Logo
Religionen

Ins Beziehungsnetz der Kirche eintreten

Christina Hegelbach ist heute Geschäftsführerin der Kirchgemeinde Tablat-St. Gallen. Von ihrem 24. Lebensjahr bis Anfang 30 war sie kein Mitglied der Kirche mehr. Wie es dazu kam, warum sie wieder eintrat und was sie heute an der Kirche schätzt …

Sich zur Kirche und zum Glauben zu bekennen, war keine Selbstverständlichkeit, als Christina Hegelbach ein Kind war. Denn sie wuchs in der DDR auf, in der kleinen Stadt Burg in Sachsen-Anhalt. Im sozialistischen Staat wurden die Kirchen unterdrückt (siehe Kasten). Trotzdem waren Christina und ihre Familie aktive Mitglieder der lutherischen Kirchgemeinde vor Ort.

Die Kirche gab Halt
Trotz der Schwierigkeiten, die eine Kirchenmitgliedschaft bedeutete, war diese damals ein wichtiger Teil in Christinas Lebens. Weder sie noch die Eltern haben die Mitgliedschaft in Frage gestellt. «Ich war stolz darauf, dabei zu sein», sagt sie heute, «denn die Kirche war ein Halt. Sie hat davor geschützt, im ungerechten Staat unterzugehen.» Mitgliedschaft in der Kirche bedeutete ein Nein zu den herrschenden Umständen in der DDR. 

«Unter reformiert konnte ich mir nichts vorstellen.»

Nach dem Studium siedelte Christina 1998 mit zwei Koffern in die Schweiz über. Doch als sie sich bei der politischen Gemeinde in Schwellbrunn anmeldete, war sie verwirrt. Unter Konfession gab es folgende Auswahlmöglichkeiten: römisch-katholisch, evangelisch-reformiert oder keine. Christina verstand sich als Lutheranerin. Unter reformiert konnte sie sich nichts vorstellen. Eine lutherische Gemeinde, so erfuhr Christina, gab es in Zürich. Aber wie sollte da die Teilnahme am Gemeindeleben funktionieren, wenn sie in Schwellbrunn wohnte? Auch das kam für Christina nicht in Frage. «Dann kreuzen Sie doch einfach keine an», riet ihr der Mitarbeiter auf der Gemeinde. Das tat Christina und war damit offiziell kein Kirchenmitglied mehr. Da war sie 23 Jahre alt. 

«Hochzeit. Sicherlich kirchlich! Aber wie?»

In den folgenden Jahren fand sie keinen Anschluss an eine Kirchgemeinde. Erst als sie ihren heutigen Ehemann kennenlernte, änderte sich das – als das Thema «Hochzeit» im Raum stand. Sicherlich kirchlich! Aber wie? Ihr Mann ist katholisch. Sollte sie auch katholisch werden? Oder doch reformiert? Christina begann sich zu informieren. Sie nahm Kontakt zu einem reformierten Pfarrer auf, der sie später auch traute. Der spannte sie gleich für Lesungen im Teamgottesdienst ein. Das gefiel Christina. Sie fühlte sich wohl. Sie schätzte es, sich einbringen zu können – so wie sie es früher aus der Familie gewohnt war. 

Bewusste Wahl
Christina hat sich ganz bewusst für den Eintritt in die reformierte Kirche entschieden. Mit dem Eintritt sei sie angekommen und habe Heimat gefunden. Gerade auch wegen des grossen Beziehungsnetzes, das eine Kirchgemeinde bietet. Das schätzt sie heute ganz besonders.

 

Text: Esther Marchlewitz, Pfarrerin, Rorschach | Foto: Ueli Bächtold  – Kirchenbote SG, April 2019

 

Kirchenmitgliedschaft in der DDR

In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) war zwischen 1945 und 1989 eine einzige Partei (die SED) an der Macht. Sie strebte nach der Kontrolle über alle Lebensbereiche der Bürger. Die Kirchen waren dabei im Weg. Kirchenmitglieder wurden daher unter Druck gesetzt: An der Tagesordnung waren Kontrolle durch den Geheimdienst Stasi oder Benachteiligung bei der Vergabe von Schul- und Studienplätzen. Die Kirchen ihrerseits lehnten die Propaganda des Staates ab. Die kirchlich organisierten Montagsdemonstrationen läuteten das Ende der DDR ein. (em)

 


Von roundabout SG-APP (Rahel Schwarz) erfasst am 14.09 2018 11:50

Danke!

Vielen Dank für die Veröffentlichung des Artikels. Wir freuen uns über jedes interessierte Mädchen, über neue Partnerorganisationen oder Workshop-Anfragen. Freundliche Grüsse Rahel Schwarz kantonale Leiterin roundabout SG-APP

Kommentar erstellen
KIRCHENBOTE E-PAPER

Alle Kirchenboten ab 2002 zum Lesen, Suchen und Herunterladen...

Röbi und die Reformanzen – Das Programm als Film  | Artikel

«Lückenbüsserinnen, Lästermäuler und Lockvögel»: Die drei St.Galler Pfarrerinnen Kathrin Bolt, Andrea Weinhold und Marilene Hess verwenden Luthers Wortschöpfungen als treffende Zusammenfassung für ihre kreative Arbeit. Mit Röbi Fricker bilden sie das Reformations-Kabarett «Röbi und die Reformanzen». Andreas Schwendener war an der Dernière in der St. Galler DenkBar mit der Kamera dabei und hielt das Programm in voller Länge fest. Ein Genuss! 

 


St. Gallen – eine Stadt sucht ihr protestantisches Profil  | Artikel

Vor 100 Jahren ist die «freie protestantische Vereinigung St. Gallen» gegründet worden. Der Verein wollte den Zusammenhalt und die Position der Protestanten in der Stadt stärken. Heute nennt er sich Evangelisch-reformiertes Forum. Aus Anlass des Jubiläums referierte der Präsident Andreas Schwendener im Stadtsaal St. Gallen über das Ringen um ein protestantisches Profil.  

 


Der Kirchenbote ohne Folie – ein Versuch  | Artikel

Eine Teilauflage des Februar-Kirchenboten ist ohne Folie versandt worden. Durchwegs positive Rückmeldungen – auch von PostMail – sind bei der Herausgeberkommission eingetroffen.

Seit einigen Jahren wird der Kirchenbote für den Versand in Folie eingeschweisst. Regelmässig erreichen uns Anfragen zu dieser Folierung: «Geht das nicht umweltfreundlicher?» Die Kirchenbote-Kommission evaluiert zurzeit verschiedene Alternativen. 

Mehr dazu lesen Sie hier.


Uraufführung von Peter Roths Requiem  | Artikel

Im Auftrag der St. Galler Kantonalkirche hat der Musiker und Komponist Peter Roth ein Requiem geschaffen. Die Uraufführungen in St. Gallen und in Alt St. Johann zogen über 1500 Interessierte in Bann. Wer keinen Stuhl mehr ergattern konnte, dem bietet sich im kommenden Jahr nochmals die Gelegenheit «Wisst ihr denn nicht?» zu erleben, und zwar am: 

Samstag,15. Juni 2019, 20 Uhr, Grossmünster, Zürich
Sonntag, 23. Juni 2019, 17 Uhr, Lukaskirche, Luzern

Kampagne