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Zwischen Skitour und «Schuhtour»

22.04.2021
Lager voll, Laden zu – auch für Ueli Schneider, Schuhhändler in St. Gallen, war im vergangenen Jahr alles anders.

«Jetzt kann ich endlich ein paar Skitouren machen», war der erste Gedanke von Ueli Schneider, als die Schweiz im März vor einem Jahr in den Lockdown ging. Doch der zweite Gedanke war beim Geschäft. Die Lager voll, der Laden zu und eigentlich die beiden besten Monate vor der Tür.

«Ein paar Tage nach dem Lockdown versuchten wir zu dritt zu klären, was wir tun können», erzählt Ueli Schneider. Zusammen mit seiner Frau Monika führt er bereits in sechster Generation das gleichnamige Schuhgeschäft in der Innenstadt von St. Gallen. 2007 kam eine Filiale dazu, und vor sechs Jahren ist mit Sohn Samuel bereits die siebte Generation ins Geschäft eingestiegen.

Kurzarbeit und Kredit

Er sei froh gewesen, die Verantwortung nicht alleine tragen zu müssen, sagt Schneider. Denn zunächst brauchte es einen klaren Kopf. «Als plötzlich alles geschlossen war, gab es zu viele Fragen und zu wenige Antworten. Da half es, sich auszutauschen.» Rasch richteten sie einen «Schuh-Take-away» ein, beantragten für die fünfzehn Mitarbeiterinnen Kurzarbeit und für das Geschäft einen Überbrückungskredit und Samuel machte sich hinter einen Onlineshop.

«Erst war alles improvisiert», erzählt Schneider. Mitarbeiterinnen begannen Schuh um Schuh für den Shop zu fotografieren. Per Whatsapp beantworteten sie Anfragen, schickten da eine Bildauswahl mit Kinderschuhen oder lieferten dort auf einer «Schuhtour» eine Auswahl von Hausschuhen zum Probieren vorbei. Nach zwei Wochen ging der Shop bereits online, und die neuen Abläufe spielten sich nach und nach ein. «Doch die Unsicherheit lastete während des ganzen Lockdowns schwer», erinnert sich Schneider. Lichtblicke waren zwar die Solidarität der Kundinnen und Kunden und der Zusammenhalt im Team. Dennoch, an Skitouren mochte er nicht denken.

Kinder brauchen Schuhe

Umso grösser dann die Freude, als sie wieder öffnen durften. «Bei der Wiedereröffnung glich unser Laden einer Kita.» Die Kleinsten brauchten als Erste neues Schuhwerk. «Überall standen Kinderwagen herum.» Auch sonst lief es gut – so gut, dass sie den Überbrückungskredit nicht antasten mussten. «Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen», sagt Schneider rückblickend. Besonders werde ihm das bewusst, wenn er an Lieferanten oder Kollegen aus dem Ausland denke. Als Gründe dafür nennt er die gute Verankerung in der Stadt und die Breite des Sortimentes. «Outdoor- und Kinderschuhe waren sehr gefragt, modisch elegante Schuhe brauchte niemand.»

Heute kann er dem letzten Jahr sogar positive Seiten abgewinnen. «Die Pandemie war für uns ein Innovationstreiber.» So laufe seit Ende Jahr ein professioneller Onlineshop samt Lagerbewirtschaftung. «Gelassener konnten wir darum mit der zweiten Schliessung diesen Januar und Februar umgehen.» So gelassen, dass sogar Zeit für die eine oder andere Skitour blieb.

Text | Foto: Andreas Ackermann – Kirchenbote SG, Mai 2021

 

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