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Politik

Aus ethischer, theologischer und entwicklungspolitischer Sicht unterstützt Brot für alle die Konzernverantwortungsinitiative

«Die Würde des Menschen geht vor»

24.02.2016
Viele Kirchgemeinden und Pfarreien sammeln an ihren Aktionen zur Ökumenischen Kampagne 2016 Unterschriften für die Konzernverantwortungsinitiative. Was steckt hinter dem Volksbegehren und warum macht sich Brot für alle für die Einhaltung der Menschenrechte durch Firmen mit Sitz in der Schweiz stark?

«Konzerne mit Sitz in der Schweiz stehen immer wieder negativ in den Schlagzeilen: In ihren internationalen Tätigkeiten verletzen sie allzu häufig Menschenrechte und Umweltstandards. Kinderarbeit auf Kakaoplantagen, unmenschliche Arbeitsbedingungen in Textilfabriken, Umweltverschmutzung beim Rohstoffabbau – solchen unethischen Geschäftspraktiken muss ein Riegel geschoben werden», begründen Brot für alle und Fastenopfer ihre Unterstützung der Konzernverantwortungsinitiative.

Das Evangelium nicht verraten

Der Mensch sei ein Abbild Gottes, betonen die beiden kirchlichen Werke. Deshalb setzten sie sich besonders für die Menschenrechte ein und erfüllten damit einen Teil des Auftrages der Kirche. «Wir können uns angesichts von Menschenrechtsverletzungen gar nicht davon- stehlen, ohne das Evangelium zu verraten.» Häufig fehle beim Wirtschaften auch der sorgfältige Umgang mit den natürlichen Grundlagen des Lebens. Beim Abbau von Rohstoffen zum Beispiel würden Umweltstandards verletzt. «Die Betroffenen leiden unter verschmutztem Wasser oder vergifteten Böden. Ihr Menschenrecht auf Nahrung wird beeinträchtigt. Im Schöpfungsbericht überträgt Gott seine Erde den Menschen zur Verwaltung, daraus entsteht Verantwortung.»

Die Sorgfaltspflicht wahren

Die Konzernverantwortungsinitiative fordert ­eine gesetzlich verankerte Sorgfaltspflicht von transnationalen Unternehmen. «Vorausschauend, eben mit Sorgfalt, sollen sie bei der Planung und Umsetzung ihrer Tätigkeiten dafür sorgen, dass keine Menschenrechte verletzt werden», schreibt Brot für alle. Das Gleiche gelte für die international anerkannten Mindeststandards zum Schutz der Umwelt. Diese Sorgfaltspflicht solle, wie beispielsweise die sorgfältige Buchführung, im Gesetz festgeschrieben werden. Nur so müssten sich alle Firmen daran halten. Verbindliche Regeln würden auch ungerechte Wettbewerbsvorteile für «schwarze Schafe» unter den Unternehmen vermeiden. «Wer bewusst oder fahrlässig Menschenrechte verletzt, soll nicht noch wirtschaftlichen Profit davon haben.»

Freiheit und Verantwortung

Auch für die Schweiz als Wirtschaftsstandort sei eine klare Vorgabe für alle transnational tätigen Unternehmen von Vorteil. So verbinde die Initiative wirtschaftliche Freiheit mit der dazu- gehörigen Verantwortung. Das politische Engagement entspreche dem Motto der Ökumenischen Kampagne 2016: Verantwortung tragen – Gerechtigkeit stärken. «Aus ethischer, theologischer und entwicklungspolitischer Sicht unterstützen Fastenopfer und Brot für alle darum die Konzernverantwortungsinitiative.» 

Texte: Brot für alle/cs | Foto: zVg,  Kirchenbote SG, Februar 2016

Von 76 Organisationen getragen

Die Konzernverantwortungsinitiative wird von einem breiten Verein getragen. Er besteht aus 76 Hilfswerken, Frauen-, Menschenrechts- und Umweltorganisationen, kirchlichen und gewerkschaftlichen Ver­einigungen sowie Aktionärsverbänden.

Kern der Initiative ist die Sorgfaltsprüfungspflicht. Die Formulierung im Initiativtext bezieht sich direkt auf die «menschenrechtliche Sorgfaltsprüfung» (Human Rights Due Diligence) in den UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, die vom UNO-Menschenrechtsrat 2011 einstimmig angenommen wurden und gegenwärtig weltweit umgesetzt werden


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