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Religionen

Muslime beten in der Kirche

Die türkischen Muslime in Schaffhausen haben momentan keine Moschee. Zur Berat-Nacht und zum Bayram-Fest beteten 550 Gläubige in reformierten Kirchen.

Wo das alte Gebetshaus des Türkisch-Islamischen Vereins stand, ragen zurzeit erste Grundmauern des Neubaus aus der Baugrube. Bis zum Eröffnungsfest der neuen Moschee muss die Gemeinschaft ohne Gebetsräume auskommen. In diese Zeit fielen die islamische Berat-Nacht an Karfreitag, in der Allah dreihundert Tore der Barmherzigkeit öffnet und Vergebung schenkt, und Bayram, das Zuckerfest am 4. Juni, mit dem der Fastenmonat Ramadan endet. Für dieses zwei Feste bekam der Verein das Gastrecht in der Zwinglikirche und im Hofackerzentrum.

Mit dem Handy-Kompass den Gebetsteppich ausgerichtet
«Das ist aber ein schönes Gotteshaus», sagt der Imam, als er mit seinen Helfern vor Sonnenaufgang die Zwinglikirche betritt. Sie bereiten das Gebet zum Bayram-Fest vor. Mit dem Handy-Kompass bestimmen die Männer die Gebetsrichtung nach Mekka und rollen einen grossen Teppich aus, für jene, die ihren persönlichen Gebetsteppich vergessen haben. «Allahu Akbar, Gott ist grösser», ertönt es während der Morgendämmerung in der Kirche. «Beten hier Muslime?», fragt ein 40-Jähriger verunsichert, der verspätet zum Morgengebet erscheint. In der Hand hält er die Einladung zum Bayram-Gebet mit dem Bild der Zwinglikirche.

Männer aus verschiedenen Generationen sind gekommen. Die älteren sind Gastarbeiter, die als junge Männer in die Schweiz einwanderten. Die jüngeren sind hier aufgewachsen. Es sind Türken, Kurden und viele aus dem Balkan, aus Bosnien und Mazedonien. Auch einige Knaben sind da. Sie freuen sich auf den Feiertag und die Geschenke, denn Bayram feiern Moslems wie Christen das Weihnachtsfest.

Chance für den religiösen Frieden
Die Idee, reformierte Kirchen um Räume anzufragen, entstand innerhalb des Interreligiösen Dialogs Schaffhausen. «Der Präsident der Aksa-Moschee erwähnte bei einem Treffen, dass die Muslime Räume für ihre Festgebete suchen. Daraufhin habe ich die Kirchgemeinden Buchthalen und Zwingli angefragt», erzählt Markus Sieber vom Interreligiösen Dialog: «Ich war erstaunt, wie offen beide Kirchenstände auf meine Anfrage reagiert haben». Sieber sieht darin eine Chance für den Frieden zwischen den Religionen: «Die Muslime sehen, dass man auch in einer Kirche beten kann. Und die Christen erfahren, wie zentral das Gebet für die Muslime ist».

An beiden Festtagen fanden ausschliesslich Männer und Knaben den Weg in die Kirchen. «Das Gebet ist für Frauen keine Pflicht, für Männer hingegen schon», sagt der Pfarrer im Ruhestand, «die Frauen beten normalerweise zu Hause». Wie bei den Juden gebe es bei den Muslimen getrennte Gebetsräume für Männer und Frauen, damit sich alle ganz auf das Gebet konzentrieren könnten. «Für getrennte Gebetsräume gab es weder in der Zwinglikirche noch im Hofackerzentrum genügend Platz».

550 Gläubige in der Zwinglikirche
Nach der Pause beginnt in der Zwinglikirche das eigentliche Festgebet. Rund 550 Gläubige drängen sich in den Kirchenraum, einige müssen im Vorraum beten. Nach dem Gebet verabschieden sich die Männer mit einem «Salam aleikum». «Man wünscht einander Frieden. Dieser Frieden hat heute ein Stück weit die Grenzen der Religionen überschritten», so Sieber.

Adriana Schneider/ Markus Sieber, kirchenbote-online, 14. Juni 2019


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