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Gesellschaft

Zum Tod von Hans Ruh

Dankbarkeit als Antrieb für die Ethik

04.10.2021
Er postulierte keine abstrakte Ethik, sondern setzte sich, getragen von der Botschaft der Bibel, für Benachteiligte ein. Der Sozialethiker Hans Ruh ist im Alter von 88 Jahren gestorben.

Es war an seinem 86. Geburtstag, als sich Hans Ruh auf die Zugtoilette setzte und sie von Zürich bis Bern nicht mehr verliess. Die Zürcher Bibel mit der aufgeschlagenen Bergpredigt vor sich, den Zwingli-Hut auf dem Kopf. Der emeritierte Professor protestierte gegen die Streichung der «Schmutzzulage» für das Reinigungspersonal der SBB.

«Ich habe mich eingemischt», betitelte Ruh seine Autobiographie. Im Zug nach Bern mit Erfolg. Der «Blick» begleitete seine WC-Fahrt, die SBB integrierten die Zulage von 1.45 Franken pro Stunde für die Reinigung von verschmutzten Toiletten oder die Entfernung von Sprayerreien in die Löhne des Putzpersonals und gelobten, kein Mitarbeiter bekomme weniger Lohn.

Hans Ruh wurde am 26. April 1933 im Kanton Schaffhausen geboren. Mit 30 Jahren promovierte er bei Karl Barth und arbeitete dann für die Gossner Mission in Ost-Berlin.

In Bern schrieb Ruh 1970 seine Habilitation, bevor er beim Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund das Institut für Sozialehtik leitete. 1983 wurde er als Direktor des Instituts für Sozialethik an die Universität Zürich berufen. Er postulierte eine Ethik, «die im Geiste christlicher Liebe eintritt für die Menschlichkeit und die besonders Schwachen im Blick hat», schreibt Michael Coors in seinem Nachruf. Coors leitet das Institut heute.

Das Engagement für Benachteiligte basierte bei Ruh auf einer tief im christlichen Glauben verwurzelten Dankbarkeit und Demut: «Wir dürfen lernen, dass wir auf der Erde Beschenkte sind, in dem, was wir hier erleben.» Damit begründete er im Mitarbeitermagazin «Notabene» der Zürcher Landeskirche seine Forderung nach einem Grundlohn.

Am 27. September ist Hans Ruh im Alter von 88 Jahren nach langer Krankheit gestorben.

Felix Reich, reformiert.info


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