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Kirche

Oekolampad: Wie ein Sechser im Lotto für die Basler Kirche

22.09.2020
In den kommenden Wochen wird die Wibrandis-Stiftung offiziell Eigentümerin des Kirchgemeindehauses Oekolampad. Sie wird den Gebäudekomplex umfangreich sanieren und für soziale Institutionen sowie das Quartier öffnen.

Das 1931 eingeweihte und seit 1996 denkmalgeschützte Kirchgemeindehaus Oekolampad befindet sich am Allschwilerplatz im Gotthelf-Quartier. Es ist nach dem Basler Reformator Johannes Oekolampad benannt. Am Eingang des Klinkerbaus erinnert eine Tafel an ihn und seine Gattin Wibrandis Rosenblatt. Es scheint, dass das Gotthelf-Quartier – nomen est omen – für Hilfe von oben besonders begünstigt ist. Denn die finanzielle Grundlage des Gemeindehauses ist für die nächsten Jahrzehnte gesichert.

Mitte Juni beschlossen die Synodalen der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt ERK einstimmig, das Gemeindehaus für über vier Millionen Franken an die im gleichen Monat gegründete Wibrandis-Stiftung zu verkaufen. Hinter der Stiftung steht die Mäzenin Sabine Duschmalé, ehemalige Präsidentin der Kirchgemeinde Gundeldingen-Bruderholz, Gründerin von Offline Basel und Mitglied einer der Familien, welche die Mehrheit der Aktien am Pharmakonzern Roche halten.

Wibrandis-Stiftung
Die im Juni gegründete Wibrandis-Stiftung mit Sitz in Basel bezweckt die Förderung von Institutionen und Projekten mit gemeinnütziger oder öffentlicher Ausrichtung in Basel-Stadt, namentlich in den Bereichen Bildung, Karitatives, Kirche, Kultur und Soziales.

Tobit Schäfer, Geschäftsleiter der Stiftung, erklärt, dass die Wibrandis-Stiftung und die ERK vieles gemeinsam hätten. Sie würden auf den gleichen humanistischen Werten basieren. Insofern könne man beim Oekolampad-Projekt von einer eigentlichen Win-win-Situation sprechen. «Schon seit Längerem waren wir auf der Suche nach einem neuen Standort mit grossem Innengarten für die Stiftung Basler Wirrgarten, eine Tagesstätte für Menschen mit Demenz. Zusammen mit dem Angebot Amie Basel und dem Vorstadttheater Basel ergibt sich nun auf den rund 3000 Quadratmetern Nutzfläche die Möglichkeit, eine neue Heimat für diese drei Institutionen zu schaffen. Von der speziellen Nachbarschaft, die im besten Fall mehr ist als die Summe ihrer Teile, erhoffen wir uns Innovationen.»

Begegnungsort fürs Quartier
Ein Gebäudebereich steht der Quartierbevölkerung als Begegnungsort offen. Gemäss dem Grundsatz «Aller Anfang ist Begegnung» sollen wie bisher im sanierten Gemeindehaus sämtliche Lebensabschnitte Platz finden. «Mit der Stiftung Basler Wirrgarten, deren Personal sich um Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen kümmert, dem Verein Amie Basel, das jungen Müttern beim Einstieg ins Berufsleben hilft, und dem Vorstadttheater Basel, das neben Aufführungen für alle Generationen auch theaterpädagogische Angebote bietet, ergibt sich ein Zusammenspiel, aus dem nicht nur die drei eingemieteten Institutionen Synergien erzielen, sondern hoffentlich auch das Quartier profitieren wird», erklärt Schäfer.

Eröffnung im 2023
Die Wibrandis-Stiftung wird nach der Handänderung nicht nur für die Sanierung des Gebäudes in der Grössenordnung von über zehn Millionen Franken sorgen, sondern künftig auch den Unterhalt sicherstellen. «Die drei Institutionen zahlen als Ankermieter deutlich weniger als die übliche Marktmiete. Den Grossteil übernimmt die Wibrandis-Stiftung im Sinne eines langfristigen Förderengagements», sagt Tobit Schäfer. Die Testplanung sei in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege Basel-Stadt erfolgt.

Die Detailpläne werden der Öffentlichkeit voraussichtlich im November 2020 vorgestellt, die Eröffnung ist für 2023 vorgesehen.

Toni Schürmann

Spende sichert Kirchgemeinde Gundeldingen-Bruderholz
Die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt ERK erhält eine umfangreiche Spende: Ein Fonds der Basler Wibrandis-Stiftung unterstützt künftig die Arbeit der ERK in der Kirchgemeinde Gundeldingen-Bruderholz mit einem zweistelligen Millionenbetrag. Die Mittel, welche die Stiftung der Kirche zur Verfügung stellt, sind zweckgebunden: Sie sichern in den nächsten zwanzig Jahren die Arbeit der Kirche beim Standort Titus auf dem Bruderholz sowie beim Standort Zwinglihaus im Gundeldinger-Quartier. «Wir sind glücklich und dankbar, dass die Arbeit der Evangelisch-reformierten Kirche auf diese Weise Wertschätzung erfährt», erklärt Kirchenratspräsident Lukas Kundert. «In der Kirche schwinden zwar die Mittel, aber nicht die Aufgaben. Ein so umfangreicher Beitrag an die Arbeit der Kirche ist deshalb besonders wertvoll.» Drittmittel, also Spenden, Legate und andere Beiträge, spielen eine immer grössere Rolle bei der Finanzierung der ERK Basel-Stadt. Die Steuererträge machen nur gerade etwa sechzig Prozent des Kirchenbudgets aus. Das bedeutet, dass die Steuererträge nicht ausreichen, die Personalkosten zu decken.


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