Logo
Kirche

Geordnetes Läuten

22.11.2022
Wann läuten welche Glocken? Bea Känel, Mesmerin der Kirche St. Laurenzen, erklärt die Läutordnung der Kirchgemeinde St. Gallen C und was die Glockenklänge ihr persönlich bedeuten.

Glockenklänge waren für Bea Känel schon immer etwas Schönes und Emotionales. Sei es an der Viehschau in St. Georgen, ihrem früheren Wohnort, oder an ihrem Arbeitsort, in der Kirche St. Laurenzen in St. Gallen. Dort ist Känel seit 19 Jahren Mesmerin und somit verantwortlich für die fünf Glocken, die die Altstadtgassen im Vollgeläut mit einem reinharmonischen G-Dur-Akkord in feierliche Stimmung tauchen.

So gern sie die Glockenklänge hat, Bea Känel darf den Läut-Computer natürlich nicht nach Belieben bedienen. Wann welche Glocken wie lange erklingen dürfen, ist in der Läutordnung der Kirchgemeinde St. Gallen C geregelt. In diesem Dokument, das von der Kirchenvorsteherschaft erlassen wird, ist im Detail aufgelistet, zu welchen Anlässen wie geläutet wird.

So kann auch das Klangbild dem Anlass angepasst werden – manchmal voll und kräftig, manchmal fein und leicht. Sonntagmorgengottesdienste werden in der Laurenzenkirche mit Vollgeläut eingeläutet. Dieses kommt zudem beim Einläuten an Vorabenden von Sonn- und Festtagen, bei der Bundesfeier um 20 Uhr oder an Silvester und Neujahr von 23.45 bis 23.58 Uhr bzw. von 0 bis 0.15 Uhr zum Einsatz.

Fünf Glocken – knapp zwölf Tonnen
«Gerade das Silvester- und Neujahrsläuten ist für mich immer ein wichtiger Moment», erklärt Mesmerin Bea Känel. «Dann kann ich mich nochmals an die schönen, aber auch an die weniger schönen Dinge des vergangenen Jahres erinnern und aufs neue Jahr blicken.»

 

Blieb das sogenannte Schrenzen aus, stieg ein kleiner Trupp auf den Turm, um zu sehen, ob der Wächter eingeschlafen war.

 

Ein- und ausgeläutet werden ausserdem die Versammlungen der Kirchgemeinde und der Ortsbürgergemeinde. Für den Kantonsrat gibt es zu Beginn jeder Legislatur ein Vereidigungsläuten. Ausserordentliche Anlässe wie etwa das Friedensläuten nach dem Zweiten Weltkrieg oder, aktueller, das schweizweite Läuten für die Opfer der Coronapandemie oder diesen Frühling für die Opfer des Kriegs in der Ukraine bewilligt die Kirchenvorsteherschaft kurzfristig.

Das Ausläuten wird stets per Knopfdruck ausgelöst. Nach den Gottesdiensten oder nach Abdankungen erklingt jeweils nur die grösste Glocke mit ihrem warmen, tiefen G. Nach Trauungen und Konzerten mit Gottesdienstcharakter schwingt hingegen die zweittiefste Glocke, ein tiefes H. Konzerte ohne Gottesdienstcharakter werden nicht ausgeläutet. Nach Palmsonntags- und Weihnachtskonzerten kommt wiederum nur die tiefste und schwerste Glocke zum Zug. Wenn diese alleine pendelt, machen sich die knapp 6 Tonnen Bronzelegierung am stärksten bemerkbar. Dann schwingt der ganze Kirchturm mit, die Turmspitze bewegt sich zehn Zentimeter hin und her. Beim Vollgeläut tarieren die vier übrigen Glocken, die zusammen nochmals etwa 5500 Kilogramm auf die Waage bringen, dieses Turmpendeln etwas aus.

Laurenzen als Wachturm
In jedem Fall ist es nicht ratsam, während des Geläuts den Turm zu besteigen – zumindest nicht ohne guten Gehörschutz. Der Glockenstuhl wurde nicht eingerichtet, um dem erhabenen Klang aus nächster Nähe zu lauschen, sondern um in der ganzen Stadt gehört zu werden. Nach dem grossen Brand 1215 richteten die Stadtbürger auf dem Laurenzenturm den städtischen Wachturm ein. Nach der Reformation musste der Turmwächter nicht nur bei Gefahr, sondern nachts zu jeder vollen Stunde die Trompete blasen, und zwar nach der Anzahl der Stundenschläge. Blieb dieses sogenannte Schrenzen aus, stieg ein kleiner Trupp auf den Turm, um zu sehen, ob der Wächter – trotz regelmässiger Glockenschläge – eingeschlafen war.

