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Kirche, Politik

Schulen unterrichten «Ethik, Religionen, Gemeinschaft» künftig alleine

23.11.2020
Die St. Galler Regierung hat am 20. November den Lehrplan der Volksschule auf das Schuljahr 2021/22 angepasst. Das Fach «Ethik, Religionen, Gemeinschaft» (ERG) wird neu organisiert. Es wird neu zum rein schulischen Fach.

Die Volksschule im Kanton St. Gallen hat in den letzten drei Jahren Erfahrungen mit dem neuen Lehrplan gesammelt. Diese Frist hatte der Bildungsrat gesetzt, um die Rahmenbedingungen zu überprüfen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen. Es zeigte sich, dass die Inhalte des Lehrplans und die kantonalen Rahmenbedingungen grundsätzlich passen und in den Schulen erfolgreich umgesetzt werden können. In einer Vernehmlassung wurden die Meinungen der Anspruchsgruppen und der politischen Parteien eingeholt.

Angebote Schulen/Kirchen heisst nun Freifächer

Ab dem Schuljahr 2021/22 gelten folgende Anpassungen an den Rahmenbedingungen des Lehrplans Volksschule: Die Schulen können die Lektionenzahl in zwei Fachbereichen auf der Oberstufe – «Wirtschaft, Arbeit Haushalt» (WAH) und «Berufliche Orientierung» (BO) – flexibel verteilen. Die Gesamtanzahl der Lektionen bleibt dabei unverändert. In altersdurchmischten Kleinklassen der Oberstufe sind begründete Abweichungen von der Lektionentafel möglich, um den Unterricht im Klassenverband besser zu ermöglichen. Die Anzahl Lektionen des Wahlfachs «Technisches und Textiles Gestalten» (TTG) in der 2. Sekundarklasse wird ausgebaut auf bis zu 3 Wochenlektionen. Und: «Angebote der Schulen/Kirchen» heissen neu «Freifächer».

ERG künftig im ungeteilten Klassenverband

Anlass zu Diskussionen gab bei der Überprüfung der Lehrplan-Rahmenbedingungen insbesondere die Organisation des Fachs «Ethik, Religionen, Gemeinschaft» (ERG). Dieses Fach unterrichten seit der Einführungsphase des neuen Lehrplans sowohl die Schule wie auch die Landeskirchen – eine schweizweit einzigartige Sonderlösung. Aktuell entscheiden die Eltern, bei wem ihr Kind ab der 3. Primarklasse dieses Wahlpflichtfach besucht. Gemäss dem Beschluss des Bildungsrates wird ab August 2021 das Fach ERG sowohl in der Primarschule als auch auf der Oberstufe zum rein schulischen Fach im Klassenverband. Der Entscheid begründet sich damit, dass die fragliche Thematik in der ganzen Klassengemeinschaft gefördert und die spaltende Wirkung des bestehenden Modells zwischen den unterschiedlichen Anspruchsgruppen – oft entlang der Abgrenzung zwischen christlichem und nichtchristlichem Hintergrund – überwunden werden soll.

ERG bleibt auch in der Primarschule eigenständig

Damit vollzieht der Kanton St.Gallen auch bei diesen Inhalten die Vorlage Lehrplan 21 beziehungsweise die Regelung in den übrigen Kantonen. Dies allerdings mit dem Unterschied, dass in der Primarschule ERG nicht, wie sprachnational vorgeschlagen, Bestandteil des Fachs Natur, Mensch, Gemeinschaft (NMG) wird, sondern ein eigenständiges Fach in der Lektionentafel bleibt. Dies sichert den hohen Stellenwert der entsprechenden Inhalte und erlaubt es der Schule, ihren gesellschaftlichen Integrationsauftrag bruchlos zu erfüllen.

Religionsunterricht flexibel ausbauen

Die Schulträger sind weiterhin gemäss Volksschulgesetz verpflichtet, den bekenntnisbezogenen Religionsunterricht in den Stundenplan aufzunehmen und dafür unentgeltlich Schulräumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Die Landeskirchen bleiben mit dem Religionsunterricht ein wichtiger Teil des Schullebens. Damit bleibt ein markanter Unterschied zur Lehrplanvorlage 21 bestehen. Diese hatte keinen Religionsunterricht vorgesehen, was viele Kantone zur Ausgliederung der Religion in den Privatbereich bewog. Von diesen Kantonen unterscheidet sich der Kanton St. Gallen weiterhin.

Die Kirchen können ab Schuljahr 2021/22 den Religionsunterricht flexibel entsprechend ihren Bedürfnissen anbieten. Es sind neu Bandbreiten für die Dotation dieses Wahlfachs vorgesehen. Die Kirchen haben insbesondere die Möglichkeit, den Religionsunterricht wieder auf die Anzahl Lektionen vor Erlass des Lehrplans Volksschule auszubauen und damit die aktuellen Unterrichtspensen ihrer Lehrpersonen fortzuführen.

