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Kirche, Religionen

Im glarnerischen Grosstal läuft der Religionsunterricht ökumenisch

28.12.2020
Schon oft und mit Erfolg wurden in der Vergangenheit die Religionsschüler*innen vom Grosstal ökumenisch unterrichtet. Jetzt soll dieses Modell institutionalisiert werden.

«Das ist im Prinzip nichts Neues», stellt Pfarrer Christoph Schneider fest, und sein katholischer Kollege Christopher Zintel, Seelsorgeraumassistent der katholischen Kirchgemeinde Glarus Süd, ergänzt, dass es immer schon Unterstützung gab, wenn es nötig war. Die geographische und demographische Lage in Glarus Süd habe zur Folge, dass Schüler*innenzahlen nicht stabil seien und Wege oft zu lang. Das sei besonders für die Erstklässler schwierig.

Dies hätte es nötig gemacht, die Zukunft des Unterrichtes neu zu diskutieren. Dabei ist den beiden Theologen wichtig, das nicht am grünen Tisch zu entscheiden, sondern sie setzen auf den Dialog mit den Eltern. Mit ihnen wird zusammen geplant, was die beste Lösung für den Unterricht ist. Alle Beteiligten sollen in den Prozess eingebunden werden.

Ökumene wird längt im Kirchenvolk gelebt

Erste ökumenische Elternabende haben stattgefunden. «Fast alle Eltern waren da!», resümiert Christoph Schneider. Das zeige das Interesse und auch, dass Ökumene längst im Kirchenvolk gelebt würde. Es ginge nicht darum, dem anderen die «Kundschaft abzugraben», so Christoph Schneider. «Uns verbindet viel mehr, als uns trennt.»

Das zeigt sich auch in den gemeinsamen Themen, die im Unterricht behandelt werden sollen. Sie stellen zum einen die gegenseitige Konfession vor, behandeln aber auch Themen wie Gottesbilder oder den Umgang mit der Bibel. Ausnahmen gibt es in der 3. Klasse und in der 2. Oberstufe, in jenen Klassen, die auf die Kommunion und die Firmung zugehen. Da mit der 2. Oberstufe der katholische Unterricht endet, wird auch die Konfklasse im Grosstal nur reformiert unterrichtet. Den Oberstufenunterricht gestalten beide Theologen bereits paritätisch. Dieses Co-Teaching spart nicht nur Ressourcen, sondern birgt auch die Chance, anders zu arbeiten, mehr erlebnisorientiert und weniger schulisch. Ausserdem, so Christopher Zintel, schaffen grössere Gruppen ein ganz anderes Gemeinschaftsgefühl, als wenn es Klassen von zwei bis drei Schüler*innen gäbe. «Sie kommen gerne!», erklärt Zintel stolz.

Kirche muss sich neu erfinden

Der ökumenische Religionsunterricht im Grosstal hat Modellcharakter im Kanton Glarus. Die Kirchenräte und die Landeskirche stehen dabei voll hinter dieser Idee. «Kirche muss sich neu erfinden», meint Christoph Schneider. Und das gälte nicht nur für den städtischen, sondern auch für den ländlichen Raum. Ökumene habe eine gute Tradition im Grosstal. Es seien sicher sieben ökumenische Gottesdienste, die im Jahr gemeinsam gefeiert würden. Dies, der Unterricht und auch andere gemeinsame Aktivitäten seien ein deutliches Zeichen, dass Kirchentwicklung ökumenisch sein könne.

Christoph Schneider und Christopher Zintel haben sich aufgemacht, den Unterricht für die Grosstaler Kinder in die Zukunft zu führen. Gegenseitiger Respekt und kollegialer Austausch bilden dabei die Grundlage für eine neues Konzept von Unterricht, das hoffentlich Nachahmende findet. 

 Dagmar Doll


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