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Kirche

Wie einst die Mönche im Mittelalter

27.04.2021
Die Kirchen im Leimental rufen dazu auf, gemeinsam das Matthäusevangelium abzuschreiben. Mit dabei ist das Kloster Mariastein.

Welchen Bibelvers sie abschreiben werde, wisse sie noch nicht, erklärt Magdalena Welten. Sie werde sich dann ganz vom Moment inspirieren lassen, sagt die Präsidentin ad interim der Reformierten Kirchgemeinde Leimental. «Eine Bibelstelle erhält ja auch in dem Moment ihre besondere Bedeutung, wenn man sie auswählt und niederschreibt.»

2021 steht das kirchliche Leben im Leimental ganz im Zeichen der Abschrift der Bibel. Im Rahmen des ökumenischen Projektes «Bibel-Abschreiben 2021/2022» schreibt Jung und Alt das Matthäusevangelium ab – von Hand.

Am 16. Mai startet das Projekt mit einem feierlichen Gottesdienst in der Ökumenischen Kirche Flüh. Anschliessend wird in den Kirchen in Witterswil, Bättwil, Flüh, Mariastein, Rodersdorf und Hofstetten sowie in der Basilika in Mariastein je ein Schreibpult aufgestellt. Dort findet man die Vorlagen und das notwendige Papier. Wer sich für diese Aufgabe absolute Ruhe wünscht, kann sich ins Schreibzimmer des Gästehauses des Klosters Mariastein zurückziehen.

Ruhe und Konzentration
«Das Projekt verfolgt zwei Ziele», sagt Magdalena Welten. «Im Akt des Schreibens findet eine Entschleunigung statt, wodurch der Text eine Wertschätzung erfährt.» Das handschriftliche Schreiben, die Ruhe und die Konzentration seien etwas ganz anderes als das «Idöggele» in den Computer. «Der Text wird durch die Handschrift, die Gestaltung und die Zuwendung der Schreibenden einmalig. » Man erhalte durch das Abschreiben einen ganz anderen Zugang zum Inhalt des Bibeltextes. Das beginne schon mit der Auswahl der Bibelübersetzung. Zudem könne man die Blätter auch gestalten und finde so einen kreativen und neuen Zugang zur Bibelstelle.

Das andere Ziel des Projektes sei es, dass sich die Menschen und Kirchen im Leimental näherkommen. «Bibel-Abschreiben» verbindet die Leute über alle Alters-, Konfessionsund Milieugrenzen hinweg», sagt Magdalena Welten. Die Erfahrung der gelebten Ökumene und der ökumenischen Sonntage zeige, dass das Miteinander der Weg ist, der in die Zukunft führt. Man lerne viel von den anderen, und dies schlage sich im eigenen Gemeindeleben nieder.

Kalligrafiekurs und Besuch der Papiermühle
Das Projekt «Bibel-Abschreiben 2021/2022» wird von verschiedensten Veranstaltungen begleitet. Es gibt Kurse zu Kalligrafie, zum Matthäusevangelium, zu Kunst und Bibel sowie zum Bibellesen. Und die Kinder können die Papiermühle in Basel besuchen und dort erleben, wie Papier geschöpft wird. Und was kommt 2022? Das Abschreiben der anderen Evangelien? «Mal sehen, wie das Projekt ankommt», sagt Magdalena Welten. Im Moment freut sie sich auf das Matthäusevangelium. www.kgleimental.ch

Tilmann Zuber


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