Langjähriges Projekt Lehrplan ist abgeschlossen
Die nun beschlossenen Anpassungen schliessen das Projekt Lehrplan Volksschule ab. Seit 2013 bis heute haben das Amt für Volksschule und die Pädagogischen Hochschule St. Gallen (PHSG) in enger Zusammenarbeit die Lehrplaneinführung für die rund 6500 Volksschullehrpersonen vorbereitet, durchgeführt und ausgewertet. Ein ausführlicher Projektbericht wird demnächst öffentlich.

 

Text: Medienmitteilung Staatskanzlei St. Gallen, Foto: Pixabay – Kirchenbote SG, 23. November 2020

Stellungnahme der Kirchen zum Entscheid der Regierung zum Fach ERG

Der Regierungsrat des Kantons St.Gallen hat entschieden, dass zukünftig nur noch die Schulen das Fach ERG erteilen. Die Kirchen bedauern diesen Entscheid. Wir hätten es begrüsst, wenn die St.Galler Schülerinnen und Schüler weiterhin die Wahl zwischen ERG Schule und ERG Kirchen gehabt hätten. Bedauerlich ist auch, dass die grossen Investitionen der Kirchen für den Lehrplan und die Weiterbildung der Lehrpersonen umsonst waren.

Enttäuscht, aber weiterhin Beitrag leisten
Die Enttäuschung wird uns jedoch nicht daran hindern, auch in Zukunft zu einer konstruktiven Zusammenarbeit beizutragen und unseren Beitrag zur ethisch-religiösen Bildung zu leisten. Die Kirchen nehmen den Entscheid der Regierung zur Zukunft des Faches ERG mit Respekt zur Kenntnis und begrüssen die Tatsache, dass eine jahrelange Diskussion und Unsicherheit ein Ende finden. Es freut uns, dass ERG als eigenständiges Fach erhalten bleibt, sowohl auf der Unter-, der Mittel- als auch der Oberstufe.

Nicht nur an Randstunden
Wir anerkennen zudem, dass der Regierungsrat das Volkschulgesetz respektiert und damit Hand bietet für den möglichen Ausbau des Religionsunterrichtes innerhalb der Lektionentafel. Dieses Angebot nehmen wir gerne an. Auch in Zukunft wird es auf eine gute Zusammenarbeit zwischen Schul- und Kirchgemeinden ankommen, um vor Ort praktikable Lösungen zu finden. So hoffen die Kirchen sehr, dass die Schulgemeinden Hand bieten, damit der Religionsunterricht nicht nur in Randstunden stattfinden wird. 

Die Kirchen gehen die bevorstehende Aufgabe ökumenisch an und werden in Kürze eine Reihe von Massnahmen treffen, die einen geordneten Übergang ermöglichen. Vor allem dort, wo Lehrpersonen ein grösseres Pensum verlieren, werden Arbeitgeber und Kirchenleitungen individuelle Lösungen unterstützen.

Martin Schmidt, Präsident des evangelisch-reformierten Kirchenrates
Hans Brändle, Administrationsrat
Franz Kreissl, Pastoralamtsleiter


Von roundabout SG-APP (Rahel Schwarz) erfasst am 14.09 2018 11:50

Danke!

Vielen Dank für die Veröffentlichung des Artikels. Wir freuen uns über jedes interessierte Mädchen, über neue Partnerorganisationen oder Workshop-Anfragen. Freundliche Grüsse Rahel Schwarz kantonale Leiterin roundabout SG-APP

Von Anja Knöpfli erfasst am 20.11 2021 20:59

Taufbestätigung

Die Kantonalkirche ist Teil der Evangelisch-Reformierten Kirche Schweiz (Abgekürzt EKS). Diese empfiehlt allen Kantonalkirchen die Taufbestätigung oder Taufferinnerung zu feiern (Kap. 4.4 in der eigenen EKS Broschüre Tsufe in evangelischer Perspektive). Es ist eine Amtshandlung sogar in der Evangelischen Landeskirche Thurgau. https://eks.marc.beta.cubetech.ch/wp-content/uploads/2019/11/biblische_aspekte_taufe_de.pdf Leider wurde mir aber die Taufbestätigung schon verweigert n der Kantonalkirche St.Gallen von einem Pfarrer dieser, da ich Bisexuell bin und es wurde kein Stellvertreter organisiert! Leider hast du anders als im Thurgau kein Recht darauf, da es nicht in der Kirchenordnung von St.Gallen vorkommt! Wer Taufbestätigung auch kennt ist die überregionale Metal Church!

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