Logo
Kirche

Schaffhausen

Visionäres Diakonieprojekt in der Stahlgiesserei

06.10.2021
In der Stahlgiesserei entsteht ein kirchlicher Begegnungsort. Das Projekt «Urbane Diakonie» läuft über sechs Jahre und startet mit einer guten Kaffeemaschine.

Dort, wo einst Tonnen Stahl gegossen wurden, entsteht Schaffhausens neuer Stadtteil, die Stahlgiesserei. Ein 300 Meter langer Stadtgarten bildet das Zentrum, umgeben von Wohnungen, Gewerbeflächen und einer Schule. Für die bis zu tausend Personen sind das gute Gründe, um an diesen Ort zu ziehen. Und ein guter Grund für die reformierte Kirche, in der Stahlgiesserei einen Ort für bedürfnisgerechte Diakonie zu schaffen.

Kein fertiges Angebot vorsetzen
Konkret mietet der Evangelisch-reformierte Stadtverband für sechs Jahre 162 Quadratmeter im neuen Quartier. «Dieser Raum soll ein Ort der Begegnung sein, in dem alle Menschen willkommen sind und sich wohlfühlen. Sie können hier bei einem Kaffee verweilen und finden ein offenes Ohr», erklärt Nicole Russenberger vom städtischen Diakoniekapitel. Was genau daraus entsteht, ist noch offen. «Wir wollen den Menschen kein fertiges Angebot überstülpen, sondern mit ihnen ins Gespräch kommen, um gemeinsam zu schauen, welches ihre Bedürfnisse sind und was sie mit uns realisieren möchten», ergänzt Miriam Gehrke, Präsidentin des neu gegründeten Trägervereins.

Durchmischtes Quartier
Im neuen Quartier leben junge Leute, Wohngemeinschaften und Paare, aber auch Senioren und Menschen aus verschiedenen Kulturen und Religionen. Auch Institutionen sind hier angesiedelt, wie zum Beispiel das Migrationsamt, das Arbeiterhilfswerk SAH, die Krebsliga, Pro Infirmis, das RAV oder die Stiftung Impuls. «Alleine können wir das Vorhaben nicht stemmen. Wir möchten uns mit den umliegenden Organisationen vernetzen, um auszuloten, wie wir Synergien sinnvoll nutzen können. Das wird ein weiterer grosser Teil unserer Arbeit vor Ort sein», so Nicole Russenberger.

Urbane Diakonie für Städte
Die Projektidee gründet in der «urbanen Diakonie», wie sie bereits in einigen Schweizer Städten praktiziert wird. «Urbane Diakonie bedeutet, dass sich die Kirchgemeinden an den vielfältigen Bedürfnissen der Städte orientieren », erklärt Christoph Sigrist, Pfarrer am Grossmünster Zürich und Präsident der Stiftung Urbane Diakonie Schweiz. Die Stiftung fördert und unterstützt diakonische Projekte im städtischen Lebensraum, nach Zürich, Bern und Genf nun auch in Schaffhausen.

Kernauftrag der Kirche
Für das Vorhaben in der Stahlgiesserei sieht Sigrist grosses Potenzial: «Der diakonische Kernauftrag einer Kirche in der Stadt ist es, den Menschen ohne Grenzen zwischen Konfessionen und Religionen in ihren jeweiligen Lebenssituationen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Mit diesem Raum mitten im Zentrum ist dafür eine gute Basis geschaffen.» Wie «Urbane Diakonie» konkret aussehen kann, zeigen Angebote aus anderen Städten wie Tauschmärkte, Nachbarschaftshilfe, Workshops, Mittagstische, Foren für neue Lebensformen und Beratungsangebote für Menschen in schwierigen Lebenslagen durch Seelsorge, Triage und Unterstützung.

Wie fast alles in der Stahlgiesserei ist der neue Begegnungsort im Mühlental von hohen Stahlträgern umgeben. «Diese massiven Bauteile wirken wie eine urbane Kathedrale», findet Miriam Gehrke, während Christoph Sigrist gar von einem «urbanen Kirchenraum» spricht.

Versuchsprojekt startet
In den kommenden Wochen wird der Raum ausgestattet: «Eine gute Kaffeemaschine ist ein erster Schritt», sagt Verbandspräsident Reto Dubach. Er befürwortet die Versuchsphase von sechs Jahren: «Man muss den Verantwortlichen Zeit geben, damit sich das Pilotprojekt entfalten kann.» Der Stadtverband unterstützt das Projekt mit jährlich 30000 Franken plus einem Investitionsbeitrag von 15 000 Franken. Der Trägerverein soll für die Deckung der Betriebskosten weitere Geldgeber ins Boot holen. Der Verbandspräsident ist überzeugt: «Das Projekt verdient eine Chance.»

Adriana Di Cesare, kirchenbote-online


KIRCHENBOTE E-PAPER

Alle Kirchenboten ab 2002 zum Lesen, Suchen und Herunterladen...

Zwischen Zebra und Löwe  | Artikel

An der St. Galler Olma kann man sich hinter einer Krippe fotografieren lassen – umgeben von exotischen Tieren. Hinter der ungewöhnlichen Aktion steckt die reformierte Kiche des Kantons St. Gallen.


«Pilger»  | Artikel

Mit dem Lied «Mariam Matrem», vorgetragen vom «Pilgerprojektchor Inscriptum», erleben wir in diesem kurzen Trailer die «Pilger» des Künstler Johann Kralewski, wie sie in der Offenen Kirche St.Gallen auf das Graffiti «des offenen Himmels» von Stefan Tschirren blicken und sich in die Kirche St.Mangen bewegen - am 24.9.2021. Leitung des Projektchors: Walter Raschle. Clip: Andreas Schwendener

Umzug in die Kirche St. Mangen in voller Länge (38 Minuten).


«Back to the roots!» mit Zen-Meister Niklaus Brantschen  | Artikel

«Back to the roots», die Folge 24 von «Zauberklang der Dinge», verbindet die Refrains von zwei Liedern, die Peter Roth nach Gedichten von Dschallalu Din Rumi geschrieben hat. Beide giessen die tiefsten Einsichten aller Mystikerinnen und Mystiker, zu allen Zeiten, in poetische Worte und Bilder. In «This body is a rose» hören wir: Während Formen kommen und gehen, ist ihre Essenz unvergänglich, ewig! Und in «Don’t go away» sagt Rumi: Die ganze Schöpfung, alles fließt aus der gleichen Quelle – kehren wir zu ihr zurück – back to the root of the root! Barbara Balzan und Niklaus Brantschen – die junge Sängerin und der alte Zen-Meister, die Frau und der Mann – teilen ihre Gedanken zu diesen Liedern.


Bloggen Sie mit!  | Artikel

Der Kirchenbote hat neu einen Blog. Reden Sie mit, schauen Sie herein. Es warten spannende Themen auf Sie.