Logo
Religionen

20 Jahre Christlich-Jüdische Projekte

Brückenbauer zwischen den Religionen

01.04.2019
Seit zwanzig Jahren setzen sich die Christlich-Jüdischen Projekte für den Dialog zwischen Christen und Juden in Basel ein. Inzwischen sucht man den Kontakt zu den Muslimen.

Klezmermusik erfüllte den Raum. Der Saal der Israelitischen Gemeinde an der Leimenstrasse in Basel füllte sich mit Gästen, die das Jubiläum der Christlich-Jüdischen Projekte CJP feierten. Darunter viel Prominenz.

Am 8. März 1999 wurden die CJP ins Leben gerufen. Das Ziel: Die Verständigung zwischen der christlichen und jüdischen Religion. Im Laufe der Jahre hat der Dialog auch die muslimische Gemeinschaft miteinbezogen. Verschiedene Projekte sind daraus hervorgegangen, beispielsweise das «Zelt Abrahams», in dem sich christliche, muslimische und jüdische Gläubige austauschen und solidarisch zeigten. Manuel Battegay, der Präsident der Israelitischen GemeindeBasel, lobte insbesondere die «hervorragende Solidarität in der Sicherheitsdiskussion um die Synagoge», die die jüdische Gemeinde von christlicher Seite in Basel erfahren habe. 

Deeskalation anstreben
Die Festansprache hielt der Schauspieler und Kommunikationsexperte Dan Wiener. Souverän und locker gab Wiener praktische Tipps zum schwierigen Umgang mit Vorurteilen und Klischees – so zum Beispiel bei antisemitischen Äusserungen. 

In seinem Vortrag versuchte Dan Wiener aufzuzeigen, dass es wichtig sei, sich zu wehren, die bessere Lösung sei jedoch die Deeskalation und der daraus entstehende Dialog. Durch Kommunikation schaffe der Mensch Gruppen, und diese Zuordnung werde im interkulturellen Dialog ein Problem. Etwa, wenn Gruppenstereotypen den Antisemitismus speisen, erklärte Wiener. Was tun? Werde er mit dem Vorurteil konfrontiert, dass die Juden geschäftstüchtig seien, dann antworte er: «Dann wäre ich wohl kaum Schauspieler geworden.» Nur der Dialog könne auf Dauer etwas verändern, ist Dan Wiener überzeugt. Auf antisemitische Äusserungen könne man mit Gegenfragen wie «Kennen Sie denn solche Juden?» reagieren. Die CJP seien ein Beispiel für einen gelungenen Dialog, der in früheren Jahrhunderten wohl kaum denkbar gewesen wäre. 

Harmonisch wie in Haifa

Als weiterer Gast trat Jacob Keidar, israelischer Botschafter in der Schweiz und Luxemburg, ans Rednerpult. Er verglich die CJP mit seiner Heimatstadt Haifa, die als Vorzeigebeispiel für ein harmonisches Zusammenleben von Juden, Muslimen und Christen gilt. Das Motto der Stiftung «anders glauben, gemeinsam leben» sei mehr als nur ein Schlagwort. Der Dialog werde gelebt, ob in Jugendprojekten oder auf interreligiösen Plattformen – die CJP bauten ihre Arbeit auf der religiösen und historischen Basis auf und förderten den Austausch und das Verständnis. 

Mit der Mahnung, das Anderssein der anderen zu respektieren, sicherte die Politik, vertreten durch den Baselbieter Finanz- und Kirchendirektor Anton Lauber, den CJP weiterhin die Unterstützung zu. Der Dialog sei gerade in Zeiten der aufkeimenden Wutbürger zentral.

Die Feier endete mit Musik der Akkordeonistin Heidi Gürtler und ihrem Stück «Cream Cheese and Bagels». Es handelt von einem Pessachfest in New York, das die Musikerin bei einer jüdischen Familie verbracht hatte. Ihren Bagel verdrückte sie vorher vorschriftsgemäss auf der Strasse, da sich an Pessach kein Brot im Haus befinden darf. So sieht interreligiöses Zusammenleben aus. 

Noemi Schürmann, März 2019


KIRCHENBOTE E-PAPER

Alle Kirchenboten ab 2002 zum Lesen, Suchen und Herunterladen...

Zwischen Zebra und Löwe  | Artikel

An der St. Galler Olma kann man sich hinter einer Krippe fotografieren lassen – umgeben von exotischen Tieren. Hinter der ungewöhnlichen Aktion steckt die reformierte Kiche des Kantons St. Gallen.


«Pilger»  | Artikel

Mit dem Lied «Mariam Matrem», vorgetragen vom «Pilgerprojektchor Inscriptum», erleben wir in diesem kurzen Trailer die «Pilger» des Künstler Johann Kralewski, wie sie in der Offenen Kirche St.Gallen auf das Graffiti «des offenen Himmels» von Stefan Tschirren blicken und sich in die Kirche St.Mangen bewegen - am 24.9.2021. Leitung des Projektchors: Walter Raschle. Clip: Andreas Schwendener

Umzug in die Kirche St. Mangen in voller Länge (38 Minuten).


«Back to the roots!» mit Zen-Meister Niklaus Brantschen  | Artikel

«Back to the roots», die Folge 24 von «Zauberklang der Dinge», verbindet die Refrains von zwei Liedern, die Peter Roth nach Gedichten von Dschallalu Din Rumi geschrieben hat. Beide giessen die tiefsten Einsichten aller Mystikerinnen und Mystiker, zu allen Zeiten, in poetische Worte und Bilder. In «This body is a rose» hören wir: Während Formen kommen und gehen, ist ihre Essenz unvergänglich, ewig! Und in «Don’t go away» sagt Rumi: Die ganze Schöpfung, alles fließt aus der gleichen Quelle – kehren wir zu ihr zurück – back to the root of the root! Barbara Balzan und Niklaus Brantschen – die junge Sängerin und der alte Zen-Meister, die Frau und der Mann – teilen ihre Gedanken zu diesen Liedern.


Bloggen Sie mit!  | Artikel

Der Kirchenbote hat neu einen Blog. Reden Sie mit, schauen Sie herein. Es warten spannende Themen auf Sie.