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«Sehen und handeln»: Regionale Vertragslandwirtschaft als Beispiel für einen sinnvollen Beitrag im Alltag

Biogemüse aus der Region im Teller

23.02.2016
ST.GALLEN. Brot für alle setzt sich dafür ein, dass in der Schweiz der Konsum saisonaler, regionaler und fair produzierter Nahrungsmittel gestärkt wird. Diesem Anliegen widmet sich auch die regionale Vertragslandwirtschaft. Lokale Biobauern liefern jede Woche eine Tasche voller Früchte und Gemüse in Bioqualität. Dafür erhalten sie einen fairen Preis, Abnahmegarantie und Vertragssicherheit.

Wir sind es gewohnt, alles jederzeit kaufen zu können. Spargel, Rucola, Kefen, Avocados,
Ananas, Erdbeeren und Co. sind zu allen Jahreszeiten erhältlich. Die weiten Lebensmittel-
transporte aber belasten das Klima, und gerade bei exotischen Produkten sind die Umwelt- und Arbeitsbedingungen oft sehr schlecht.
Will man der sozialen und nachhaltigen Verant­wortung nachkommen, muss man regionale Lebensmittel kaufen. Noch besser: regionale und saisonale Produkte, denn auch heimische Lagerung in Kühlhäusern verbraucht Energie und belastet die Umwelt.

Mit fairen Löhnen produziert

Wer darauf achtet, welche Nahrungsmittel auf dem Teller landen, leistet einen Beitrag daran, im Alltag Verantwortung zu tragen und Gerechtigkeit zu stärken. In den Städten und Regionen gibt es mitlerweile verschiedene Möglichkeiten, den Absatz saisonaler, regionaler und fair produzierter Nahrungsmittel einfach und unkompliziert zu unterstützen. Ein Beispiel dafür ist Regioterre. Der Verein bietet direkten Zugang zu landwirtschaftlichen Produkten. Konsumentinnen und Konsumenten haben die Möglichkeit, wöchentlich in einem der Depots in der Stadt St.Gallen eine Tasche abzuholen. Gefüllt ist sie mit Gemüse, Obst und anderen Lebensmitteln, die Bauernhöfe in der Region produziert haben.

Der Inhalt ist biologisch und mit fairen Löhnen entstanden. Je nachdem, wie gross der Haushalt und Hunger auf Gemüse ist, kann man aus drei verschiedenen Taschengrössen auswählen. Die Lebensmitteltasche bezieht man im Jahres­abonnement. Bezahlt wird vierteljährlich im Voraus, was den Bauernfamilien Planungs­sicherheit und Abnahmegarantie gibt. 

Mitbestimmung gewährleistet

Das alternative regionale Vertriebssystem für landwirtschaftliche Produkte wurde von einer Gruppe engagierter junger Leute vor rund vier Jahren ins Leben gerufen. Dabei orientierte sie sich an einem Weg, der in der Westschweiz seit über zwanzig Jahren verbreitet ist und auch in Deutschschweizer Städten wie Bern, Basel und Zürich bereits Nachahmer gefunden hat.

Das Konzept heisst regionale Vertragslandwirtschaft und will die Bevölkerung auf der Basis von Verträgen zwischen Konsumenten und Produzenten mit regional produzierten Nahrungsmitteln versorgen. Im Vertrag werden Qualität, Menge, Produktionstechnik, Preise und Liefermodalitäten geregelt. Pflicht sind umweltfreundliche Produktionstechniken, die Einhaltung der Richtlinien des biologischen Landbaus, der Verzicht auf Gentechnik, die Reduk-
tion des Verpackungsmaterials, die Schaffung und der Erhalt von Arbeitsplätzen in der regionalen Landwirtschaft sowie Preise, die die Produktionskosten decken.

In der Zwischenzeit produzieren fünf Betriebe für Regioterre. «Unsere Produzentinnen und Produzenten sind wie unsere Kundschaft Teil des Vereins. Sie sind durch zwei Mitglieder im Vorstand vertreten und haben so an der Entwicklung und Ausrichtung von Regioterre teil», betont Co-Präsident Daniel Zuberbühler.

BEWO packt das Gemüse ab

Das frische Gemüse wird im BeWo (Betreutes Wohnen) in St.Gallen in die Taschen gepackt und danach an fünf verschiedene Depots verteilt. Dort können die Konsumentinnen und Konsumenten ihre Tasche jeweils am Dienstag abholen. Mehr dazu: www.regioterre.sg

 

Text: Claudia Schmid, St.Gallen | Bilder: Timon Furrer/zVg – Kirchenbote SG, Februar 2016

 

 


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