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Kirche

Konflikt

Es rumort in der Nidwaldner Kirche

01.12.2021
Seit der Kündigung des «Kirchen-News»-Redaktors rumpelt es bei den Nidwalder Reformierten. Das geht jetzt weiter mit der Ablehnung des Budgets und dem Rücktritt eines Pfarrers.

Drei Wochen vor der Herbst-Kirchgemeindeversammlung der reformierten Kirche Nidwalden stand in der «Nidwaldner Zeitung»: «Nicht publizierte Meinungsbeiträge in den ,Kirchen-News’: Streit geht in die nächste Runde.» Der Artikel berichtete, dass der frühere Redaktor der «Kirchen-News» Thomas Vaszary, vor Gericht eine Entschädigung erwirken will.

Ein Jahr zuvor, im November 2020, wurde er entlassen, weil er entgegen der Weisung des Kirchenrats kontradiktorische Positionen zur Konzernverantwortungsinitiative veröffentlichen wollte. Das Duell war mehr als ausgeglichen: Christoph Mäder, reformiertes Kirchenmitglied und seines Zeichen auch Präsident von Economiesuisse, und Katharina Boerlin von der kirchlichen Plattform «Kirche für Konzernverantwortung» sollten streiten. Zum Schluss wurde die bereits gedruckte Ausgabe eingestampft – «reformiert.» berichtete.

Prozess um 60'000 Franken
Der schwelende Konflikt wurde indes vom Kirchenrat seit einem Jahr unter den Teppich gekehrt. Nie ein Rückkommen auf den Fall in der Kirchen-News, die von nun an strikt der Doktrin «No politics» folgte. Und erst recht sollte nicht der anstehende Prozess, in dem es um 60'000 Franken Entschädigung für den entlassenen Redaktor geht, auf die Traktandenliste gesetzt werden.

Aber der Kirchenrat hatte die Rechnung ohne seine engagierten Kirchenmitglieder gemacht. Zuhauf, wie selten zuvor, strömten sie zur Versammlung am 29. November nach Stansstad. Schlangen bildeten sich bei der Ausweiskontrolle am Eingang. Dann kam der Paukenschlag bereits beim ersten Traktandum, bei der Abnahme des Budgets 2022.

Plötzlich spielte der Fall Thomas Vaszary eine Rolle bei der Begründung des Zurückweisungsantrags des Budgets. Erst wenn Prozesskosten und Entschädigung feststünden, sollte das Budget den Segen der Mitglieder erhalten. Mit grosser Mehrheit folgten die Anwesenden dem Antrag. So wird bis zur nächsten ausserordentlichen Versammlung Ende Januar oder Anfang Februar ein budgetloser Zustand vorherrschen. Kirchenratspräsident Wolfgang Gaede schien überrumpelt zu sein und setzte kaum zur Gegenwehr an.

Verklausulierte Abwahlempfehlung
Ein schon im Vorfeld kontrovers diskutiertes Thema waren die anstehenden Bestätigungswahlen für die beiden Pfarrpersonen Silke Petermann-Gysin und Dominik Flüeler. Etwas kryptisch und knapp wurde deren Wahl in den «Kirchen-News» mit zwei Sätzen angekündigt: «Vorgängig hat es für beide Personen keine Wahlempfehlung aus dem Gemeindekreis Stans beziehungsweise der Kirchenpflege Stans gegeben.» 

Viele Kirchenmitglieder interpretierten diese Ankündigung als ein Misstrauensvotum gegen die beiden Pfarrpersonen. Später wurde noch ein Brief nachgereicht, in dem der Kirchenrat sein Vertrauen für Silke Petermann aussprach. Anders beim Stansstader Seelsorger. Da hiess es: «Der Kirchenrat verzichtet auf die Abgabe einer Wahlempfehlung für Pfarrer Dominik Flüeler.»  Bei der Versammlung intervenierte denn auch Karl Grunder aus Stans, dass die Kirchenpflege des Gemeindekreises nicht konsultiert wurde.

Verklausulierte Abwahlempfehlung
Hier entgegnete der Kirchenratspräsident Wolfgang Gaede, dass dies die Aufgaben der untergeordneten Behörden sei. Deshalb habe man den Verzicht auf Wahlempfehlung kommuniziert. Gegenüber «reformiert.» führt er weiter aus: «Hier sind die Verantwortlichen den in den Reglementen festgehaltenen Verpflichtungen nicht nachgekommen.»

Die Wortgefechte rund um die Bestätigungswahlen waren indes wenig zielführend. Denn die verklausulierte Abwahlempfehlung des Kirchenrats hatte dazu beigetragen, dass Pfarrer Dominik Flüeler seinen Rücktritt gab.

Damit sind drei kirchliche Angestellte innerhalb eines Jahres aus der kleinen reformierten Nidwaldner Diaspora-Kirche mit seinen 4800 Mitglieder ausgeschieden. Neben dem Redaktor der «Kirchen-News» und Pfarrer Dominik Flüeler ging auch, wie Kirchen-Insider munkeln, der Jugenddiakon Marcel Dreyer in Unfrieden.

Pfarrwahl bald abgeschafft?
Den Schlusspunkt der für Nidwaldner Verhältnisse debattenfreudigen Versammlung bildete das Langzeit-Projekt Strukturreform. Ähnlich wie das seit zwei Jahren im Kanton Luzern etablierte Modell soll künftig die Wahl der Pfarrer in der Obliegenheit des Kirchenrats liegen. Sprich: Die demokratische Direktwahl durch alle Mitglieder soll abgeschafft werden.

Vor allem der frühere Kirchenrat Niels Fischer formulierte Kritik daran. Dessen Oppositionshaltung überraschte wiederum den Kirchenratspräsidenten. Gegenüber «reformiert.» kritisierte Gaede, dass Niels Fischer als langjähriger Präsident der Kirchenpflege Hergiswil «in alle Themen die Strukturreform betreffend involviert» war. Für Fischer zielt dieser Vorwurf ins Leere. Erst im Juni habe er Gaede nochmals auf die Problematik der Pfarrwahl durch den Kirchenrat aufmerksam gemacht. «Mein Hauptpunkt ist aber, dass bisher keine breite Vernehmlassung in der gesamten Kirchgemeinde durchgeführt wurde», sagt er gegenüber «reformiert.».

Die Fortsetzung der Diskussion um Budget und Strukturreform bei der ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung Anfang 2022 wird zeigen, ob der Kirchenrat das verlorene Vertrauen seiner Mitglieder wieder zurückgewinnen kann.

Delf Bucher, reformiert.info


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