Logo
Religionen

Weihnachten feiern im Gefängnis

Weihnachten, die populärste christliche Festzeit, ist auch im Gefängnis ein Thema – allerdings mit Einschränkungen und Grenzen. Trotzdem wird in der offenen Anstalt Saxerriet mit über 100 Insassen an einer gemeinsamen Feier festgehalten.

Auch wenn der Strafvollzug eine Aufgabe des säkularen Staates ist, hat die christliche Tradition einen Platz im Gefängnis – einerseits durch die Religiosität der Gefangenen, andererseits durch die Gefängnisseelsorge. Von den Insassen gehört aber nur eine Minderheit der evangelischen oder katholischen Konfession an. Neben Ausgetretenen gibt es auch orthodoxe Christen und Insassen muslimischen, buddhistischen oder hinduistischen Glaubens. Und wie bei den Christen wird die eigene Religion mit einer mehr oder weniger ausgeprägten Kenntnis oder Verbundenheit gelebt. Viele haben zudem ein negatives Bild von ihrer Konfession oder von
Religion überhaupt. 

Schlichtes Feiern für alle

Trotz dieser Einschränkungen hält die offene Strafanstalt Saxerriet an einer Weihnachtsfeier fest, in diesem Jahr am Abend des 17. Dezember. Von einer obligatorischen Feier in der Turnhalle hat man vor acht Jahren Abstand genommen – es gab Störungen. 

«Seit drei Jahren gibt es wieder eine Weihnachtsfeier für alle Insassen, allerdings niederschwelliger.»

Es folgten Weihnachtsfeiern in der Gärtnerei – freiwillig und von der Seelsorge verantwortet. Allerdings besuchten weniger Insassen diesen stimmungsvollen Anlass. Seit drei Jahren gibt es wieder eine Weihnachtsfeier für alle Insassen, allerdings niederschwelliger. Sie findet im Essraum statt – da, wo sich sowieso alle Strafgefangenen dreimal täglich zur Mahlzeit einfinden. 

Bei der Weihnachtsfeier ist das Essen etwas später angesetzt, reichhaltiger und festlicher. Zwischen den Gängen spricht Strafanstaltsdirektor Martin Vinzens, der ursprünglich Theologe ist. Vor dem Dessert thematisieren die Gefängnisseelsorger eine Passage aus den biblischen Weihnachtsgeschichten. In diesem Jahr geht es um das Motto «Fürchtet euch nicht!». Der Bibeltext wird möglichst von Insassen in verschiedenen Sprachen vorgetragen. 

Gemeinsam singen
Seit Jahren mit dabei ist das Mentigschörli aus Appenzell. Es singt Weihnachtslieder und Passagen aus der «Misa Criolla Veneolana». Chorleiter Hanspeter Masina wird im Vorfeld wieder im Gefängnis vorbeikommen, um mit Gesangswilligen Lieder einzuüben. 

Die Feier im Saxerriet endet jeweils mit der Übergabe eines Pakets an alle Insassen. Der Inhalt stammt teils vom Gefängnis – etwas Praktisches für die Körperpflege, teils von den Gefängnisseelsorgern – etwas Süsses zum Essen und natürlich auch ein geistliches Wort als Seelennahrung.

 

Text: Andreas Schwendener, Gefängnisseelsorger im Saxerriet | Foto: Martin Vinzens  – Kirchenbote SG, Dezember 2018

 


Von roundabout SG-APP (Rahel Schwarz) erfasst am 14.09 2018 11:50

Danke!

Vielen Dank für die Veröffentlichung des Artikels. Wir freuen uns über jedes interessierte Mädchen, über neue Partnerorganisationen oder Workshop-Anfragen. Freundliche Grüsse Rahel Schwarz kantonale Leiterin roundabout SG-APP

Kommentar erstellen
KIRCHENBOTE E-PAPER

Alle Kirchenboten ab 2002 zum Lesen, Suchen und Herunterladen...

Röbi und die Reformanzen – Das Programm als Film  | Artikel

«Lückenbüsserinnen, Lästermäuler und Lockvögel»: Die drei St.Galler Pfarrerinnen Kathrin Bolt, Andrea Weinhold und Marilene Hess verwenden Luthers Wortschöpfungen als treffende Zusammenfassung für ihre kreative Arbeit. Mit Röbi Fricker bilden sie das Reformations-Kabarett «Röbi und die Reformanzen». Andreas Schwendener war an der Dernière in der St. Galler DenkBar mit der Kamera dabei und hielt das Programm in voller Länge fest. Ein Genuss! 


St. Gallen – eine Stadt sucht ihr protestantisches Profil  | Artikel

Vor 100 Jahren ist die «freie protestantische Vereinigung St. Gallen» gegründet worden. Der Verein wollte den Zusammenhalt und die Position der Protestanten in der Stadt stärken. Heute nennt er sich Evangelisch-reformiertes Forum. Aus Anlass des Jubiläums referierte der Präsident Andreas Schwendener im Stadtsaal St. Gallen über das Ringen um ein protestantisches Profil.  

 


Der Kirchenbote ohne Folie – ein Versuch  | Artikel

Eine Teilauflage des Februar-Kirchenboten ist ohne Folie versandt worden. Durchwegs positive Rückmeldungen – auch von PostMail – sind bei der Herausgeberkommission eingetroffen.

Seit einigen Jahren wird der Kirchenbote für den Versand in Folie eingeschweisst. Regelmässig erreichen uns Anfragen zu dieser Folierung: «Geht das nicht umweltfreundlicher?» Die Kirchenbote-Kommission evaluiert zurzeit verschiedene Alternativen. 

Mehr dazu lesen Sie hier.


Uraufführung von Peter Roths Requiem  | Artikel

Im Auftrag der St. Galler Kantonalkirche hat der Musiker und Komponist Peter Roth ein Requiem geschaffen. Die Uraufführungen in St. Gallen und in Alt St. Johann zogen über 1500 Interessierte in Bann. Wer keinen Stuhl mehr ergattern konnte, dem bietet sich im kommenden Jahr nochmals die Gelegenheit «Wisst ihr denn nicht?» zu erleben, und zwar am: 

Samstag,15. Juni 2019, 20 Uhr, Grossmünster, Zürich
Sonntag, 23. Juni 2019, 17 Uhr, Lukaskirche, Luzern

Kampagne