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Gesellschaft

«Urban Gardening» in der Offenen Kirche

«Ein Teil der Schöpfung»

03.06.2021
Keine Ahnung von Botanik? Dann hilft ein Workshop von Urban Roots in der Offenen Kirche Elisabethen. Da bleiben keine Fragen offen, meint Daniel Schaufelberger. Das Greenhorn in Sachen Garten hat den Kurs getestet.

Welche Pflanzen kann man nebeneinander setzen? Welche brauchen viel Sonne, was sind Vielzehrer, und warum brauchen sie ordentlich Dünger? Antworten auf diese und mehr Fragen aus der Botanik verspricht der «Urban-Gardening»-Kurs, der von der Offenen Kirche Elisabethen in Basel angeboten wurde. Durchgeführt wurde der Workshop vom Basler Unternehmen Urban Roots.

Hinter «Urban Gardening», also städtischem Gärtnern, steckt die Idee, mitten in der Stadt Orte zum Anpflanzen zu finden. Das kann der heimische Balkon, der wenig genutzte Hinterhof oder ein öffentlicher Gemeinschaftsgarten sein. Dabei geht es darum, Gemüse und Obst auch auf kleinstem Raum für den eigenen Bedarf anzubauen – die Stadt wird essbar.

Kursteilnehmerin Margrit Schneider aus Basel zum Beispiel will ihren grossen Balkon endlich begrünen – hier holt sie sich das Fachwissen. Andere der rund zehn Teilnehmenden wollen ihren Botanik-Wissensstand auffrischen oder sich «einfach mal informieren», was es mit «Urban Gardening» auf sich hat.

Tasche statt Topf
Wir stehen noch etwas verlegen im öffentlichen Garten neben der Elisabethenkirche. Scarlet Allenspach, Gründerin von Urban Roots, und Mitarbeiterin Brigitte Maurer erklären den Teilnehmenden den Ablauf des Kurses. Heutiges Ziel: Pflanzentaschen mit verschiedenen Setzlingen zu bestücken und die Beete in der Anlage zu bepflanzen. Gesetzt werden Wildtomate, Basilikum, Minikürbis, Chili oder Aubergine, um nur einige zu nennen.

Natürlich sind nicht nur die Pflanzen Bio, sondern auch die Taschen. Die aus PETRecycling und Hanffasern hergestellten Taschen könnten bis zu vier Jahre bewirtschaftet werden, erklären die Gartenprofis.

Dann wird es praktisch: Scarlet und Brigitte zeigen, wie es geht: Den Boden erst mit Hydrokultur belegen, ungefähr fünf Zentimeter hoch sollte die Schicht der Tonkügelchen sein. Obendrauf kommt die Erde. Wir benutzen torffreie Erde, die bereits mit Schafwolle gedüngt ist. «Achtet darauf, dass ihr immer torffreie Erde verwendet», werden wir gemahnt. Die Erklärung folgt sogleich: «Torf wächst nur sehr langsam, etwa einen Millimeter im Jahr. Der Abbau setzt Unmengen von Kohlenstoff frei, und Moore, die als wichtiger Lebensraum zahlreicher Tiere dienen, trocknen aus.» In der Schweiz sei der Abbau zwar verboten, jedoch verkaufe der Handel noch immer Erde mit Torf.

Schädling oder nicht?
Jetzt wird es schmutzig: Die Teilnehmenden setzen die Pflanzen ein und streuen die Samen in die Erde. Darunter sind Lichtkeimer, wie ich erfahre. «Diese müssen die Kirchenglocken hören», meint eine 60-Jährige und weist auf den nahen Kirchturm. Praktisch jeder Setzling beheimatet bereits einen kriechenden und einen krabbelnden Bewohner. «Das zeigt, dass wir hier Bio-Pflanzen in der Hand halten», scherzt Scarlet Allenspach. Jemand entfernt sorgfältig einen Wurm aus der Erde, nur um ihn in einem Schälchen mitzunehmen. «Für mein Tomatenbeet daheim», schmunzelt die Entführerin.

Auch einige kleine Tigerschnecken kommen zum Vorschein. Ausgewachsen kann das Kriechtier bis zu 20 Zentimeter gross werden. Kaum bekannt sei, dass Tigerschnecken keine Schädlinge seien, im Gegenteil, erklärt Brigitte Maurer. Vor allem in Gemüsegärten seien sie Nützlinge. «Sie fressen nicht nur verwelktes Pflanzenmaterial sondern auch die schädlichen Nacktschnecken und deren Gelege. Die Schnecken sind dank ihrer getigerten Zeichnung einfach von den normalen Nacktschnecken zu unterscheiden.»

Rankspinat, Reben und Hopfen
Zu guter Letzt wird die Erde mit organischem Material bedeckt. Mulchen heisst das in der Gärtnersprache, wird uns erklärt. Dann werden die bepflanzten Taschen mit reichlich Wasser begossen und entlang des Zauns aufgestellt. Anschliessend werden noch die Beete im Garten bepflanzt, ganze 50 Meter sind es. Hier werden unter anderem Setzlinge von Rankspinat, Reben oder Hopfen in die bereits vorbereiteten Löcher gepflanzt.

Fazit am Ende des Kurses: Alle Besucher waren begeistert bei der Arbeit und freuten sich über das «Wunder der Pflanzen» und darüber, wie aus einem kleinen Samen eine grosse Pflanze werden kann. Monika Hungerbühler, katholische Theologin und Ko-Leiterin Offene Kirche Elisabethen, bringt es auf den Punkt: «Auch dieses kleine Wunder ist ein Teil von Gottes Schöpfung.» Wie recht sie damit hat, denke ich, als ich nach den Kurs zur nächsten Tramhaltestelle eile.

Übrigens: Die frisch gepflanzten Setzlinge in den Taschen und Beeten können im öffentlichen Garten der Offenen Kirche Elisabethen besichtigt werden. Monika Hungerbühler garantiert, die Pflege zu organisieren. Trotzdem äussern einige Bedenken wegen Vandalismus. Scarlet Allenspach beruhigt: «Laut Studien werden gut gepflegte Anlagen deutlich weniger Opfer von Vandalismus als ungepflegte.»

Daniel Schaufelberger, kirchenbote-online


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