Logo
Gesellschaft

Die durchgedrehte Diana

22.04.2021
Naturphänomen – Ist im Walenstädter Umschwung einer Villa ein Wunder geschehen?

In Walenstadt blieb ich kürzlich verwundert vor einem Privatgarten stehen. Grund meines abrupten Stopps war eine Lärche im nadellosen Winterzustand. Mit den karamellfarbenen jungen Zweigen und den nach aussen gebogenen Zapfenschuppen gab sie sich zweifelsfrei als Japanische Lärche zu erkennen. Das war aber nicht alles. Statt stracks nach oben zu wachsen, leisten es sich die Sprossen des Exoten, sich mal links, mal rechts und mal im Kreise herum zu drehen, als hätten sie es nicht nötig, möglichst rasch ans Licht zu gelangen.

 

Eine deutsche Baumschule preist die bizarre Gartenpflanze marktschreierisch als «Hingucker» an.

 

Dabei ist doch bekannt, dass alle rund 20 bekannten Lärchenarten auf viel Licht angewiesen sind. Gehen wir davon aus, dass Wunder unerklärbare Ereignisse sind, die der menschlichen Vernunft und den Gesetzmässigkeiten der Natur zuwiderlaufen, dann ist im Garten der Walenstädter Villa ein Wunder geschehen. 

Blick in die Kataloge

Ein Blick in verschiedene Baumschulkataloge holte mich wieder in die Realität zurück. Mir offenbarte sich am Südfuss der Churfirsten kein Wunder, sondern eine Bildungslücke, zumindest was die aktuellen Baumschulsortimente anbelangt. Die sonderbare Lärche können alle, die das möchten, in Gartencentern erwerben und in den Garten pflanzen. Ihr Name: Larix kaempferi «Diana». Eine deutsche Baumschule preist die bizarre Gartenpflanze marktschreierisch als «Hingucker» an. Zumindest bei mir hat sich das bestätigt.

 

Schliesslich kann man vieles als zauberhaft empfinden – auch ohne an Zauberei zu glauben.

 

Wenigstens der Spur nach kann ich darlegen, was den Zweigen der holzigen Diana Dauerwellen verleiht. Es ist eine Mutation: Gene, die an den Zweigen normalerweise für gleichmässig grosse Zellen und damit für gerade Zweige sorgen, verändern sich sprunghaft. In der Folge lassen sie unterschiedlich grosse Zellen zu mit dem Resultat, dass sich die Zweige in alle Richtungen verformen. Kein Wunder also, dafür Evolution live, abgespielt direkt vor meinen Augen. Vorausgesetzt, die neue Form könnte sich im Wettbewerb der Arten behaupten und sich fortpflanzen, wäre dies die Geburtsstunde einer neuen Art. In der Entwicklungsgeschichte der Gefässpflanzen spielte sich dies auf unserem Planeten schon rund 300 000-mal ab. Würde die «durchgedrehte Diana» nicht von Gärtnerinnen und Gärtnern durch Veredelung vermehrt, wäre sie wie die meisten Mutationen bald wieder vom Erdboden verschwunden. Keine neue Art also in Walenstadt, sondern ein Irrweg der Evolution, genauso wie die bekannten Korkenzieherformen bei den Haselsträuchern, Weiden oder Robinien. Auch sie sind lebende Aushängeschilder unserer Gärten, die Wunderfitze wie mich bisweilen zu Zwischenhalten animieren.

Schauspiel der Natur als Wunder

All diese Tatsachen sollen niemanden davon abhalten, Lärchen als wunderschöne Lebewesen zu achten. Der hellgrüne Austrieb der Nadeln im Frühling, meist zusammen mit den gelben männlichen und den roten weiblichen Blütenständen, ist schlicht überwältigend. Wie auch der Laubfall im Herbst, wenn sich die Nadeln goldgelb verfärbt haben. Oder genauer gesagt, wenn beeinflusst durch abnehmende Tageslängen und Temperaturen, Phytohormone verwertbare Stoffe von den Nadeln in die Sprossachsen zurückziehen, sodass gelbe Farbpigmente zum Vorschein kommen, die bis anhin vom Blattgrün überdeckt waren. Wer im Oktober Lärchenwälder aufsucht, sei es im Engadin, in den Weiten Sibiriens oder in den vulkanischen Gebirgen Zentraljapans, wird ob so viel Schönheit ergriffen sein. Warum dieses Schauspiel nicht als Wunder der Natur bestaunen? Schliesslich kann man vieles als zauberhaft empfinden – auch ohne an Zauberei zu glauben.

Text | Foto: Hanspeter Schumacher, Wattwil – Kirchenbote SG, Mai 2021

 

Der Autor

Bis im Januar leitete Hanspeter Schumacher 35 Jahre lang den Botanischen Garten in St. Gallen. Der 65-jährige Landschaftsarchitekt lebt in Wattwil.

 


Von roundabout SG-APP (Rahel Schwarz) erfasst am 14.09 2018 11:50

Danke!

Vielen Dank für die Veröffentlichung des Artikels. Wir freuen uns über jedes interessierte Mädchen, über neue Partnerorganisationen oder Workshop-Anfragen. Freundliche Grüsse Rahel Schwarz kantonale Leiterin roundabout SG-APP

Von Anja Knöpfli erfasst am 20.11 2021 20:59

Taufbestätigung

Die Kantonalkirche ist Teil der Evangelisch-Reformierten Kirche Schweiz (Abgekürzt EKS). Diese empfiehlt allen Kantonalkirchen die Taufbestätigung oder Taufferinnerung zu feiern (Kap. 4.4 in der eigenen EKS Broschüre Tsufe in evangelischer Perspektive). Es ist eine Amtshandlung sogar in der Evangelischen Landeskirche Thurgau. https://eks.marc.beta.cubetech.ch/wp-content/uploads/2019/11/biblische_aspekte_taufe_de.pdf Leider wurde mir aber die Taufbestätigung schon verweigert n der Kantonalkirche St.Gallen von einem Pfarrer dieser, da ich Bisexuell bin und es wurde kein Stellvertreter organisiert! Leider hast du anders als im Thurgau kein Recht darauf, da es nicht in der Kirchenordnung von St.Gallen vorkommt! Wer Taufbestätigung auch kennt ist die überregionale Metal Church!

Kommentar erstellen
KIRCHENBOTE E-PAPER

Alle Kirchenboten ab 2002 zum Lesen, Suchen und Herunterladen...

Zwischen Zebra und Löwe  | Artikel

An der St. Galler Olma kann man sich hinter einer Krippe fotografieren lassen – umgeben von exotischen Tieren. Hinter der ungewöhnlichen Aktion steckt die reformierte Kiche des Kantons St. Gallen.


Was denken Sie dazu? Diskutieren Sie mit!  | Artikel

Der Kirchenbote führt neu einen Blog! Haben Sie zu unseren Themen etwas erlebt, eine Erkenntnis gewonnen? Diskutieren Sie mit!


Zauberklang der Dinge – Niklaus Meienberg  | Artikel

«Eigentlich bin ich mir längst abgestorben, ich tu nur noch so als ob - Atem holen, die leidige Gewohnheit hängt mir zum Hals heraus!» Mit diesem Satz beginnt das Gedicht «Rivers of Babylon» von Niklaus Meienberg. Dieser Text steht im Zentrum der neuen Folge 25 von Zauberklang der Dinge. Schauspieler Peter Rinderknecht singt uns diese Worte. Das Lied «This body is a rose», nach einem Text des Mystikers Dschallalu din Rumi, gesungen von Barbara Balzan, bildet gleichsam einen Kontrapunkt.