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Kultur

Die Stadtoase der Basler Mission

Heute lautet die Maxime im Städtebau Verdichtung und Rendite. Die Basler Mission zeigt, dass es auch anders geht. Ihr öffentlicher Park bleibt erhalten, indem sie beim Neubau der Gebäude die Parkplätze unter die Erde verlegt und die Bebauungsziffer nicht voll ausnutzt.

Gärten haben es heute schwer. Sie stehen meist in Konkurrenz zum aktuellen Trend der Verdichtung und Gewinnmaximierung der Grundstücke.
Eine Ausnahme bildet der Garten der Basler Mission, der mitten in Basel unweit des Spalentors liegt. Rund 7‘000 Quadratmeter gross, bildet der Garten mit seinen alten Bäumen und seltenen Pflanzen seit Jahrzehnten eine grüne Oase im Quartier.

Nicht auf Kosten der Grünfläche
Auf dem Areal entstehen derzeit ebenfalls zwei neue Gebäude, allerdings nicht auf Kosten der Grünfläche. «Wir wollen den grössten öffentlich zugänglichen Garten in Basel, der in Privatbesitz ist, als solchen erhalten», sagt Kurt Schaub, Vorstandsmitglied Finanzen der Basler Mission und Leiter der Baukommission. Mit der Verlegung der bisher oberirdischen Parkplätze in eine Tiefgarage werde der Platzbedarf für das neue Wohnhaus und Restaurant nahezu kompensiert. Ausserdem habe man die mögliche Bebauungsziffer bewusst nicht voll ausgenutzt. Das weiterhin gute Einvernehmen mit den Anwohnenden und der Wille, das historische Gelände zu erhalten, sei der Baukommission wichtiger gewesen als die Ertragsoptimierung. «Das Areal soll auch in Zukunft vielfältig genutzt werden können», fasst Schaub die Motivation der Basler Mission für die flächen- und höhenmässige Zurückhaltung beim Erweiterungsbau zugunsten des Gartens zusammen.

Glaubensburg inmitten von Wäldern
Als der Hauptbau der Basler Mission, der heute unter Denkmalschutz steht, Mitte des 19. Jahrhunderts in die Höhe wuchs, gab es an der Peripherie der Stadt noch viel Platz. Die Archivbilder (www.bmarchives.org) zeigen einen imposanten Verwaltungsbau inmitten von Feldern, Wiesen und Wäldern. Der Bau als solcher muss auf die Menschen einigen Eindruck gemacht haben, denn die Basler Bevölkerung bezeichnete das Missionshaus aufgrund von dessen Grösse als Glaubensburg. Ein Garten im heutigen Sinn ist auf den Archivbildern der frühen 1860er-Jahre noch nicht zu erkennen. Später, anfangs des 20. Jahrhunderts, präsentierte sich die Fläche ums Missionshaus zeitweise als Nutzgarten mit Obst- und Kräuterpflanzungen. 

Vom Nutzgarten zur naturnahen Bepflanzung
Unbebaute Freiflächen spielen gemäss Bundesamt für Umwelt gerade in der Stadt eine wichtige ökologische Rolle. Als vor zehn Jahren die Basler Mission beim vorderen Gartenteil eine Neugestaltung ins Auge fasste, schlug der damalige und heutige Gartenverantwortliche Dominik Wullimann das Konzept eines Flaumeichenwaldes vor. Diese Eichenart liebt den Kalksteinboden der Stadt, und die Pflanzen unter den Flaumeichen und anderen Bäumen wie Kastanien, Ahorn oder Linden geben sich mit wenig Wasser und Licht zufrieden. «Das Ziel war, eine möglichst einheimische Bepflanzung mit hoher Biodiversität und Trockenresistenz umzusetzen», erklärt Wullimann. Schon damals zeichnete sich der Klimawandel ab und man habe sich deshalb für trockenresistente Pflanzen entschieden. Dazu gehören beispielsweise die Glockenblume oder der Storchschnabel. Heute beherbergt der Garten rund 300 einheimische Pflanzenarten, wovon etliche als gefährdet gelten.
Das Konzept des Flaumeichenwaldes wird die Basler Mission nach Abschluss der Bauarbeiten auch auf den restlichen Garten ausdehnen. Die grüne Oase darf bleiben und dies mitten in der Stadt Basel.

Toni Schürmann, kirchenbote-online, 2. August 2019 / Fotos Plüss

 

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