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Leben & Glauben

Huldrych Zwingli – Haudegen oder frommer Pfarrer?

Leicht verdaulich präsentiert Hans Weber in seinen Vorträgen Kuriositäten und Interessantes aus dem Leben des Reformators. Mittlerweile ist er auf Tournee damit.

«Wussten Sie, dass Zwingli mit 22 Jahren ohne abgeschlossenes Theologiestudium Pfarrer wurde?» Hans Weber beginnt seinen Vortrag über den gros-sen Reformator gerne mit Kuriositäten aus dessen Leben. Im Laufe der kurzweiligen Bildpräsentation erfahren die Zuhörerinnen und Zuhörer weitere davon: «Es ist ein erstaunlicher Widerspruch: Zwingli spielte zwölf Instrumente, war hoch musikalisch, sang gerne und gut. Aus seinen reformierten Gottesdiensten hingegen verbannte Zwingli die Musik und den Gesang.» Oder: «Als Zwingli noch katholischer Priester war, schrieb er seinem Bischof einen Brief, weil er heiraten wollte. Als dieser verneinte, heiratete Zwingli später demonstrativ doch – natürlich unerlaubterweise und erst noch eine Wirtstochter, die schon Kinder hatte.» Und überhaupt: Zwinglis Helm, den er angeblich in der Schlacht zu Kappel trug – die Sieges-trophäe der katholischen Innerschweiz – sei ein Nepp. Man nahm einen bestehenden Helm aus dem eigenen Zeughaus, schlug ein Loch hinein und triumphierte, das sei Zwinglis Helm.  

Weber will Zwingli nicht rein akribisch-geschichtswissenschaftlich porträtieren. Vielmehr macht er den grossen Reformator anschaulich erlebbar – als Menschen mit seinen Stärken und grossen Ideen, aber auch mit seinen Ecken und Kanten. Als Pfarrer redet Weber, wie Zwingli damals, bei seinen Predigten und Präsentationen die Sprache der Leute, ohne dabei oberflächlich oder trivial zu werden. Seine Vortragsreihen sieht er als Gemeindebildungs-Auftrag. Dies sei neben Seelsorge, Verkündigung und Religionsunterricht das vierte Handlungsfeld, in denen ein Pfarrer aktiv sein solle. Ausserdem seien zunehmend Anlässe gefragt, bei denen sich die Kirchgemeindemitglieder auch ausserhalb der klassischen Gottesdienste treffen können. 

Hans Weber ist noch nicht lange Pfarrer. Vor sieben Jahren trat er in Sempach seine erste Pfarrstelle an und hielt dann schon bald seine Publikumsvorträge im Bereich der Theologie, dessen Studium er erst im Alter von 40 Jahren begann. Zuvor war er Pressesprecher bei den Bundesbahnen und Marketingleiter eines grossen Tourismusunternehmens.

Fasten war Zwingli suspekt

In der Pause gibt es Würste, wie damals beim Buchdrucker Froschauer. Weber erklärt dazu: «Zwingli war das kirchliche Fastengebot suspekt. Also predigte und schrieb er von der Freiheit auch am Esstisch, worauf der Buchdrucker Christoph Froschauer in Zürich am ersten Fastensonntag des Jahres 1522 zum frohen Wurst-Essen in seinem Haus einlud. Zwingli war dabei und seine Freunde langten wacker zu. Er selber ass nicht mit. Zum Glück. Denn so konnte er sie nach ihrer Verhaftung vor dem Stadtrat verteidigen. Dieser liess sich überzeugen und hob das katholische Fastengebot auf. Zwingli hatte gesiegt. Wurst sei Dank!»

Weber produziert jedes Jahr einen neuen Vortrag. So servierte er schon Fakten und Kuriositäten aus der Bibel, ging mit seinen Zuhörern auf Spurensuche nach dem Judentum in Luzern oder deckte «geheime» Schriften auf, die es nicht in die Bibel schafften. Mit seinem Zwingli-Vortrag gastierte er im Februar in Willisau und im April in Hochdorf. Für den Oktober wurde er nach Escholzmatt eingeladen, weitere Anfragen sind pendent.  SCC

 





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