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Kirche

Nachgefragt

«Ich will nah bei den Leuten und ihrem Alltag sein»

06.12.2022
Von der Grossstadt ins Grosstal: Seit August ist Manja Pietzcker amtierende Pfarrerin für das Grosstal. Ein deutlicher, aber für sie sehr schöner Unterschied zu ihrer vorherigen Tätigkeit in Dresden. Mit Nationalfeiertag, Alpabfahrt und Chilbi konnte sie bereits einen tiefen Einblick in Tradition und Brauchtum in Glarus Süd gewinnen.

Von Jürg Huber, Glarus

Viele «konventionelle» Gottesdienste hätte sie bisher noch nicht abhalten können, erklärte Pfarrerin Manja Pietzcker zu ihrem Start in ihrer neuen Gemeinde Glarus Süd. Bereits den Auftakt machte der Nationalfeiertag und anschliessend viele ökumenische Andachten, so auch an der Chilbi in Luchsingen. «Gerade hier hatte ich viele Möglichkeiten, die Bewohner und ihre Gebräuche kennenzulernen.» Dies sehe sie als zentrales Thema für ihre neue Aufgabe an. «Ich will die Leute in ihrem Alltag kennenlernen.» So habe sie auch nicht lange gezögert, als sie gefragt wurde an einer Alpabfahrt teilzunehmen.  Allgemein sei sie sehr offen und freundlich von Glarnerinnen und Glarnern aufgenommen worden. «Etwas, das ich aus Dresden, aber auch aus anderen Orten in der Schweiz in diesem Umfang nicht gewohnt war.» Gerade in der aktuellen Zeit mit dem Krieg in der Ukraine habe sie einen deutlichen Unterschied erlebt. Vielleicht auch wegen der Vergangenheit mit Russland hätten die Dresdner mehr mit Existenzängsten zu kämpfen, «Die Glarner erlebe ich da mehr im Einklang mit der Natur. Sie können, bei allen Unsicherheiten, schon für sich und ihre Nächsten sorgen.» Die nahe Natur in Glarus Süd habe die Mutter von zwei erwachsenen Kindern bei der Suche nach einer neuen Gemeinde sehr begeistert. «Mein Mann wollte in seiner Arbeit als Psychologe einige laufende Projekte in der Schweiz vertiefen. Aus diesem Grund habe ich mehrere Stellen angeschaut.» Dass die Loipe des Töditritt gleich an der neuen Haustüre vorbeiführt, hat der passionierten Langläuferin dabei natürlich auf Anhieb gefallen. Auch sonst sei sie gerne in der Natur und wandere zum Beispiel sehr gerne. Mit Blick auf den Tödi habe sie hier auch schon ein neues Ziel ins Auge gefasst. 

Zum Amt der Pfarrerin habe Pietzcker dabei nicht auf dem direkten Weg gefunden. «Studiert habe ich, wie mein Mann, Psychologie; so haben wir uns auch kennengelernt.» In der dortigen Studentengemeinde habe sie dann an Andachten und Gottesdiensten teilgenommen und diese mitgeleitet. «So habe ich meine neue Bestimmung gefunden.» Vor gut acht Jahren trat sie dann ihr erstes Amt in der 500'000 Einwohner zählenden Stadt im Osten von Deutschland an und das habe sie nun in den Glarner Süden geführt. «Wo mich die Leute gerne noch tiefer in ihre Traditionen einführen dürfen.»