Logo
Kirche

«Wir sehen den Änderungen entspannt entgegen»

24.08.2021
Seit 1998 kennt die Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen die Segnung homosexueller Paare. «Es war ein zähes Ringen. Es brauchte drei, statt wie normalerweise zwei Synoden», erinnert sich der Kirchenratsschreiber Markus Bernet.

Fortan ist die Hilfestellung für Pfarrpersonen – die sogenannte «Handreichung» –, um Gottesdienste mit Personen in besonderen Lebenssituationen zu feiern, in Kraft. Wer keine Schwulen oder Lesben segnen will, hat laut St. Galler Kirchenordnung und in Rücksprache mit dem Dekan aber das Recht, diese Amtshandlung aus Gewissensgründen zu verweigern. Einen Eintrag der Segnung ins Eheregister gibt es für das homosexuelle Paar bisher nicht. 

Subsidiaritätsprinzip

Sagt am 26. September das Schweizer Stimmvolk Ja zur «Ehe für alle», sehen der Kirchenratsschreiber sowie Kirchenratspräsident Martin Schmidt den rechtlichen Änderungen, die auf die reformierte St. Galler Kirche zukommen könnten, entspannt entgegen. «Es entspricht unserem Staats- und Rechtsverständnis, dass, wenn neues Bundesrecht eingeführt wird, wir diesem Folge leisten. Da keine Gesetze für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare auf nationaler Ebene bestanden, konnten wir vor über 20 Jahren eine eigene Regelung einführen. Bei einem Ja folgen wir jedoch dem Subsidiaritätsprinzip», so Schmidt. Dies werde nicht anders sein wie damals, als der Staat die Zivilstandsämter gründete und das Führen der Kirchenbücher von den Katholiken und Reformierten übernahm. «Wir werden also den rechtlichen Teil wieder ‹delegieren›. Wer als gleichgeschlechtliches Paar kirchlich heiraten will, hat dann, wie jedes heterosexuelle Paar schon heute, zuerst die zivile Trauung zu vollziehen. Mit dieser Bescheinigung dürfen wir dann auch Trauung sagen, wobei es im theologischen Sinne eine Segnung bleibt», so der Präsident des St. Galler Kirchenrats. Denn die Reformierten hätten schon früher die Trauung als «weltlich Ding» betrachtet. «Und selbstverständlich wird die kirchliche Trauung dann auch bei uns im Eheregister eingetragen», ergänzt Bernet, ebenso die Taufe eines Kindes, sofern ein Elternteil der Kirche angehört. 

Kaum mehr Einzelpfarrämter

Ob sich ein Pfarrer weigern kann, Homosexuelle zu trauen, darüber zerbrechen sich derzeit die Juristen die Köpfe. Gemäss neuer Rassismusstrafnorm macht sich strafbar, wer jemandem eine Leistung, die für die Allgemeinheit bestimmt ist, einzig aufgrund der sexuellen Orientierung verweigert. Die Rechtsgelehrten sehen in der kirchlichen Trauung eine solche Leistung. Im Wissen um die Problematik, bleibt Schmidt aber gelassen und pragmatisch: «Wir haben kaum mehr Einzelpfarrämter. Ein Teamkollege oder eine Pfarrerin aus der Nachbargemeinde könnte die Trauung vollziehen.» Und Bernet meint grundsätzlich: «Theologische Aspekte an die heutige Zeit anzupassen ist und bleibt eine Kunst.»

Text: Katharina Meier | Foto: Screenshot UZH – Kirchenbote SG, September 2021


Von roundabout SG-APP (Rahel Schwarz) erfasst am 14.09 2018 11:50

Danke!

Vielen Dank für die Veröffentlichung des Artikels. Wir freuen uns über jedes interessierte Mädchen, über neue Partnerorganisationen oder Workshop-Anfragen. Freundliche Grüsse Rahel Schwarz kantonale Leiterin roundabout SG-APP

Von Maurer Charlotte erfasst am 06.01 2020 09:13

Erwachseme Taufe

Ein lieber Freund, der sich inzwischen sehr mit Gott verbunden hat, möchte eine Erwachsenen Taufe. Er ist als Kind reformiert getauft. Bitte können Sie uns da helfen?

Kommentar erstellen
KIRCHENBOTE E-PAPER

Alle Kirchenboten ab 2002 zum Lesen, Suchen und Herunterladen...

Zwischen Zebra und Löwe  | Artikel

An der St. Galler Olma kann man sich hinter einer Krippe fotografieren lassen – umgeben von exotischen Tieren. Hinter der ungewöhnlichen Aktion steckt die reformierte Kiche des Kantons St. Gallen.


«Pilger»  | Artikel

Mit dem Lied «Mariam Matrem», vorgetragen vom «Pilgerprojektchor Inscriptum», erleben wir in diesem kurzen Trailer die «Pilger» des Künstler Johann Kralewski, wie sie in der Offenen Kirche St.Gallen auf das Graffiti «des offenen Himmels» von Stefan Tschirren blicken und sich in die Kirche St.Mangen bewegen - am 24.9.2021. Leitung des Projektchors: Walter Raschle. Clip: Andreas Schwendener

Umzug in die Kirche St. Mangen in voller Länge (38 Minuten).


«Back to the roots!» mit Zen-Meister Niklaus Brantschen  | Artikel

«Back to the roots», die Folge 24 von «Zauberklang der Dinge», verbindet die Refrains von zwei Liedern, die Peter Roth nach Gedichten von Dschallalu Din Rumi geschrieben hat. Beide giessen die tiefsten Einsichten aller Mystikerinnen und Mystiker, zu allen Zeiten, in poetische Worte und Bilder. In «This body is a rose» hören wir: Während Formen kommen und gehen, ist ihre Essenz unvergänglich, ewig! Und in «Don’t go away» sagt Rumi: Die ganze Schöpfung, alles fließt aus der gleichen Quelle – kehren wir zu ihr zurück – back to the root of the root! Barbara Balzan und Niklaus Brantschen – die junge Sängerin und der alte Zen-Meister, die Frau und der Mann – teilen ihre Gedanken zu diesen Liedern.


Bloggen Sie mit!  | Artikel

Der Kirchenbote hat neu einen Blog. Reden Sie mit, schauen Sie herein. Es warten spannende Themen auf Sie.