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Kirche

«Freie Trauungen sind kein Widerspruch»

27.04.2021
Derzeit absolviert Irina van Bürck den Schlussspurt ihres Vikariats in Bettingen. Trauungen sind ihr dabei eine Herzensangelegenheit. Da öffnet sie ihren Fächer auch für Konfessionslose.

«Ich bin ein optimistischer Mensch», sagt Irina van Bürck, die im Sommer ihr Vikariat bei Pfarrer Stefan Fischer in Bettingen abschliessen wird. Eine Pfarrstelle hat sie auch schon: Sie wird in einem 80-Prozent-Pensum als Pfarrerin im Wegenstettertal wirken, zu dem die vier Orte Zeiningen, Zuzgen, Hellikon und Wegenstetten gehören. «Unsere Wohnung in Basel werden wir vorerst behalten. Da mein Freund bei einem Basler Pharmaunternehmen arbeitet, ist das für uns im Moment am einfachsten. Zum Glück besteht das Wegenstettertal nicht auf der Residenzpflicht», erklärt van Bürck. «Die notwendige Nähe zu den Menschen in den vier Dörfern werde ich durch viel Lokalpräsenz aufbauen.»

Aufgewachsen in einer vierköpfigen Familie in Reinach, zog es Irina van Bürck für das Theologiestudium in eine Wohngemeinschaft nach Basel. Steter Begleiter in den Vorlesungen und Seminaren war ihr Hund Cookie, ein Jack-Russell-Mischling. «Zu Beginn habe ich die Dozierenden gefragt, ob ich den Hund mitbringen dürfe», sagt van Bürck. Nachdem dieser sich immer vorbildlich verhalten und durchgeschlafen hatte, wurde er nur dann zum Thema, wenn er nicht da war. «Dann haben alle sofort gefragt, warum Cookie nicht dabei ist.»

Von katholisch zu reformiert
Glaube und Religion seien in der ursprünglich aus Holland stammenden Familie seit jeher ein Thema gewesen. «Obwohl mein Vater reformiert ist, war ich bis im Alter von zehn Jahren in der katholischen Kirche beheimatet», erklärt die heute 28-jährige van Bürck. Dann sei ihre Mutter konvertiert, weil sie sich der reformierten Konfession näher fühlte. Den Berufsweg zur Pfarrerin hat Irina van Bürck aus mehreren Gründen ergriffen. Zum einen seien ihre Eltern mit Pfarrpersonen befreundet. Im Gespräch mit diesen habe sie realisiert, wie abwechslungsreich dieser Beruf ist. Zum anderen sei sie schon immer gläubig gewesen. Letztlich ausschlaggebend waren jedoch ihre Erfahrungen im viermonatigen Sozialeinsatz. «Nach der Matura wollte ich eigentlich in Richtung Philosophie oder Medizin. Doch nach meinen je zweimonatigen Einsätzen in Ghana und Thailand war mir klar, dass Theologie meine Berufung ist. Mich beeindruckte, wie die Menschen in schwierigen Situationen aus dem Glauben Kraft schöpften.»

Traumhafte Trauungen
Bereits während ihres Studiums habe sie damit begonnen, Trauungen durchzuführen (www.traumung.ch); zuerst nur für enge Freunde, später habe sich das ausgeweitet. «Dabei habe ich gemerkt, wie sehr ich diese Arbeit liebe.» Vom Ansatz her unterscheide sie nicht zwischen kirchlicher oder freier Trauung. Zudem seien freie Trauungen für sie kein Widerspruch zur Kantonalkirche. «Ich nehme der Kirche ja keine Leute weg. Vielmehr biete ich als Pfarrerin Anknüpfungspunkte, die im besten Fall eine Rückkehr zur Kantonalkirche ermöglichen.» Schön sei zudem, dass sich die Hochzeits-High-Season auf die Monate Mai bis Oktober beschränke. «So kann ich mir mein Trau(m)ungs-Engagement zeitlich wunderbar einteilen.»

Toni Schürmann


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