampagne