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Spiritualität

Heilerkräfte oder falsche Versprechen

Das Geschäft mit Geistheilen boomt. Kann Handauflegen Gebrechen lindern oder sind es nur falsche Versprechungen von Scharlatanen?

Handauflegen, Geistheilen, Pendeln und Kontakte mit Verstorbenen. Das Geschäft mit dem Übersinnlichen blüht. Rund 13'000 registrierte Heilpraktiker arbeiten in der Schweiz. Und die Esoterikmessen ziehen jährlich Tausende an. Ein Podium, auf dem Ärzte, Heiler, Befürworter und Kritiker sassen, stellte sich im letzten Jahr diesem Phänomen. Eingeladen hatte der Theologe und Geistheiler Matthias A. Weiss.

Der Onkologe und AlternativmedizinerKaspar Rhyner führt den Boom darauf zurück, dass das Bewusstsein der Menschen für die eigene Gesundheit zugenommen habe. «Vor fünfzig Jahren definierten die Mediziner, was Gesundheit ist. Heute lassen sich die Patienten weniger vorschreiben und wollen die Verantwortung für das eigene Leben übernehmen.» 

Rhyner begrüsst diese Entwicklung. Die Alternativmedizin habe die Schulmedizin in den letzten Jahrzehnten verändert, und dies zum Guten. «Der Körper ist viel komplizierter, als sich dies die Schulmedizin vorstellt», erklärte der Onkologe. «Die Halbwertszeit des wissenschaftlichen Wissens beträgt fünf Jahre. Nur wir Ärzte benehmen uns nicht danach und sind nach wie vor zu wenig beweglich.»

Falsche Versprechen

Für Hugo Stamm, Journalist beim «Tagesanzeiger», hat Geistheilen nichts mit Medizin zu tun. Das gehört in die Ecke der Wellness-Bewegung. «Es ist ein Luxus der Wohlstandsgesellschaft, zu glauben, man könne alles heilen. Stamm stellt fest, dass die Esoterik allmählich die Schulmedizin verdrängt und die Pharmazie verteufelt. Fatal sei es, wenn Scharlatane Kranke davon abhielten, Ärzte aufzusuchen, und falsche Versprechungen machten.

Häufig bekommt Stamm Einblick in solche Fälle. Etwa als ein Heiler eine 23-jährige Frau mit Brustkrebs davon abhielt, die notwendige Therapie zu machen. Der Tumor wuchs und platzte. Selbst da erklärte ihr der Heiler, sie dürfe keine Schmerzmittel nehmen, das raube ihr die Energie. Die Frau kam ins Spital und starb zwei Wochen später elend. «Wenn sie rechtzeitig mit der Therapie begonnen hätte, so wären ihre Heilungschancen zwischen 85 bis 90 Prozent gelegen», sagt Stamm. Für den Redaktor ist es unverständlich, dass das Bundesamt für Gesundheit nicht gegen diesen Geistheiler vorging. Stamm sieht die Erfolge der Heiler im Placebo-Effekt. Der Körper heile  viele Krankheiten selber, später glauben die Leute, das seien die Kräfte des Mediums gewesen. Der Journalist ist davon überzeugt, dass Handauflegen keine schweren Krankheiten heilt.

Jesus heilte Aussätzige

Die Bibel sieht dies anders. Die Evangelien berichten, wie Jesus Aussätzige heilte, Gelähmte zum Gehen brachte und Dämonen austrieb. Und der auferstandene Christus ermuntert seine Jünger, es ihm gleich zu tun. «Kranke, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.» (Markus 16.18b) 

Alles nur ein Phänomen magischer Vorstellungen einer Zeit, als es noch keine Antibiotika, Cortison und Skalpelle gab? Ja, sagen die Kirchen Europas unter dem Einfluss der Aufklärung und der Naturwissenschaften. Nein, sagen immer mehr Gläubige. Für sie steckt in der einfachen Geste des Handauflegens, der achtsamen Berührung und Zuwendung ein enormes Potenzial. In Basel, Zürich, Bern und Luzern bieten Kirchgemeinden inzwischen das Handauflegen an. Mit Erfolg, das Bedürfnis scheint ungebrochen.

