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Gesellschaft

Halloween wird christlich

Als eine der ersten Kirchgemeinden der Schweiz feiert Dulliken Halloween. Und das in einer christlichen Version. Für die Sozialdiakonin Cornelia Ingold erhält das ehemals keltische Totenfest so einen zusätzlichen Aspekt.

In den letzten Jahren wurde Halloween ständig populärer. Immer mehr Kinder und Jugendliche ziehen am 31. Oktober, wenn es eindunkelt, durch die Strassen und klingeln an den Türen. Mit dem Schlachtruf «Süsses oder Saures» betteln die kleinen Hexen, Monster und Ungeheuer um Süssigkeiten.

Der Brauch aus den USA kommt nicht überall an: Cornelia Ingold, Sozialdiakonin und Mutter dreier Kinder, kennt das Dilemma. Viele Eltern könnten mit Halloween nichts anfangen. «Sie wollen nicht, dass ihre Kinder nachts von Tür zu Tür ziehen. Schliesslich geben sie dem Drängen der Kinder nach, mit einem schlechten Gefühl.» Manch Erwachsenen ärgere es, wenn es am späten Abend an der Tür klingelt, sagt Ingold. «Gerade Senioren und Eltern von Babys nerven sich, wenn diese aus dem Schlaf gerissen werden.»

Halloween nicht ignorieren
Die Jugendarbeit der Kirchgemeinde Dulliken setzt da an. Statt den Brauch zu ignorieren, greift sie das Bedürfnis nach Halloween auf und bietet dazu eine Alternative: Halloween, in
einem geschützten Rahmen mit christlicher Ausrichtung. Seit vier Jahren kommen rund 30 Kinder ins Kirchgemeindehaus, verkleiden und schminken sich, basteln, spielen und essen Hotdogs und Süssigkeiten. 

Geführt von einer brennenden Fledermaus-Laterne zieht die Schar dann hinaus in die Nacht zum Schulhausplatz, wo Ingold eine Geschichte erzählt. Sie soll den Kindern und Eltern vermitteln, dass «Jesus das Licht der Welt ist und sie auch in dunklen Zeiten nicht alleine sind». Dieses Licht gebe Sicherheit und Vertrauen, sodass man sich nicht fürchten müsse, sagt die Sozialdiakonin, etwa vor den Monstern unter dem Bett oder den Gespenstern hinter der Tür, von denen die Kinder berichten.

Verstorbene holen die Seelen
Mit seinem Ansatz liegt Dulliken nicht daneben. Denn mit dem einstigen keltischen Neujahrsbrauch, dem «Samhain», vermischen sich heidnische und christliche Traditionen. Die Kelten glaubten, dass am 31. Oktober die Welt der Lebenden mit jener der Toten zusammentrifft. An diesem Tag konnten die Verstorbenen von den Seelen der Menschen Besitz ergreifen. Wenn sich die Lebenden jedoch verkleideten und schreckliche Masken überzogen, konnten sie die Geister abschrecken. 

Irische Einwanderer brachten den Halloween-Brauch in den 1840er-Jahren in die USA, wo er seither mit viel Aufwand gefeiert wird. Selbst Prominente in Hollywood verkleiden sich jedes Jahr aufs Neue für die skurrilen Halloweenpartys.

Seelenbrot und leuchtende Rüben
Der keltische Totenkult nahm im Laufe der Zeit christliche Traditionen und Legenden auf. Der Name «Halloween» geht zurück auf «All Hallows Evening», den Abend vor dem katholischen Allerheiligen. «Trick or Treat», das Betteln um Süsses, hat ebenfalls christlichen Ursprung. Am 2. November (Allerseelen) bettelten die Christen im 9. Jahrhundert in den Dörfern um «Seelenkuchen», ein Brot mit Johannisbeeren. Sie versprachen, im Gegenzug für die verstorbenen Angehörigen zu beten.

Der Brauch des leuchtenden Kürbisses hat seinen Ursprung in einer irischen Erzählung. Ein Schlitzohr namens Jack, das gerne trank, brachte den Teufel dazu, auf einen Baum zu klettern. Dann nahm Jack ein Messer und ritzte ein Kreuz in die Baumrinde, der Satan konnte nicht mehr hinuntersteigen. Jack liess den Teufel erst herunter, als dieser versprach, dass er ihn nie mehr fürchten müsste.

Zwischen Himmel und Hölle
Als Jack starb, durfte er nicht in den Himmel, da er sich mit dem Teufel eingelassen hatte. Doch auch in die Hölle konnte er nicht. Der Teufel gab ihm eine ausgehöhlte Rübe, in die er eine glühende Kohle legte, damit Jack seinen Weg durch die dunkle Welt finden würde. Da es in den USA kaum Rüben gab, griff man auf Kürbisse zurück.

Aufgrund ihrer Erfahrungen in Dulliken findet es Cornelia Ingold für andere Gemeinden durchaus einen Versuch wert, Halloween nicht zu ignorieren, sondern diesen Brauch als Kinderfest ins Gemeindeleben zu integrieren: «Die Jugendlichen und Kinder freuen sich, und die Eltern erleben die Kirchgemeinde als Partnerin bei einem aktuellen Alltagsproblem und mit deren Unterstützung sie einen entspannten Abend haben.» Die Integration von Halloween begründet sie wie folgt: «Die Kirche ist ein lebendiger Leib, und wir sind alle Kinder unserer Zeit. Das Evangelium hingegen darf – als zeitlose Wahrheit – immer wieder im neuen Kleid daherkommen.»

Tilmann Zuber, kirchenbote-online, 30. Oktober 2018


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