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Kirche

Kuratorin eingesetzt

19.05.2020
Seit dem 2. April ist die Kirchgemeinde Rheineck ohne Kirchenvorsteherschaft. Der Kirchenrat hat sie aufgelöst. Die Verantwortlichen setzen nun auf die Unterstützung der Kirchbürger, wie es in einem Schreiben heisst.

«Der Kirchenrat der Evang.-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen hat per 2. April 2020 die bisherige Kirchenvorsteherschaft aufgelöst und zeitgleich Barbara Ill-Schenkel als Kuratorin eingesetzt. Als weitere Konsequenz hat Pfarrer Christian Wermbter sein Dienstverhältnis zum 30. Juni 2021 gekündigt, mit der Option, unter Einhaltung einer dreimonatigen Kündigungsfrist auch schon früher aus dem Arbeitsverhältnis ausscheiden zu können», heisst es in den Gemeindemitteilungen des Mai-Kirchenboten. 

Diverse Ursachen
Dass es so weit gekommen sei, sagt Kirchenratspräsident Martin Schmidt, habe mehrere Ursachen. Seit Längerem sei die Kirchgemeinde Rheineck mit rund 700 Mitgliedern unter der vom Parlament festgesetzten Limite von 1000 Kirchbürgern. Somit muss sich Rheineck über kurz oder lang mit einer vom Finanzausgleich verlangten Fusion befassen. Zudem fiel die Zusammenarbeit des Pfarrers mit der Kirchenvorsteherschaft (Kivo) für beide Seiten nicht immer befriedigend aus. Erschwerend für Rheineck kam hinzu, dass die Kivo statt der verfassungsmässig verankerten fünf lediglich einen Präsidenten und zwei Mitglieder aufwies, also faktisch nicht mehr handlungsfähig war. Der Kirchenrat muss in einem solchen Fall eine Kuratur (Fremdsachverwaltung) einsetzen. «Weil wir die amtierende Kivo nicht entmachten und sie vor den Kopf stossen wollten, da sie äusserst motiviert war, entschieden wir uns zuerst für eine Halbkuratur», sagt der Kirchenratspräsident. Die eingesetzte Kuratorin war vorerst also Exekutivmitglied mit Entscheidungsgewalt und Konfliktberaterin in einer Person. Dies erwies sich nicht als ideal. «Denn damit war die Rolle der Kuratorin nicht klar definiert», so Schmidt. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen der Kirchenvorsteherschaft und dem Pfarrer wurden nicht weniger, sodass der Kirchenrat am 2. April die Notbremse zog und die Kivo auflöste.

Wahlen stehen an
Mittlerweile hat auch der Aufruf nach Unterstützung aus der Kirchgemeinde gefruchtet. Die Solidarität greift. Für die Urnenwahl am 14. Juni haben laut Kirchenratskanzlei bereits drei Personen ihre Kandidatur für die Kirchenvorsteherschaft angemeldet. «Und auch mit dem Pfarrer konnte eine einvernehmliche Lösung gefunden werden», sagt Schmidt. Unter diesen geänderten Vorzeichen – ohne Konflikte und mit frischen Kräften – kann auch der vorgeschriebene Zusammenschluss Rheinecks mit einer Nachbargemeinde angepackt werden.

Text: meka / Foto: wikimedia – Kirchenbote SG, Juni-Juli 2020

Konfliktregelung

Der Kirchenrat hat gemäss Art. 57 b der Verfassung die Aufsicht über die Amtstätigkeit der Kirchenvorsteherschaften. Artikel 145 ff. der Kirchenordnung hält dabei die Konfliktregelung fest: «Spannungen zwischen Pfarrer und Kirchgemeinde soll die Kirchenvorsteherschaft durch ein offenes Gespräch zu lösen versuchen. Kommt es auf diese Weise zu keiner Verständigung, ist der Dekan zur Vermittlung heranzuziehen. Gelingt auch dem Dekan kein Ausgleich, unterbreitet er die Angelegenheit dem Kirchenrat. Der Kirchenrat kann anordnen, dass externe Fachleute zur Beratung beigezogen werden.»

 


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