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Leben & Glauben

Die Reformanzen

«Lückenbüsserinnen, Lästermäuler und Lockvögel»: Die drei St. Galler Pfarrerinnen Kathrin Bolt, Andrea Weinhold und Marilene Hess verwenden Luthers Wortschöpfungen als treffende Zusammenfassung für ihre kreative Arbeit. Mit Röbi Fricker bilden sie das Reformations-Kabarett «Röbi und die Reformanzen».

Sind die «Reformanzen» so etwas wie «reformierte Emanzen»? Die Frauen bestätigen das umgehend. «Emanzen! Nicht: Romanzen! Obwohl etwas Romantisches und Feminines immer erhalten bleibt.» Gerne wird mit Wörtern und ihren Bedeutungen gespielt.

«Menschen fühlen sich verstanden. Wir erreichen viele Schichten.»

Auftritt reiht sich an Auftritt
Das Trio entstand aus Anlass des Reformationsjubiläums. Bereits kannten und schätzten sich die Pfarrerinnen gegenseitig. Der Entscheid, zusammen auf die Bühne zu gehen, kam jedoch erst im Reformationsjahr. Seit Ende Mai 2018 führen sie ihr Programm auf. «Wir haben den ersten Abend geplant und wollten sehen, ob unsere Ideen beim Publikum ankamen», beschreibt Marilene Hess den Anfang. Seitdem hat sich jedoch Auftritt an Auftritt gereiht, und die Gruppe hat es auf kleinere und grössere Bühnen und bereits bis nach Bern geschafft. 

Humor als Brücke
Im Gespräch entsteht ein Bild von Lebensfreude und Lebensmut. Ebenso könnte man von «Freude an der Kirche» und «Mut zur Veränderung» sprechen. Eines ist sicher: Hier geht es nicht um schwere Tradition, sondern um leichtfüssige Interpretation. Damit wird der Anschluss an die Gesellschaft gefunden. «Menschen fühlen sich verstanden», sagt Andrea Weinhold. Humor als Brücke zum Menschen? «Es ist auch eine Brücke zu uns selbst», sagt Marilene Hess. «Die Erfahrung auf der Bühne hat auch mit uns selbst etwas gemacht. Tragen wir die Erfahrung in den Gottesdienst hinein, wird dieser authentischer, sinnlicher.» Kathrin Bolt ergänzt: «Es ist eine Hilfe für die Beziehungsarbeit in den Kirchgemeinden.»

Bis zum Jahresende sind weitere Auftritte vorgesehen. Wie es danach weitergeht, ist noch nicht geklärt. «Wir machen dies nebenberuflich und schauen, wie es sich weiterentwickelt.» 

Tourdaten: www.straubenzell.ch

 

Text | Foto: Karsten Risseeuw – Kirchenbote SG, November 2018

 

«Wer lacht, tut sich selbst etwas Gutes.»

Ihr habt ein ausführliches Programm mit Liedern, Gesang, Poetry Slam, Anekdoten und vielem mehr. Wer schreibt all diese Texte?
Jede trägt bei. Wir sind drei komplett verschiedene Persönlichkeiten, und die ganze Vielfalt fliesst in das Programm ein. Wir sammelten die Texte und stellten erstaunt fest, wie gut alle Beiträge zusammenpassen. So entstand unser aktuelles Programm.

Welche Rolle spielt die Musik?
Ohne unseren Pianisten Röbi Fricker geht gar nichts. Mit seiner Musik verbindet er all die verschiedenen Teile zu einem Ganzen. Als wir ihn fragten, ob er an diesem Projekt teilnehmen würde, sagte er, dass er nur Musik machen wolle, sonst nichts. Heute sieht das ganz anders aus. Von Röbi kommt viel guter Input, immer wieder auch während der Auftritte. Die Zuschauer schätzen das.

Wann ist mit einem Auftritt das Ziel erreicht?
Das ist ganz einfach: Wenn die Betrachter lachen. Wir möchten schwere Themen leicht darstellen und dadurch die Wahrnehmung ändern. Wer lacht, tut sich selbst etwas Gutes.

Ist Humor etwas Heilendes?
Humor ist etwas Transzendentes, etwas Indirektes. Es kann eine Wahrheit auf befreiende Art beschreiben. Das Wort «Katharsis» ist hier angebracht: Es geht um Lösung und Befreiung, um etwas Reinigendes. Bonhoeffer unterschied zwischen «Letztem» und «Vorletztem». Wir Menschen leben im Vorletzten und in Anbetracht des Letzten. Im Vorletzten sind wir daheim. Hier brauchen wir Humor.

 

Interview: Karsten Risseeuw  – Kirchenbote SG, November 2018


Von roundabout SG-APP (Rahel Schwarz) erfasst am 14.09 2018 11:50

Danke!

Vielen Dank für die Veröffentlichung des Artikels. Wir freuen uns über jedes interessierte Mädchen, über neue Partnerorganisationen oder Workshop-Anfragen. Freundliche Grüsse Rahel Schwarz kantonale Leiterin roundabout SG-APP

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