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Politik

«Wir wollen keinen Profit mit fremden Kriegen machen»

In einem offenen Brief kritisieren Zürcher Pfarrerinnen und Pfarrer den Bundesrat wegen der geplanten Lockerung der Ausfuhrbedingungen für Kriegsmaterial. Sie argumentieren mit dem reformatorischen Erbe Zwinglis.

Politik ist auch Pfarrsache, dachten sich 150 Pfarrerinnen und Pfarrer aus dem Kanton Zürich, die einen Brief an den Bundesrat unterschrieben haben. «Mit Bestürzung nehmen wir zur Kenntnis, dass der Bundesrat die Auflagen für Waffenlieferungen ins Ausland lockern will», schreibt darin der Horgener Pfarrer Johannes Bardill.

Der Bundesrat hatte im Juni mit zurückhaltenden Worten angekündigt, dass die «Bewilligungskriterien in der Kriegsmaterialverordnung angepasst werden sollen». Diese Lockerung solle die wirtschaftliche Situation der Schweizer Rüstungsindustrie verbessern. Kriegsmaterial soll künftig «unter gewissen Umständen» auch in Bürgerkriegsländer exportiert werden können. Die Reaktionen auf diesen Entscheid waren heftig – aller Vorsicht zum Trotz.

Menschlichkeit, Politik und Reformation

Es sei unerträglich, dass der Bundesrat wirtschaftliche Interessen über die Not der Menschen stelle, kritisierten die Evangelischen Frauen Schweiz. Der Bundesrat überschreite damit eine rote Linie, schrieb die Caritas. «Wir wollen all jenen den Rücken stärken, die diese Waffenpolitik stossend finden», sagt Johannes Bardill zu ref.ch.

In ihrem Brief äussern die Pfarrerinnen und Pfarrer nicht nur humanitäre und aussenpolitische Bedenken zur geplanten Lockerung der Waffenexportbestimmungen. Sie verweisen explizit auf das Erbe der Reformation.

Nicht nur mit Würsten feiern

«Wenn wir schon überall das Reformationsjubiläum mit Würsten feiern, muss man sich auch überlegen, welche grösseren Themen hinter der Reformation stecken», sagt Bardill. Die Eindämmung der Kriegswirtschaft sei ein zentrales Anliegen der Reformation gewesen. Zwingli habe sich am Söldnerwesen gestört.

«Ähnlich wie damals sichert sich die Schweiz heute ihren Reichtum mit Waffengeschäften, während sie damit anderswo die Not vergrössert», fasst Bardill das Hauptargument der Pfarrpersonen zusammen. «Wir wollen keinen Profit mit fremden Kriegen machen.»

Der offene Brief ist am 10. Juli als Anzeige in der Neuen Zürcher Zeitung erschienen. Das Geld für die Anzeige brachten die Unterzeichnenden selbst auf. Schon am 9. Juli hat Bardill den Brief elektronisch an die Bundeskanzlei geschickt. Auf die Antwort müsse man aber wohl etwas länger warten. Die Politik macht Sommerpause.

Patricia Dickson, ref.ch

 

 

 

 


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