Logo
Leben & Glauben, Gesellschaft

«Gell, du kennsch mi nüd»

28.01.2021
Das närrische Treiben an der Fasnacht stellt die Frage nach der eigenen Identität. Aber auch im Alltag tragen Menschen sichtbare und unsichtbare Masken, findet Brigitta Schmidt, Pfarrerin in Ganterschwil.

Ich bin in einem katholischen Gebiet aufgewachsen und liebte die Fasnacht, die Möglichkeit, in eine fremde Rolle zu schlüpfen. Später geriet das Verkleiden aus dem Blick, bis ich wieder in einer Gemeinde sesshaft wurde, die eine Fasnachtstradition kennt. Erwachsen, mit einem Mann an der Seite, wollte ich auch mal an den Fasnachtsball. Wir entschieden uns für Halbmasken, damit wir auch etwas trinken konnten. Mit rabenschwarzer Perücke und hochhackigen Schuhen wankte ich an der Hand meines als Gondoliere verkleideten Mannes in den Saal. Im Gegensatz zu den Schutzmasken entstellen die Halbmasken den Blick völlig. Mit der festgelegten Mimik fühlte ich mich entfremdet. Ich hatte den Eindruck, dass die Leute mir ungenierter in die Augen schauten. Ein Gefühl der Schutzlosigkeit kam auf. Aber genau in dem Moment, als alle zur Musik wippten, zog mein Mann seine Maske aus – und ich war auch enttarnt.

 

Mit rabenschwarzer Perücke und hochhackigen Schuhen wankte ich an der Hand meines als Gondoliere verkleideten Mannes in den Saal.

 

«Was – ihr seid bei uns an der Fasnacht!» Grosses Erstaunen und Freude bei den Verantwortlichen des Balls. Innert Sekunden waren wir wieder das Ehepaar, das man doch schon längst kannte. Die Gespräche waren wieder in der Art, wie man sich nach einer Sitzung im Restaurant austauscht. Höflich, wohlwissend, dass man in den nächsten Wochen aufeinander angewiesen ist.

Trägerin einer Rolle

Naiv, wie ich war, habe ich beim Fasnachtsball an den Farbenzauber, an die Musik gedacht. Mir war nicht bewusst, dass wir im Dorf schon als Träger einer Rolle verstanden wurden. Ich liebe Verkleidungen. Aber ehrlich, nach dieser Erfahrung sind mir Masken, die Augen bewusst entstellen, unsympathisch. Ich glaube, dass wir alle schon genug sichtbare und unsichtbare Masken tragen.

Das närrische Treiben kann durchaus ein Spiel sein, das die Frage nach der eigenen Identität berührt. In der Bibel, vor allem in den Psalmen, wird immer wieder darauf hingewiesen, dass Gott uns richtig kennt, dass Selbsterkenntnis durch Gotteserkenntnis möglich ist. Zum Beispiel im Psalm 139,23-24: «Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz, prüfe mich und erkenne meine Gedanken. Sieh, ob ein gottloser Weg mich verführt, und leite mich auf ewigem Weg.»

Text: Brigitta Schmidt, Pfarrerin, Ganterschwil | Foto: Pixabay – Kirchenbote SG, Februar 2021


Von roundabout SG-APP (Rahel Schwarz) erfasst am 14.09 2018 11:50

Danke!

Vielen Dank für die Veröffentlichung des Artikels. Wir freuen uns über jedes interessierte Mädchen, über neue Partnerorganisationen oder Workshop-Anfragen. Freundliche Grüsse Rahel Schwarz kantonale Leiterin roundabout SG-APP

Von Maurer Charlotte erfasst am 06.01 2020 09:13

Erwachseme Taufe

Ein lieber Freund, der sich inzwischen sehr mit Gott verbunden hat, möchte eine Erwachsenen Taufe. Er ist als Kind reformiert getauft. Bitte können Sie uns da helfen?

Kommentar erstellen
KIRCHENBOTE E-PAPER

Alle Kirchenboten ab 2002 zum Lesen, Suchen und Herunterladen...

Podcast: «De 5er und s Weggli»  | Artikel

Ein Podcast mit der Schwarmintelligenz der 50 Konfirmandinnen und Konfirmanden von Weesen-Amden-Riet und Uznach und Umgebung und dem Halbwissen von Jörn Schlede sowie Daniel Giavoni zu brennenden Themen. Aus aktuellem Anlass wurden die neuen Nutzungsbedingungen von WhatsApp unter die Lupe angenommen. Dies betrifft alle, ob jung oder alt, die WhatsApp benützen.

 


Bodensee Friedensweg in Überlingen  | Artikel

Der Bodensee-Friedensweg 2021 in Überlingen wurde wegen Corona abgesagt. Trotzdem fanden sich im kleinen Kreis Friedensbewegte ein. Hier die Rede von Christian Harms vom örtlichen Komitee Überlingen. Die Filmaufnahmen stammen von Claus Kittsteiner, zusammengestellt von as.


Mitreden!  | Artikel

Der Kirchenbote hat einen Blog lanciert. Reden Sie mit, schauen Sie herein. Es warten spannende Themen auf Sie. 


Podcast: Oh Gott, ich hätte da mal eine Frage!  | Artikel

Ein hinterfragender Podcast über Religion, Glaube, Kirche sowie Gott und die Welt. Isabelle Tschugmall stellt seichte, tiefsinnige und kritische Fragen jeweils den Pfarrpersonen der Kirchgemeinden von Rapperswil-Jona, Weesen-Amden-Riet sowie Uznach und Umgebung. Die Fragen werden von neugierigen Personen via Webseite oder E-Mail eingereicht. Die Idee ist, dass wir den Gemeindemitgliedern einen Zugang zur Kirche und den Pfarrpersonen geben. Ein interaktives Werkzeug resp. Kanal für offene Fragen entsteht.