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Kirche

«Es braucht den Frauenstreik»

Theologin, Mutter, Pfarrerin: Im Mai haben die «Evangelischen Frauen Schweiz» Gabriela Allemann zur Präsidentin gewählt. Am 14. Juni fährt sie zum Frauenstreik nach Bern.

«Evangelische Frauen Schweiz» EFS klingt nach seniorenblond und Gestricktem am Missionsbasar. Doch das Bild stimmt so nicht. Der Dachverband, der 37 000 meist reformierte Frauen vertritt, ist zeitgemäss und politisch engagiert. Regelmässig äussern sich die EFS dezidiert öffentlich zu politischen Vorlagen. Kürzlich machten sie sich für das neue Waffengesetz stark.

«Dies wird auch so bleiben», erklärt Gabriela Allemann. Einstimmig haben sie die Delegierten der EFS im Mai zur Präsidentin gewählt. Die Theologin übernimmt das Amt von ihrer Vorgängerin Dorothea Forster. «Ich bin Frau, ich bin evangelische Christin und ich bin überzeugt, dass das Evangelium politisch ist und in die Gesellschaft hineinwirken will», stellte sich Allemann den Delegierten vor und machte klar, in welche Richtung sie steuert: «Alle Menschen sollen unabhängig von ihrem Geschlecht, von Hautfarbe, Nationalität und Finanzkraft nach ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen leben und sich entfalten können.»

Gabriela Allemann lebt mit ihrem Mann und den beiden Töchtern seit kurzem in Olten. Der Umzug in die Drei-Tannen-Stadt war ein Vernunftsentscheid. «Olten ist mit dem öffentlichen Verkehr hervorragend erschlossen.» Inzwischen entdeckt Allemann auch den Reiz der Aarestadt.

Am 14. Juni wird Gabriela Allemann zum Frauenstreik nach Bern fahren. Zu Hause wird man vom Frauenstreik nicht viel merken. Am Freitag übernimmt jeweils ihr Mann den Haushalt. Gabriela Allemann: «Die Familienbilder der Erzieherin und des Ernährers sind nicht von Gott gegeben.»

Ungleichheit ist Realität
Für Allemann ergibt der Frauenstreik Sinn. «Es braucht ihn, um die Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern präsent zu machen. Lohngleichheit muss jetzt endlich Realität werden.» Für die jüngeren Frauen sei vieles selbstverständlich. Die Gleichstellung der Geschlechter rücke für diese Frauen teilweise in den Hintergrund. «Wenn sie Mutter werden oder im Beruf an Grenzen stossen, erleben sie jedoch deutlich, welche Ungerechtigkeiten es noch immer gibt.»

Für Gabriela Allemann ist es wichtig, dass Fragen der Erwerbs-, Care- und Freiwilligenarbeit für beide Geschlechter thematisiert werden. Denn diese hätten existenzielle Bedeutung: Arbeiten beide hochprozentig, kann dies die Familie überfordern. Gehen beide einem Teilzeitberuf nach, reichen die Löhne nicht. Und für Freiwilligen- und ehrenamtliche Arbeit reichten die Ressourcen oft nicht, was auch die Kirchen zu spüren bekommen.

Frauen tun der Kirche gut
Auch die reformierte Kirche habe bei der Gleichberechtigung noch nicht alles eingelöst, sagt Gabriela Allemann. Zehn Jahre hat sie als Pfarrerin in Münsingen BE gearbeitet. Die Freiwilligenarbeit liege nach wie vor in weiblichen Händen, die Präsidien werden von Männern besetzt.

Sie ist überzeugt, dass Frauen die Kirche und das Pfarramt bereichern. Frauen und Männer reagieren auf eine Pfarrerin anders als auf ihren männlichen Kollegen. Sie erlaubten sich eher einmal zu weinen. «Wobei Empathie nicht einfach weiblich ist», betont Allemann.

Die 40-Jährige bezeichnet sich als Ökofeministin. «Ob man es mir ansieht, weiss ich nicht», lacht sie, «aber man merkt es ziemlich rasch.» Und was ist eine Ökofeministin? Eine Frau, die aufmerksam durch das Leben geht und die Verbundenheit zwischen Mensch und Natur wahrnimmt und Verantwortung übernimmt, so Allemann. Mit den EFS zusammen möchte sie diese Verantwortung wahrnehmen, zum Beispiel im Engagement gegen den Klimawandel oder für die Konzernverantwortungsinitiative.

Tilmann Zuber, kirchenbote-online, 24. Mai 2019

www.efs-fps.ch


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