Logo
Kultur

Viel zu entdecken

16.03.2020
Es ziert die Plakate, Flyer und Banner des gemeinsamen 150 Jahr-Jubiläums der Thurgauer Landeskirchen: das farbenfrohe Wimmelbild. Für das Projekt fertigte die Künstlerin Johanna Müller rund 350 Einzelfiguren an.

Die Vielfalt des religiösen und gesellschaftlichen Lebens im Thurgau aufzeigen – das war die Überschrift der Idee, ein Wimmelbild zum gemeinsam gefeierten Jubiläum in Auftrag zu geben. Die Winterthurerin Johanna Müller, deren vielfältige Collage-Arbeiten einigen Organisationsmitgliedern schon bekannt waren, klemmte sich dahinter. «Zuerst habe ich verschiedene Entwürfe gemacht, um den passenden Stil und die geeignete Perspektive zu finden. Es sollte eine leichte Aufsicht sein, nahe bei den Menschen, so dass man sieht, was in den Strassen passiert. Das Bild sollte aber trotzdem eine Weite haben, um Stadt und Land zu verbinden», erklärt die 29-Jährige.

Stimmige Verbindungen
Dafür fertigte sie in einem aufwendigen, analog-digitalen Verfahren erst einzelne Skizzen von Hand und die Reinzeichnungen mit Fineliner an, scannte sie und färbte sie danach auf dem Computer in einem Zeichenprogramm ein. Dabei sei es ihr nicht immer leicht gefallen, die Übersicht über das grosse Ganze zu behalten, während sie an den einzelnen Ereignisplätzen arbeitete. Schliesslich mussten die Verbindungen am Schluss alle stimmig sein, so wie die Zuckerrüben, die irgendwo vom Laster fallen und anderswo an einem Marktstand verkauft werden.

In einem ersten Schritt widmete sich die junge Künstlerin den wichtigsten Gebäuden und Objekten. «Bei der Kirche orientierte ich mich an derjenigen in Ermatingen, setzte jedoch andersfarbige Fenster ein und auch die Kirchenspitze ist hier neu, nämlich reformiert sowie katholisch. Das Kino mit den spitzen Pfeilern und der Glasfassade ist das Liberty in Weinfelden und das Regierungsgebäude dasjenige in Frauenfeld», sagt Johanna Müller. Des Weiteren sei der Zeppelin, der das Jubiläumslogo ziert, wichtig gewesen.

Für die Recherche dieser Motive und der spezifischen Ausschnitte, die mit dem Jubiläum in Verbindung stehen, konnte sie auf Fotos und auf die Vorgaben ihrer Auftraggeber zurückgreifen. So befestigt beispielsweise eine Frau mit Stirnlampe auf dem Kirchendach eine Jubiläumsfahne für die «Lange Nacht der Kirchen». Für die zahlreichen weiteren Verweise auf den Thurgau liess sie sich jedoch von ihren eigenen, kreativen Ideen leiten. Unter anderem auch für eine ihrer Lieblingsszenen, in der das kantonale Wappentier, der Löwe, aus dem Plättli-Zoo ausbricht und mit dem Auto davonfährt. «Die Farben habe ich intuitiv gesetzt und geschaut, dass sich das Ganze abwechslungsreich und doch harmonisch gestaltet», erklärt Johanna Müller.

Der «Walter»-Stil
Eine Offenheit in Bezug auf die Vielfalt der Menschen hinsichtlich ihrer Hautfarbe oder sexuellen Orientierung ist in den Zeichnungen genauso zu erkennen, wie in Bezug auf die Interpretation mancher Bibelstellen. Und so läuft ein indischer Jesus über das Wasser des Bodensees, Noah hat es sich mit seiner Arche im Stadtbrunnen gemütlich gemacht, ein Lieferservice bringt Brot und Wein für das Abendmahl und die Schauspielerin Whoopi Goldberg saust in ihrer «Sister Act»-Nonnentracht auf dem Motorrad daher.

