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Leben & Glauben

Junges Herzblut für die Kirche

03.01.2022
Auch Menschen unter vierzig engagieren sich für die Kirche. Dies zeigt die Wahl von Monika Lay in den Kirchenstand Buchthalen.

«35 Jahre ist ein gutes Alter!» Monika Lay sitzt im Gemeindezentrum der Kirchgemeinde Schaffhausen-Buchthalen und lässt ihr mitreissendes Lachen verlauten. Sie ist gekommen, um zu erzählen, was sie antreibt, als jüngstes Mitglied im Kirchenstand mitzuarbeiten.

Sie ist 35 Jahre alt. Oder vielmehr 35 Jahre jung, im aktuellen Kontext betrachtet. Denn im Schnitt sind Mitglieder eines Kirchenstandes deutlich älter. Warum möchte sie sich dennoch in dieser Behörde engagieren? «Mit 35 hat man schon eine gewisse Entwicklung hinter sich und betrachtet die Dinge anders», sagt sie. «Ich habe in Zürich Geschichte studiert und wollte im Anschluss erst einmal Geld verdienen. Heute stehe ich an einem anderen Punkt im Leben. Ich möchte mich in die Gesellschaft einbringen und etwas zu einem guten Zusammenleben beitragen.»

Monika Lay ist in Schaffhausen geboren und im Breite-Quartier aufgewachsen. Sie entwickelte schon früh einen engen Bezug zu Buchthalen, weil sie oft ihre Grosseltern besuchte, die an der Brünigstrasse wohnten. Nach der Schulzeit studierte sie in Zürich Geschichte, deutsche Literaturwissenschaften und Archäologie. Erste Berufserfahrungen sammelte sie in Berner und Zürcher Museen, bevor sie vor fünf Jahren nach Schaffhausen zurückkehrte, um als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Stadtarchiv zu arbeiten. Seit einigen Monaten wohnt sie in Buchthalen und fühlt sich hier heimisch: «Trotz Lockdown-Phasen lernte ich beim Einkaufen, im Bus oder bei einem Spaziergang neue Nachbarn kennen und führte tolle Gespräche.»

Am selben Strick ziehen
Zu ihrem Amt im Kirchenstand kam die Schaffhauserin unvermutet. Sie war neu in das Quartier gezogen, als sie von der Kirchgemeinde die Einladung zum Neujahrsapéro erhielt. «Zuerst wollte ich nicht teilnehmen, weil ich niemanden kannte. Doch meine Mutter bot an, mich zu begleiten, also fasste ich mir ein Herz und ging hin.» Kurz nach diesem Anlass klopfte die Präsidentin der Kirchgemeinde für ein gemeinsames Mittagessen an: «Ich vermutete, dass sie mich für einen Dienst anfragen wollte, aber ein Amt im Kirchenstand hätte ich mir nicht träumen lassen.» Damals wusste die junge Frau noch nicht, was ein Kirchenstand so alles macht: «Ich hatte ein gewichtiges Gremium mit theologischen Diskussionen erwartet und war überrascht, dass man sich da recht pragmatisch um das alltägliche Gemeindeleben kümmert.» Als Schnuppergast sammelte sie erste Eindrücke an den Sitzungen: «Mir hat der Umgang miteinander gefallen. Und auch, dass hier verschiedene Leute am selben Strick ziehen, um etwas Gutes zu schaffen.»

Bei Gleichaltrigen stösst die blonde Frau mit den warmen, dunklen Augen manchmal auf Unverständnis: «Sie fragen mich, warum ich mich in der Kirche engagiere, ob ich denn so stark religiös sei.» Das sei eine gute Frage. «Die Religiosität verändert sich mit dem Leben», sagt Lay schliesslich und erzählt, dass sie als Kind an einen Gott geglaubt hat, der macht, dass alles gut wird. «Mit dem Älterwerden habe ich erfahren, dass Gott auch Schmerzhaftes zulässt. Ich glaube aber, dass die Religion helfen kann, damit umzugehen, in dem man innerhalb einer Gemeinschaft Trost und Unterstützung findet.»

Kirche ist lebendig
Damit stossen wir auf den Kern dessen, was für Monika Lay Kirche ausmacht: «Mit Menschen auf eine gute Weise zusammenzusein, sich zugehörig zu fühlen. Sei es in einem Gottesdienst, bei einem Gemeindeanlass oder eben im Kirchenstand.» Das Merkmal einer Kirchgemeinde sei, dass sie alle willkommen heisst. «Ich mache die Erfahrung, dass ich hier sein darf, wie ich bin.» Die passiven Gemeindemitglieder liegen der Archivarin besonders am Herzen: «Als Kirchenstandsmitglied will ich versuchen, jenen eine Stimme zu geben, die nicht für sich selber sprechen und sich im Hintergrund halten.»

Bei der Frage, was sie in ihrem Amt bewegen möchte, leuchten ihre Augen: «Es wäre toll, wenn sich mehr jüngere Leute in den Kirchenständen engagieren würden. Viele haben ein unattraktives Bild von der Kirche, obwohl sie gar nie eine Gemeinde besucht haben. Ich möchte mithelfen, solche Vorurteile abzubauen.» Monika Lay tut das, indem sie erzählt, wie sie die Kirche erlebt: «Auf Beerdigungen folgen Taufen, nach Taufen Hochzeiten. Die Kirche ist nicht einfach ein Gottesdienst am Sonntag. Sie begleitet den Fluss des Lebens auf lebendige Weise. Das empfinde ich als etwas sehr Schönes.»

Adriana Di Cesare


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