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Leben & Glauben

Die ökumenische Kampagne in die Praxis umgesetzt

Von der Bitzi in den b'treff

23.02.2016
BÜTSCHWIL SG. Sylvia Suter leitet seit seiner Eröffnung im Jahr 2012 den b’treff Bütschwil. Institutionen dieser Art sind ihr nicht fremd.

«Ich war immer im sozialen Bereich tätig», sagt die gelernte Pflegefachfrau für Psychiatrie. In ihrem Berufsleben begegnete sie nicht nur Menschen mit einer geistigen Behinderung, Lernschwäche oder körperlicher Beeinträchtigung, sondern auch solchen mit einer kriminellen Vergangenheit wie in der Massnahmenvollzugsanstalt «Bitzi» in Mosnang.

Angekommen

Hier, im b’treff Bütschwil scheint die 55-Jährige angekommen zu sein. Der Weg dahin führte über den Ganterschwiler Pfarreirat, in dem sie ehrenamtlich tätig war. Mit ihm hatte sie den b’treff in Flawil besucht und war begeistert von der Idee. Sie wollte und konnte darauf vieles von den Untertoggenburgern – die für die Umsetzung eine wichtige Starthilfe und Vorbild waren – kopieren. Der Gedanke der Diakonie wuchs. Kurz darauf sass Sylvia Suter wieder in einer Weiterbildung. «In der Diakonieanimation CAS an der FHS St.Gallen, die zu­sammen mit den Kirchen angeboten wird, hab’ ich viel über die Freiwilligenarbeit gelernt», schwärmt die Stellenleiterin und greift zu ihrer Abschlussarbeit, einem grossen, gelben Album mit dem Titel «Meine Heimat, deine Heimat». 

Meine Heimat, deine Heimat

Darin berichten Besucherinnen und Besucher des b’treffs Bütschwil, aber auch die Freiwilligen selbst, über ihre Heimat, ihr Lieblingsessen, ihre Freuden und Hoffnungen. «Auch heute versuchen wir, den Anfang leicht zu machen, uns nicht auf die schweren Geschichten zu fixieren. Erzählen die Menschen – in einer sehr bildstarken Sprache – von ihrer Heimat, der Landschaft, dem klaren Wasser, dann kommen plötzlich andere Züge zum Vorschein.»

Politische Unterstützung

Doch jeder Anfang ist einmal zu Ende. Für viele sei es sehr zermürbend, dass sie nicht arbeiten dürfen. Die Werkgruppe und ein kleineres Arbeitsprojekt, so, wie es auch im zürcherischen Seebach praktiziert wird, in dem kleinere Aufgaben fürs Bauamt oder die Kirchgemeinden erledigt werden, sollen über diese Tiefs hinweghelfen. Die wenigen Franken, das Zusammensein, die Pausen und vor allem der Austausch sind es, die das Selbstwertgefühl der Frauen und Männer heben. «Wir sind in der glücklichen Lage, dass unsere Institution nicht nur von den Kirchen getragen ist. Die ­politischen Gemeinden Mosnang und Bütsch­wil-Ganterschwil übernehmen ebenfalls Verantwortung», sagt Sylvia Suter. Sie selbst lasse sich oft von Bildern, wie jenes von Jesus in der Krippe als hilfsloses kleines Kind, leiten. «Für mich ist es ein Anliegen, dass wir diese Bilder umsetzen, den Schwachen helfen. Dies ist für mich gelebte Kirche. Im Zusammenleben mit andern nimmt sie so Gestalt an. Diese kleinen, aber wirksamen Veränderungen faszinieren mich und setzen einen Kontrapunkt zu einer oft ­egoistischen Welt.

Text und Bild: Katharina Meier, Kirchenbote SG, Februar 2016

Austausch auf Augenhöhe

Die Schalterhalle ist der Kleiderladen, das Vorstandsbüro das Café: Der alte Bahnhof Bütschwil ist neu als b’treff ein etablierter Begegnungsort. Doch nicht nur das.

Frau Suter, wem steht der b’treff offen?

Selbstverständlich allen. Besucht wird er aber in der Regel von vielen älteren Schweizerinnen und wenigen Schweizern, jüngeren Leuten, die häufig als «Randständige» bezeichnet werden, sowie von Flüchtlingen und Asylbewerbern, meist jungen Männern aus Afghanistan, Eritrea, Syrien, dem Iran und Irak. 

Der b’treff bietet ein vielseitiges Angebot.

Ja, einmal die Woche werden Lebensmittel abgegeben. Auch stellen wir gebrauchte Kleider zur Verfügung, welche die Bevölkerung gerne vorbeibringt. Wir helfen aber auch bei Bewerbungen, bauen an einer Arbeitsstruktur, führen Werktage für Frauen und Männer durch, gehen mit dem Handgefertigten wie Karten, Konfitüren oder Kerzen auf Märkte, und wir sind da und hören zu, sind im Gespräch. 

Was bedeutet für Sie Verantwortung tragen?

Sie beinhaltet für mich Hilfe und Fürsorge, damit es den Menschen in der näheren und weiteren Umgebung gut geht, und sie soll nicht bei der eigenen Familie enden, sondern Kreise ziehen. Ein respekt- und würdevoller Umgang mit den Leuten respektive ihrer Kultur, Religion, schlicht der Persönlichkeit, gehören dazu. Dies gilt im Übrigen auch für die Kleinsten. 

Wird dabei die religiöse Moralkeule geschwungen?

Im Gegenteil, wir wollen ausdrücklich nicht missionieren und halten die Gemeinsamkeiten und den menschlichen Umgang hoch. Es ist nicht an uns, zu entscheiden, was richtig ist. Religion ist im Übrigen oft gar kein Thema. 

Stärken Sie mit dem b’treff die Gerechtigkeit?

Ja, vor allem mit dem Hol- und Bringmarkt mit Secondhandkleidern: Die, die zu viel haben, geben es denen, die zu wenig haben. Gleich verhält es sich bei der Lebensmittelabgabe. Und im Alltag versuchen wir, uns – auch im Team selbst – auf Augenhöhe zu begegnen, denn wir wollen nicht «von oben herab» mit unserem Gegenüber reden. 

www.buetschwil-ganterschwil.ch – «Soziales»


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