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Wirtschaft

Arenenberg-Direktor Martin Huber spricht über das Spannungsfeld der Fasten-Kampagne

Agrarindustrie nicht einfach verteufeln

18.02.2020
Wie die Ernährung weltweit gerecht gesichert werden kann, sorgt für hitzige Diskussionen. Die diesjährige ökumenische Kampagne zur Fastenzeit propagiert, dass regionales Saatgut bewahrt werden muss, und stellt die Agrarindustrie an den Pranger. Was passiert in der Ostschweiz, im Thurgau?

Das Bildungs- und Beratungszentrum (BBZ) Arenenberg strahlt mit seinem Aus- und Weiterbildungsangebot und seiner Beratung für die Landwirtschaft in den ganzen Kanton und darüber hinaus aus. Direktor Martin Huber beschäftigt sich tagtäglich mit dem Spannungsfeld, sowohl marktorientiert und profitabel als auch umweltschonend zu produzieren. Seit Anfang Jahr wird der BBZ-eigene Gutsbetrieb biologisch bewirtschaftet. 

Praktisch umsetzen

Zwar wird das Fachwissen des Arenenbergs nicht in andere Weltregionen exportiert. Trotzdem aber setzt das BBZ das Anliegen der ökumenischen Sensibilisierungskampagne der christlichen Hilfswerke Brot für alle, Fastenopfer und Partner sein ganz praktisch um, erklärt Huber: Es gehe darum, die kleingewerblichen Strukturen der Landwirtschaft zu stärken – zum Beispiel mit Selbsthilfeorganisationen oder landwirtschaftlichen Genossenschaften. Denn: «Funktionierende Familienbetriebe sind ein ernsthafter Wirtschaftsfaktor.» Damit nimmt er Inhalte der Kampagne auf, die bemängelt, dass Bäuerinnen und Bauern in vielen Regionen der Welt in der Konkurrenz zu globalen Saatgutkonzernen oft unterlegen seien.

Traditionell und regional

Wie es in einer Medienmitteilung der Kampagne heisst, reisse die Agrarindustrie die Produktion und den Handel an sich. Lokale Bauern in Entwicklungsländern gerieten immer mehr unter Druck und könnten nicht mehr mit ihrem traditionellen Wissen und regionalen Saatgut arbeiten. Weiter heisst es: «Lokale, traditionelle Sorten sichern die Ernährung und sind wichtig, um der Klimakrise zu begegnen.» Aus biblischer Sicht sei Saatgut ein Geschenk Gottes. Deshalb gelte es, dazu Sorge zu tragen. Huber kennt als ehemaliger Präsident der evangelischen Kirchgemeinde Langrickenbach-Birwinken diese Argumentation und ergänzt pragmatisch aufgrund seiner Lebens- und Berufserfahrung: «Saatgut ist eine Lebensgrundlage, die wir hüten müssen. Es soll in den Händen von Menschen sein, die etwas Gutes daraus machen.» Deshalb wolle sein Unternehmen im Thurgau mit gutem Beispiel und Beratung vorangehen. Andererseits sei es sicher wichtig, Entwicklungsländern zu helfen, dass diese Lebensgrundlage erhalten bleibt. 

Nicht einfach verteufeln

Hobbygärtner und Konsumentinnen stünden gleichermassen in der Verantwortung – zum Beispiel mit ihrem konsequenten Lebensstil oder ihren Spenden für die Entwicklungszusammenarbeit. Indes differenziert er: «Auch alte und regionale Saatgutsorten sind anfällig. Es gab immer wieder Missernten. Die moderne Produktion hat auch Ertragssicherheit und Produktqualität gebracht.» Die Agrarindustrie könne nicht einfach verteufelt werden. Er sei jedoch zuversichtlich, dass zukunftssichernde Lösungen gefunden werden können, denn: «Die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelproduktion sind Wirtschaftszweige, die einen Reiz für langfristig denkende Investoren haben.»

Text | Foto: Roman Salzmann, Redaktor Kirchenbote des Kantons Thurgau

Verbindender Dialog

Weltverbindender Dialog über Saatgut als Lebensgrundlage im Rahmen der ökumenischen Kampagne: Am Montag, 23. März, um 19.30 Uhr diskutieren im Bistro zur alten Kaplanei in Frauenfeld Robert Zollinger, Leiter einer biologischen Schweizer Samengärtnerei, und Juana Vásquez, spirituelle und naturverbundene Guatemaltekin (siehe Interview auf Seite 6). Sie reden über die Bedeutung von Saatgut und erörtern, inwiefern die Zucht und Vermehrung von Saatgut nur eine Nebenbeschäftigung oder aber eine Überlebensfrage ist.


Von roundabout SG-APP (Rahel Schwarz) erfasst am 14.09 2018 11:50

Danke!

Vielen Dank für die Veröffentlichung des Artikels. Wir freuen uns über jedes interessierte Mädchen, über neue Partnerorganisationen oder Workshop-Anfragen. Freundliche Grüsse Rahel Schwarz kantonale Leiterin roundabout SG-APP

Von Anja Knöpfli erfasst am 20.11 2021 20:59

Taufbestätigung

Die Kantonalkirche ist Teil der Evangelisch-Reformierten Kirche Schweiz (Abgekürzt EKS). Diese empfiehlt allen Kantonalkirchen die Taufbestätigung oder Taufferinnerung zu feiern (Kap. 4.4 in der eigenen EKS Broschüre Tsufe in evangelischer Perspektive). Es ist eine Amtshandlung sogar in der Evangelischen Landeskirche Thurgau. https://eks.marc.beta.cubetech.ch/wp-content/uploads/2019/11/biblische_aspekte_taufe_de.pdf Leider wurde mir aber die Taufbestätigung schon verweigert n der Kantonalkirche St.Gallen von einem Pfarrer dieser, da ich Bisexuell bin und es wurde kein Stellvertreter organisiert! Leider hast du anders als im Thurgau kein Recht darauf, da es nicht in der Kirchenordnung von St.Gallen vorkommt! Wer Taufbestätigung auch kennt ist die überregionale Metal Church!

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