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Kultur

Betonwüste mit grünen Tupfern

Julia Matucci-Gros, Pfarrerin in Littau-Reussbühl, verschönerte den Kirchenvorplatz mit Hochbeeten. Jeder darf sich an dem Salat, Gemüse und den Kräutern bedienen.

Die Betonwüste auf dem Kirchenvorplatz störte Julia Matucci-Gros, Pfarrerin in Littau-Reussbühl, schon seit langem. Da nützte auch die Hoffnung nichts, dass der Vorplatz irgendwann einmal in Zukunft saniert werden würde. Und ebenso wenig, dass die Kirche selbst von Wiesen umgeben ist. Sie wünschte sich, etwas Grünes fürs Auge. Weniger Beton. Mehr Natur. Als sie von der Aktion «Neuland» erfuhr, welche von den drei Entwicklungsorganisationen Brot für alle, Fastenopfer und Partner sein lanciert wurde, mit dem Ziel, mittels Hochbeete solidarisch und symbolisch neues Land in der Schweiz zu schaffen, war für sie klar, dieses Projekt wollte sie unterstützen.

Sponsor gesucht
Also machte sich Matucci-Gros auf die Suche nach einem Sponsor. Diesen fand sie in der Stadtgärtnerei, die vier Kisten zur Verfügung stellte. Gefüllt, mit geeigneter Erde, wurden die Hochbeete mittels eines Krans, auf dem gepflasterten Vorplatz aufgestellt. Das war vor einem Jahr. Damals hätte man noch ausprobiert, «Blumen und Kräuter wilddurcheinander gepflanzt.», sagt Matucci-Gros.Dieses Jahr hätte sie beschlossen, professioneller zur Sache zu gehen. Mit Hilfe einer Hobby-Gärtnerin wurden ein Gemüse-, ein Blumen-, ein Salat- und ein Kräuterbeet gepflanzt. Mit Erfolg. Snack Auberginen, Schnittlauch, Zitronenmelisse, Salate und ein Kürbis, Tomaten und Radieschen spriessen. Auch der Apfel- und der Kirschbaum tragen bereits Früchte. Und ein Liquidambar-Baum mitten auf dem Platz sorgt im Herbst für eine schöne Färbung.  

«Mit dieser Aktion haben wir Neuland betreten»
Mittlerweile ziehen die Hochbeete Aufmerksamkeit auf sich. «Menschen bleiben stehen, schauen und riechen daran» sagt Matucci-Gros. Sie ermuntert die Interessierten dann, etwas mitzunehmen. «Noch ist man zurückhaltend» sagt Matucci-Gros. Freude über den Eigenbau herrscht bereits am Mittagstisch, der zweimal im Monat für ältere Menschen stattfindet. Dort wird das Gemüse und die Kräuter verarbeitet. Was übrigbleibt, soll am Erntedank Gottesdienst im Herbst symbolisch auf den Altar gestellt werden.

Nachahmer gefunden
Bereits hat das Projekt Nachahmer gefunden. Der Quartierverein Littau-Reussbühl stellteletztes Frühjahr ebenfalls Hochbeete auf, am Schulhausareal. «Mit dieser Aktion haben wir Neuland betreten», sagt Mutucci-Gros. Beim Gärtnern erlebe sie selbst auch den meditativen Charakter dieser Arbeit. «Es ist sehr wertvoll, in unserer heutigen Zeit, zuzusehen, wie Früchte wachsen, die man selbst gesät hat. Das benötigt Geduld und Zeit. Eine urchristliche Botschaft, genaugenommen.» 

Carmen Schirm, kirchenbote-online, 26. Juli 2019

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