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Gesellschaft

Mit Tieren auf Augenhöhe

Er ist mit Tieren aufgewachsen, mit Hunden, Katzen, Meerschweinchen und Kaninchen. Mit 14 legte er sich Schlangen zu; gegenwärtig sind es Boas, Nattern, Pythons, eine Schildkröte, eine Echse und ein Gecko. Als Tierpflege-Lernender im Walter Zoo arbeitet Luca Lautenschläger mit Hunderten von Tieren; zur Zeit pflegt er die Tiere im Savannenhaus.

Er habe schon noch in anderen Berufen geschnuppert (Bäcker, Messerschmied); er sei ein Bewegungsmensch und habe immer draussen arbeiten wollen. Im Walter Zoo besuchte er einen Informationsnachmittag und absolvierte zwei Schnupperwochen: «Es war Knochenarbeit, nicht nur Tiere füttern und streicheln.» Unter sehr vielen Bewerberinnen und Bewerbern wurden er und zwei «Mitstifte» ausgewählt.

Ein super Team
Es ist tatsächlich nicht nur «Tiere streicheln»: «80 Prozent der Arbeit ist Putzen», sagt Luca Lautenschläger. Dazu kommen Jäten, das Schneiden von Bäumen und Sträuchern und Wischen der Wege. 10 000 Schritte hat er schon am Mittag geschafft – dazu treibt er noch jeden Abend Sport. Zuletzt sind es dann sicher über 15000 Schritte.

«Nicht nur Tiere füttern und streicheln.» 

Er ist begeistert: «Wir sind ein super Zooteam. Wir verstehen uns prima.» Zu den Zootieren kommen Schützlinge in der Quarantänestation, beispielsweise Reptilien und Tiere aus schlechter Haltung, geschmuggelte, geschützte, ausgesetzte und kranke Tiere.

Nicht auf Tiere herunterschauen
Der Walter Zoo hat in den vergangenen Jahren eine riesige Entwicklung durchgemacht. «Ziel ist es, den Besuchern die Tiere näher zu bringen», sagt Luca Lautenschläger. Inzwischen werden die Tiere nämlich nicht mehr zur Gaudi der Besucher «ausgestellt». Sie haben Rückzugsmöglichkeiten, Pflanzen, Dickicht, Höhlen, Stallungen, die sie vor Witterungseinflüssen schützen. Und prompt klagen die Besucher: «Warum sieht man die Tiere nicht?» Andere fragen: «Wieso ist die Leoparden-Anlage nicht grösser?» «Vergrössern kann man immer», so Lautenschläger. Jedenfalls gibt es im Walter Zoo längst keine Betonverliesse mehr. Die Tiger haben die grösste Anlage; auch Schimpansen haben sehr viel Platz. «Wichtig ist, dass die Menschen den Tieren auf Augenhöhe begegnen und nicht auf sie herunterschauen», sagt er. Glasscheiben statt Mauern bringen da schon viel.

 

Text | Foto: Margrith Widmer, Teufen  – Kirchenbote SG, September 2018

«Tierpfleger wollen keine Tiere einsperren»

Haben Zoos heute überhaupt noch eine Berechtigung?
Tierpfleger wollen alles andere als Tiere einsperren. Am liebsten sähen wir sie auch nur vollkommen frei in der Natur. Aber: Das Artensterben ist so dramatisch, dass Zoos tatsächlich eine bewahrende Aufgabe haben. 80 000 Tiere und Pflanzen stehen auf der roten Liste; rund 25 000 sind akut vom Aussterben bedroht. Stark betroffen sind Amphibien: Ihre Lebensräume werden zusehends zerstört – aber das interessiert nicht. Deshalb ist es wichtig, Tiere so artgerecht wie möglich zu halten. 

Wie wichtig ist das Savannenhaus?
Savannen werden immer mehr zu Wüsten. Mehr und mehr dieser Grasebenen mit ihrer grossen Artenvielfalt verschwinden. Gründe sind erhöhter Wasserverbrauch, Rodung, Viehherden und Buschfeuer. Im Savannenhaus machen wir auf diese Problematik aufmerksam. Wer die Schönheit und Faszination der Savanne kennt, will auch zu ihrem Schutz beitragen. 

Welche Tiere leben in der Savanne?
Neben Elefanten, Giraffen, Antilopen, Flusspferden und Löwen leben in Savannen auch viele Insektenarten: Heuschrecken, Ameisen, Termiten. Im Savannenhaus im Walter Zoo leben Erdmännchen, die grossohrigen Fennek, Wüstenfüchse, die kleinsten, natürlichen Hundeartigen, Gundi (Kammfinger), Steppenwaran, Chamäleon und Nacktmull. Die sind krebsresistent und werden in der Pharmaindustrie als Versuchstiere verwendet.

Haben Tiere eine Seele?
Ja, für mich haben sie definitiv eine Seele.

Wie gewährleistet man in einem Zoo die Würde der Tiere?
Tierwürde ist etwas vom Wichtigsten. Wir gewährleisten sie durch möglichst artgerechte Haltung und wenig Störungen. Wenn – was selten vorkommt – Besucher ein Tier quälen, greifen wir natürlich sofort ein.

Welchen Sinn haben Zoos heute noch?
Kinder sind sehr wichtig. Sie lernen im Zoo Tiere kennen und schätzen. Der Mensch steht nicht über dem Tier; er ist nicht der Obermacker. Kinder erfahren im Zoo die Faszination der Tiere

 

Interview: Margrith Widmer, Teufen

 


Von roundabout SG-APP (Rahel Schwarz) erfasst am 14.09 2018 11:50

Danke!

Vielen Dank für die Veröffentlichung des Artikels. Wir freuen uns über jedes interessierte Mädchen, über neue Partnerorganisationen oder Workshop-Anfragen. Freundliche Grüsse Rahel Schwarz kantonale Leiterin roundabout SG-APP

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