Heute hat der Laurenzenturm keine städtischen Sicherheitsfunktionen mehr. Die Turmuhr ist ferngesteuert und liegt weiterhin in der Zuständigkeit der Stadt. Das Geläut gehört der Kirche. Bea Känel steuert und programmiert den Läut-Computer. Sie kann rasch reagieren, wenn zum Beispiel aufgrund einer elektronischen Panne die Glocke nicht mehr aufhört zu schlagen. Solches ist während ihrer Zeit als Laurenzen-Mesmerin aber zum Glück erst einmal passiert.

Text | Fotos: Roman Hertler, Journalist, St. Gallen – Kirchenbote SG, Dezember 2022


Von roundabout SG-APP (Rahel Schwarz) erfasst am 14.09 2018 11:50

Danke!

Vielen Dank für die Veröffentlichung des Artikels. Wir freuen uns über jedes interessierte Mädchen, über neue Partnerorganisationen oder Workshop-Anfragen. Freundliche Grüsse Rahel Schwarz kantonale Leiterin roundabout SG-APP

Von Anja Knöpfli erfasst am 20.11 2021 20:59

Taufbestätigung

Die Kantonalkirche ist Teil der Evangelisch-Reformierten Kirche Schweiz (Abgekürzt EKS). Diese empfiehlt allen Kantonalkirchen die Taufbestätigung oder Taufferinnerung zu feiern (Kap. 4.4 in der eigenen EKS Broschüre Tsufe in evangelischer Perspektive). Es ist eine Amtshandlung sogar in der Evangelischen Landeskirche Thurgau. https://eks.marc.beta.cubetech.ch/wp-content/uploads/2019/11/biblische_aspekte_taufe_de.pdf Leider wurde mir aber die Taufbestätigung schon verweigert n der Kantonalkirche St.Gallen von einem Pfarrer dieser, da ich Bisexuell bin und es wurde kein Stellvertreter organisiert! Leider hast du anders als im Thurgau kein Recht darauf, da es nicht in der Kirchenordnung von St.Gallen vorkommt! Wer Taufbestätigung auch kennt ist die überregionale Metal Church!

Kommentar erstellen
Error loading Partial View script (file: ~/App_Plugins/MultiMostRead/Views/MacroPartials/IncrementView.cshtml)
KIRCHENBOTE E-PAPER

Alle Kirchenboten ab 2002 zum Lesen, Suchen und Herunterladen...

Stören Sie die Kirchenglocken?  | Artikel

Heiliger Bimbam! Früher mussten Kirchenglocken «tschäddere» und möglichst laut tönen. Heute ist ein leiserer Klang angesagt, denn manche
stören sich am Kirchengeläut. Wie haben Sie mit dem Glockenklang?   Diskutieren Sie mit!


Das heilige T-Shirt  | Artikel

Die Evang.-ref. Kirche des Kantons St. Gallen war an der Olma. Mit einem Pop-up-Laden. Wie wir unseren Glauben ausdrücken, sei ebenso vielfältig wie die Auswahl an T-Shirts am Stand der Kantonalkirche, sagt Daniel Schmid Holz im seinem Beitrag zu "Gedanken zur Zeit".


Der Berg ist gekommen – Missa di Bondo  | Artikel

Am 23. August 2017 ereignete sich im Graubündener Dorf Bondo ein großer Bergsturz. Peter Roth fährt seit 33 Jahren mit seinem Chorprojekt in diesen Ort. In diesem Jahr hat er das Konzert im Rahmen der Bergeller Singwoche 2022 der Erinnerung an die Katastrophe am Monte Cengalo gewidmet, die acht Menschenleben forderte und zu Zerstörungen und Evakuierungen führte. Begleitet von den Klängen der «Missa di Bondo», erzählen die damalige Gemeindepräsidentin Anna Giacometti und Gian Andrea Walther aus Promontogno, wie sie diesen Tag und die Zeit danach erlebt haben.