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Leben & Glauben

Glauben heute: Mal mehr, mal weniger

07.03.2020

Luca ist 21 Jahre alt und macht zurzeit ein Praktikum in unserer Kirchgemeinde. Immer dienstags ist er da. Da Luca praktisch blind ist, braucht er spezielle technische Geräte, um arbeiten zu können. Er macht eine Ausbildung im KV-Bereich, die er im August abschliesst. Danach sucht er noch eine Anschlussmöglichkeit.

Luca ist, seit er ein Kind ist, in die Kirchgemeinde hineingewachsen, hat den Unterricht besucht, ist mit ins Konflager gefahren und konfirmiert worden. Und auch danach ist er immer wieder aufgetaucht, hat die Kirche und den Glauben weiterhin in sein Leben hineingelassen.

Und jetzt sitzen wir beide hier, und ich stelle ihm die Gretchenfrage: «Wie stehts mit deinem Glauben?» - «Ich glaube schon, dass es Gott gibt», sagt er. «Das spüre ich mal mehr und mal weniger. Wenn es mir gut geht, dann ist Gott da. Aber wenn es schlecht läuft, dann fühle ich ihn weniger. Es heisst ja: Gott will nur das Beste für uns Menschen. Das verstehe ich nicht. Wieso bin ich dann gerade blind und kann gewisse Dinge nicht tun? Ich würde zum Beispiel so gerne Autofahren können. Aber das ist mir natürlich nicht möglich. Mit dem Satz: Ich danke dir, dass ich so wunderbar gemacht bin, aus Psalm 139 kann ich nur teilweise etwas anfangen. Was ich denke, ist, dass Gott alle Menschen gleich lieb hat und dass er kein strafender Gott ist. Die Geschichten aus der Bibel, bei denen Jesus Blinde heilt oder Lahme wieder gehen lässt (Anmerkung: Luca sitzt nach einem komplizierten Fussbruch vorübergehend im Rollstuhl), entspringen meiner Meinung nach dem Reich der Phantasie. Gott macht nicht, dass ich wieder sehen kann. Aber er hat mich lieb und er ist an meiner Seite. Dass ich durch meine Blindheit die anderen Sinnesorgane so schärfen konnte, finde ich eigentlich positiv.»

Positiv, das ist auch mein Eindruck von Luca, der stets freundlich und fröhlich wirkt und jeden Dienstag unseren Büroalltag herrlich bereichert. Dafür sei ihm und seinem Schöpfer gedankt.

Dagmar Doll


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