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Gesellschaft

«Die ‹Me too›-Bewegung ist wichtig»

Mit «Gemeinsam für starke Frauen – Gemeinsam für eine gerechte Welt» will die Jubiläumskampagne von Fastenopfer, Brot für alle und Partner sein für mehr Gerechtigkeit sorgen. Pascal Bazzell, Beauftragter der Arbeitsstelle Weltweite Kirche», spricht über die Bedeutung der Aktion.

Herr Bazzell, ist das diesjährige Thema die kirchliche Reaktion auf die aktuellen Frauen-Debatten (Löhne, Quoten usw.)?
Pascal Bazzell: Überhaupt nicht! Frauen und deren weltweiter Beitrag zu positiven Veränderungen war schon mehrmals ein Fokus der Bfa-Kampagne. Die Kirche ist oft eine Vorreiterin in Sachen Gendergerechtigkeit. 

Machen starke Frauen die Welt gerechter? Wie steht es mit Margaret Thatcher? Suu Kyi in Myanmar wurde sogar der Menschenrechtspreis entzogen.
Bazzell: Das sind schlechte Beispiele. Die Erfahrung zeigt, dass eine Stärkung der Frauen fast immer zu mehr Gerechtigkeit führt. Durch die Bfa-Kampagne sehen wir, dass es weltweit schon viele starke Frauen gibt. Nur ist es für diese Frauen schwierig, sich öffentlich zu positionieren. Da können wir Unterstützung leisten.

Bfa gibt eine Broschüre mit 50 starken Frauen heraus. Weshalb fehlen Exponentinnen von «Me Too»?
Bazzell: Weil es um Frauen geht, die in bereits bestehende Projekte von Bfa involviert sind. Die «Me Too»- Bewegung ist wichtig, ist aber nur ein Teil der ökumenischen Kampagne. Missbrauch ist ein wichtiges Thema, zu welchem die Kirche sich auch äussern muss. Die Kampagne ist aber breiter aufgestellt.

Was ist das Ziel der diesjährigen Kampagne?
Bazzell: «Werde ein Teil des Wandels!» ist das übergeordnete Motto, nach dem wir alle die gerechtere Welt mitgestalten sollen. Dieses Jahr hören wir wichtige Stimmen von Frauen, die in vielen Ländern des globalen Südens für eine gerechte Welt einstehen. Die Auswahl der Projekte der ökumenischen Sammelaktion hat diesen Fokus.

Hat «Brot für alle» noch eine Relevanz? Als ich jung war, kamen 200 Personen an einen
«Suppenzmittag», heute sind es kaum noch 50.
Bazzell: Da stellt sich die Frage, welche Modelle heute zeitgemäss sind. Ob früher wirklich allen Leuten bewusst war, um welche Anliegen es ging? Aber fraglos ist Bfa auch heute noch eine wichtige kirchliche Stimme im Bereich der Entwicklungspolitik. Damit sie auch gehört wird, ist Kreativität gefordert. Zum Beispiel war ich heute morgen bewegt von einem Slogan im Fastenkalender und machte ihn sogleich zu meinem Steckbrief auf Facebook. Innert Kürze gab es mehrere Likes und Kommentare. Wir brauchen neue Formen. Denken wir an die Schulstreiks für das Klima – da ist unglaublich viel Energie vorhanden. 
Haben wir den Anschluss? Leisten wir Unterstützung?

Wie kann unsere Kirche dem Anliegen von Entwicklungshilfe und Mission noch mehr
Gehör verschaffen?
Bazzell: Noch stärker als bisher sind wir in den Gemeinden und im persönlichen Leben aufgefordert, Teil des Wandels zu sein. Das heisst zum Beispiel, unseren alltäglichen Umgang mit Ressourcen im Blick zu haben und dazu gehört auch, wo und was wir einkaufen. Wenn wir auf diese 50 Jahre Brot für alle zurückblicken, lässt sich zusammenfassend sagen: Die Kirche hat in Fragen zu Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung, Menschenrechten und Menschenwürde Position bezogen und ist immer wieder auch gehört worden. Bfa ist relevant.

 

Text: | Foto: Rolf Kühni, Pfarrer, Sargans  – Kirchenbote SG, März 2019

 

Die Geschichte von Elvira – Editorial

Elvira ist 64 Jahre alt. Lange Zeit wohnte sie in Kouri Haana, einem Slum am Rande von Lima. Noch früher lebte sie im Amazonasgebiet. Perus brutale Guerillakriege zwangen sie, wie Hunderttausende weiterer Menschen, mit ihrer Familie zur Flucht. 

Das Leben in Kouri Haana war hart. Bandenkämpfe, Drogenhandel und Kinderprostitution gehörten zum Alltag. Die zierliche Elvira liess sich davon nicht einschüchtern. Sie schloss sich einer Kirche an und startete in ihrer Hütte mit einer Sonntagschule. Für die Frauen im Slum wurde sie zur Vertrauensperson. 

Elvira kann die unmittelbaren Folgen ihres Wirkens nicht abschätzen. Aber: Ihre drei Kinder entwickelten sich äusserst positiv, obgleich das Milieu der Gewalt allgegenwärtig war. Sie konnten sich aus Konflikten raushalten, ohne Aussenseiter zu sein. Alle drei erhielten ein Stipendium für die staatliche Universität. Elviras Ehemann war eher passiv, liess sie aber gewähren. Das ist ziemlich viel, in einer massiv vom Machismo geprägten Kultur.

Heute leben Elvira und ihr Mann direkt in Lima. Beide gehen aber regelmässig nach Kouri Haana arbeiten. Sie unterstützen hier ihren Sohn Carlos und seine Schweizer Ehefrau beim Aufbau eines spannenden sozialmissionarischen Projekts. Aus der schäbigen Slum-Hütte wurde ein dreistöckiges Projektgebäude – dank Schweizer Unterstützung. Elvira ist sehr glücklich. Sie sieht, dass sich ihr grosser Einsatz gelohnt hat.

Starke Frauen braucht die Welt! Oder eben: Gemeinsam für starke Frauen – gemeinsam für eine
gerechte Welt. 

Rolf Kühni, Pfarrer, Sargans


Von roundabout SG-APP (Rahel Schwarz) erfasst am 14.09 2018 11:50

Danke!

Vielen Dank für die Veröffentlichung des Artikels. Wir freuen uns über jedes interessierte Mädchen, über neue Partnerorganisationen oder Workshop-Anfragen. Freundliche Grüsse Rahel Schwarz kantonale Leiterin roundabout SG-APP

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