Die Theologin Anemone Eglin beschäftigt sich seit Jahren mit Seelsorge und Spiritualität. Mit der Universität Zürich führt sie zwei Studien über das Handauflegen bei pflegebedürftigen und bei Menschen mit chronischen Schmerzen durch. Das Ergebnis erscheint im Juni.

Anemone Eglin erinnert daran, dass in den christlichen Gemeinden der Antike und des Mittelalters Handauflegen selbstverständlich war und Heilungen geschahen. Selbst der Reformator Martin Luther empfahl einem Kollegen dieses Ritual: «Mache einen Hausbesuch, lege dem Kranken die Hände auf und sprich: Friede sei mit dir Bruder …» Die Segenskraft kann beim Handauflegen ihre Wirkung auf der physischen, psychischen oder spirituellen Ebene entfalten, erklärt Eglin. Fast alle Bewohner des Pflegeheims, denen während vier Wochen die Hände aufgelegt wurden, fühlten sich getragen und aufgehoben, und die Angstgefühle nahmen ab», sagt Eglin «Ich fühlte mich Gott viel näher», habe eine der Frauen gesagt.

Buchtipp: Heilen, Evangelische Zeitschrift Frauenforum, Januar/Februar 2019

Tilmann Zuber, Kirchenbote, 12.2.2019

Seriöse Heiler erkennen

  • Die Stundenansätze werden zum Voraus bekanntgegeben. Sie sind nicht übermässig hoch. 
  • Ein Heiler verspricht nicht sofortige Besserung oder Wunder. Sie oder er verspricht nur, das Beste zu geben. 
  • Ein Heiler oder eine Heilerin verlangt nicht, sich von der Familie oder dem Freundeskreis zu lösen. 
  • Ein Heiler lehnt die etablierte Medizin nicht ab und behauptet nicht, nur ihr oder sein Weg sei der richtige. Eine Heilerin oder ein 
    Heiler rät niemals, eine vom Arzt verschriebene notwendige Behandlung zu unterbrechen. 
  • Eine Heilerin oder ein Heiler verabreicht oder verkauft keine Medikamente, sondern überprüft höchstens die Wirksamkeit eines vom Arzt verschriebenen Medikamentes. 
  • Wenn ein Heiler auf eine versteckte Krankheit stösst oder diese Art von Krankheit nicht behandeln kann, dann zögert er nicht, den Patienten zum Arzt oder ins Spital zu schicken.

Zudem haben Sie die Möglichkeit, einen Scharlatan anzuklagen, falls es sich um einen schwerwiegenden Missbrauch handelt.

Aus dem Buch «Heilerinnen und Heiler in der Deutschschweiz» von Riti Sharma und Magali Jenny (SRF)


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Die Begegnung mit schwer kranken und sterbenden Menschen erfordert Respekt, Offenheit und Einfühlungsvermögen. Der Grundkurs möchte entdecken helfen, wie wir für Menschen am Ende ihres Lebens dasein können. Der Kurs bietet Gelegenheit, sich mit der eigenen Sterblichkeit, mit dem Tod und dem Abschied auseinanderzusetzen. Sie lernen die Wünsche und Anliegen schwerkranker Menschen wahrzunehmen und achten dabei auf Ihre eigenen Grenzen. Die ökumenische Fachstelle «Begleitung in der letzten Lebensphase» (kurz BILL) bietet am 16. und 23. November in Wattwil einen Kurs an. Weitere Hinweise entnehmen Sie bitte dem Flyer

 


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Noten, Demo zum üben und den Flyer finden Sie unter der Agenda.