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Kirche, Politik, Wirtschaft

«Wir tragen deshalb keine Wollsocken»

17.12.2018
Noch kräht kein «Grüner Güggel» im Kanton  Gallen. Denn bis heute besitzt keine Kirchgemeinde dieses Umweltlabel. Das soll sich nun ändern. Die evangelische Kirchgemeinde Tablat will sich 2019 zertifizieren lassen.

«Es ist nicht so, dass die Idee aus dem Nichts heraus geboren wurde. Unsere Kirchgemeinde begab sich schon früh auf den ökologischen Weg. Sie war 1986 Gründungsmitglied des Vereins oeku – Kirche und Umwelt», sagt Waltraud Kugler. Als Mitglied der Kirchenvorsteherschaft Tablat besuchte sie 2016 den oeku-Lehrgang kirchliches Umweltmanagement, nachdem sich ein Jahr zuvor in der Kirchgemeinde die Gruppe «grün & fair» formiert hatte. Sie setzt sich zum Ziel, den «Grünen Güggel» zu erlangen. «Wir erfassen derzeit eine Menge an Daten, rechnen den Verbrauch der Liegenschaften aus, operieren hier mit verschiedenen Temperaturen und weiterem mehr», so Kugler, die seit dem Kurs den Titel «kirchliche Umweltberaterin» trägt. 

«Es ist ein langer Prozess, weil die Gruppe freiwillig arbeitet und wir als grösste Kirchgemeinde des Kantons sechs
Kirchenstandorte aufweisen.»

Mit dem Label geht es richtig los
Der Prozess sei lang, zumal die vierköpfige Gruppe freiwillig arbeite und Tablat sechs Kirchenstandorte aufweise. «Doch wir sind auf gutem Weg und können uns wohl 2019 zertifizieren lassen.» Ab dann, so die St. Gallerin, gehe es erst richtig los. «Wir versuchen der Biodiversität gerecht zu werden, die Wiesen nicht wie englische Rasen zu mähen, invasive Pflanzen wie den Kirschlorbeer zu eliminieren und via Datenaufzeichnung zu zeigen, dass zu hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit schädlich sind für Orgel und Wände.» Die Kirchgemeinde mache sich klar bekennend auf den Weg, Schöpfung zu bewahren und die Verantwortung für sie auch den 8000 Kirchbürgern bewusst zu machen. «Wir werden nicht perfekt sein und tragen deshalb keine Wollsocken – aber wir sind als Kirche in der Pflicht, denn auch künftige Generationen haben ein Anrecht auf eine intakte Umwelt und natürliche Ressourcen.» 

Schweizweit 16 Gemeinden
Den Einwegbecher gibt es in Tablat bereits nicht mehr. Und: Die Kirche Halden ist als erste der Schweiz vollständig mit einem Solardach gedeckt. «Auf diese Vorreiterrolle sind wir stolz», sagt Waltraud Kugler. Jetzt aber hoffe sie, dass die Botschaft des «Grünen Güggels» sich mehr verbreite. Derzeit sind 16 Schweizer Kirchgemeinden – reformierte wie katholische – zertifiziert, zehn davon befinden sich im Kanton Thurgau, fünf im Kanton Zürich und eine im Kanton Bern.

 

Text: Katharina Meier | Foto: M. Wenk, evangelische Kirchgemeinde Tablat   – Kirchenbote SG, Januar 2019

 

«Umweltgerechtes Gemeindeleben»

Die Umweltinitiative «Grüner Güggel» ist ein Zeichen des kirchlichen Engagements für den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen und zur Erhaltung der Schöpfung. Die Initiative wurde im Frühjahr 2009 ins Leben gerufen. Der Weg zum «Grünen Güggel» erfolgt in zehn Schritten: Eine Umweltgruppe erarbeitet in einem Umweltprogramm die wichtigsten Massnahmen, sei es beim Energiesparen, bei der Büroökologie oder bei der Umgebungsgestaltung. Schöpfungsleitlinien halten die wichtigsten Grundsätze für das umweltgerechte Gemeindeleben fest. Zertifizierungsstelle ist «oeku Kirche und Umwelt» mit Sitz in Bern, www.oeku.ch. 

 


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