Auch kleine, persönliche Witze brachte die Künstlerin im Bild unter. So zeichnete sie unter anderem sich und ihre Mitbewohnerin beim gemeinsamen Weintrinken und irgendwo versteckte sie auch Walter, als Hommage an die erfolgreiche Wimmelbild-Buchreihe «Wo ist Walter?» des Briten Martin Handford, die Johanna Müller als Inspiration diente. «Ich mag Handfords Humor und wie die einzelnen Figuren miteinander in viele kleine parallel verlaufende Geschichten verwickelt sind. Diese Momentaufnahme, die sich mit einem Klick auf Play in ein vollumfängliches Chaos verwandeln könnte, baut Spannung auf und überlässt der Betrachterin oder dem Betrachter, die Geschichten in ihren Gedanken weiterzuspinnen.» Diese zu erschaffen sowie die verschiedenen Charaktere mit all ihren Emotionen, hätte ihr sehr viel Spass gemacht. «Menschen sind glücklich, streiten, ärgern oder verlieben sich, feiern, lachen, tanzen oder trauern. Ein Wimmelbild lebt durch die verschiedenen Emotionen. Man kann sehr viel entdecken, immer wieder Neues.»


(Sarah Stutte, 3. März 2020)


Klicken Sie aufs Wimmelbild, um es zu vergrössern!

 


Von roundabout SG-APP (Rahel Schwarz) erfasst am 14.09 2018 11:50

Danke!

Vielen Dank für die Veröffentlichung des Artikels. Wir freuen uns über jedes interessierte Mädchen, über neue Partnerorganisationen oder Workshop-Anfragen. Freundliche Grüsse Rahel Schwarz kantonale Leiterin roundabout SG-APP

Von Maurer Charlotte erfasst am 06.01 2020 09:13

Erwachseme Taufe

Ein lieber Freund, der sich inzwischen sehr mit Gott verbunden hat, möchte eine Erwachsenen Taufe. Er ist als Kind reformiert getauft. Bitte können Sie uns da helfen?

Kommentar erstellen
KIRCHENBOTE E-PAPER

Alle Kirchenboten ab 2002 zum Lesen, Suchen und Herunterladen...

Zwischen Zebra und Löwe  | Artikel

An der St. Galler Olma kann man sich hinter einer Krippe fotografieren lassen – umgeben von exotischen Tieren. Hinter der ungewöhnlichen Aktion steckt die reformierte Kiche des Kantons St. Gallen.


«Pilger»  | Artikel

Mit dem Lied «Mariam Matrem», vorgetragen vom «Pilgerprojektchor Inscriptum», erleben wir in diesem kurzen Trailer die «Pilger» des Künstler Johann Kralewski, wie sie in der Offenen Kirche St.Gallen auf das Graffiti «des offenen Himmels» von Stefan Tschirren blicken und sich in die Kirche St.Mangen bewegen - am 24.9.2021. Leitung des Projektchors: Walter Raschle. Clip: Andreas Schwendener

Umzug in die Kirche St. Mangen in voller Länge (38 Minuten).


«Back to the roots!» mit Zen-Meister Niklaus Brantschen  | Artikel

«Back to the roots», die Folge 24 von «Zauberklang der Dinge», verbindet die Refrains von zwei Liedern, die Peter Roth nach Gedichten von Dschallalu Din Rumi geschrieben hat. Beide giessen die tiefsten Einsichten aller Mystikerinnen und Mystiker, zu allen Zeiten, in poetische Worte und Bilder. In «This body is a rose» hören wir: Während Formen kommen und gehen, ist ihre Essenz unvergänglich, ewig! Und in «Don’t go away» sagt Rumi: Die ganze Schöpfung, alles fließt aus der gleichen Quelle – kehren wir zu ihr zurück – back to the root of the root! Barbara Balzan und Niklaus Brantschen – die junge Sängerin und der alte Zen-Meister, die Frau und der Mann – teilen ihre Gedanken zu diesen Liedern.


Bloggen Sie mit!  | Artikel

Der Kirchenbote hat neu einen Blog. Reden Sie mit, schauen Sie herein. Es warten spannende Themen auf Sie.