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Leben & Glauben, Politik, Religionen

Der EVP-Kantonsparlamentarier Hans Oplliger passt in kein Klischee

«Geld ist doch nicht das Wichtigste»

01.01.2016
Der St. Galler Kantonsrat Hans Oppliger passt in keinen Raster. Für die einen ist der ETH-Agronom ein Öko-Phantast, für andere ein verkappter Linker und für die Dritten ein weltfremder Frommer. Doch er passt in kein Klischee. Seine Prinzipientreue, Menschenliebe und Uneigennützigkeit sind aber sprichwörtlich.

Vielleicht nähert man sich dem 58-jährigen Projektleiter vom landwirtschaftlichen Zentrum Rheinhof in Salez am besten über seine Vita. «Ich finde es besser zu handeln, statt zu reden», betont er. Und das gilt. Nach dem Studium ging er drei Jahre ins bolivianische Hochland, um Landwirte zu schulen. «Bei den Aymara-Indianern haben wir junge Leute befähigt, ihre Lebensgrundlage zu entwickeln.» Später war er vier Jahre im pakistanischen Swat-Tal, um ein Forstprojekt umzusetzen. In den 90er-Jahren arbeitete er im Kosovo und in Nordkorea. «Ich war immer in internationalen Projekten aktiv, speziell in Krisenregionen.»

Internationale Projekte

Das hat sein Weltbild geprägt. Denn der überzeugte Christ hält zentrale Aussagen der Bibel für verbindlich und wundert sich, dass es Christen geben soll, die unverbindlich bleiben. «Jeder einzelne Mensch ist doch Gottes Geschöpf.» Deshalb kann er nicht gegen Flüchtlinge sein. Er sagt es mit entwaffnender Offenheit. Punkt. Und verweist auf Bibelzitate, die Respekt und Rechtsgleichheit für Fremde fordern. Wenn die Finanz- und Handelswege globalisiert würden, globalisierten sich halt auch die Menschen. «Beides gehört zusammen», erklärt er für weniger Bibelfeste.

Bescheiden loslassen

Und er legt nach: «Über Geld zu reden, ist nicht das Wichtigste.» Geld solle man verwalten, nicht anhäufen. Geldverdienen sei in Ordnung, aber man müsse es auch sinnvoll ausgeben. Schon Jesus habe gemahnt, sich lieber Schätze im Himmel zu sammeln, statt irdische Güter.
Er habe auch appelliert, dass niemand zwei Herren dienen könne, entweder diene man Gott oder dem Mammon. «Loslassen ist wichtig.»

Oppliger sagt das so entspannt, mit einem so ehrlichen Lächeln auf dem Gesicht, dass ihm niemand böse ist. Er wirkt nicht wie ein sturer Kapitalismuskritiker, sondern eher wie einer, der über den ökonomischen Zwängen den Kopf schüttelt. Dass die Akzente heute so falsch gesetzt werden können – kaum zu glauben für ihn. Er glaubt lieber an Gott, der sich dem Armen zuwendet. «Ich bin für Bescheidenheit.»

Unterschiedliche Zellen, ein Ganzes
Darum betätigt er sich auch politisch, vertritt die Evangelische Volkspartei im Kantonsrat seit 2002. «Früh haben mich gesellschaftliche Fragen interessiert.» Christen müssten «der Stadt Bestes zu suchen», sagt er und verweist auf den Propheten Jeremia. Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, dafür setze er sich ein. Aber nicht mit grossen Worten, sondern konkret, in der Ethikgruppe des Kantonsrates etwa, auch in der parteiübergreifenden Andacht und in all den politischen Vorstössen, für die er aus vielen, oft gar allen Fraktionen Unterstützung erhält.
Oder in den vielen landwirtschaftlichen Projekten des Rheinhofs, für die er Verantwortung trägt. Leiter der Fachstelle für Bienenhaltung ist er und Mitarbeiter der Fachstelle für Marketing. Regionale Klassiker wie der Ribelmais, der Bloderkäs oder die Bratwurst stehen dabei im Fokus.
Der begeisterte Imker hat dabei immer das Bild vom Organismus vor Augen: «Jede Zelle darf sich schützen und muss zugleich offen sein, denn sie lebt von der Andersartigkeit der anderen». Ein biblisches Bild, es beschreibt seine Grundhaltung: «Ich habe es gerne, wenn Menschen verschieden sind.» So fühlt sie sich also an, kompromisslos gelebte Nächstenliebe.

Text und Foto: Reinhold Meier, Wangs – Kirchenbote Januar 2016

«Das Gelingen meines Einsatzes lege ich in Gottes Hand»

Herr Oppliger, warum gehört der christliche Glaube in die Politik?
Er ist fundamental für unsere Gesellschaft, weil er in jedem Einzelnen ein gleichwertiges Geschöpf Gottes sieht. Er ist auch subversiv und darum unverzichtbar, weil er nicht akzeptiert, dass manche einflussreicher sind als andere, nur weil jemand zum Beispiel reicher ist. In der Politik geht es um Macht und Einfluss, da braucht es einen Kontrapunkt, der von der Überzeugung des Dienens getragen ist.

Welche christlichen Überzeugungen leiten Sie?
Die Vergebung und die Wahrhaftigkeit. Ich finde, es kommt darauf an, aktiv zu werden, statt passiv zu bleiben. Nicht das Rechnen und Reden ist wichtig, sondern das Handeln, gerade den Schwächsten gegenüber. Es gibt zu viele, die wissen, wie alles geht, aber zu wenige, die was machen. Mein Ziel ist nicht, fehlerfrei zu bleiben, sondern mich zu engagieren. Das Gelingen meines Einsatzes lege ich in Gottes Hand. Wenn ich was falsch mache, gestehe ich das ein und suche Vergebung. Ich bin dazu auch selbst bereit.

Wo liegt die Grenze der Religion in der Politik?

Dort, wo Religion für Macht und Einfluss missbraucht wird. Das ist ganz gefährlich. Mit einem Beispiel aus dem Irakkrieg gesagt: Am Vorabend des Krieges ging der Atheist Saddam in eine Moschee und George Bush in eine Kirche zum Beten, beide unter der Beobachtung von Fernsehkameras. Das ist ein Missbrauch. Und heute: Viele reden nun von den Werten des christlichen Abendlandes, die so sehr bedroht seien. Aber das ist eine Instrumentalisierung, wenn man nur davon redet, statt wirklich danach zu handeln. Es geht darum, Nächstenliebe praktisch zu üben, gerade bei Schwachen, Armen, Heimatlosen. Wer das wirklich tun, braucht keine Debatte zu führen um bedrohte abendländische Werte.

Welches sind Ihre politischen Vorbilder?

Chaim Weizmann gehört dazu, der Staatsgründer Israels. Als gläubiger Jude hatte er die Vision eines friedlichen Zusammenlebens in Israel und Palästina. Aber dann übernahmen die Kriegsherren um Ben Gurion das Szepter und wollten mit Macht und Armee Probleme lösen. Das Resultat kennen wir. Mit Gewalt lässt sich kein Problem lösen. Auch der baptistische Prediger und Menschenrechtler Martin Luther King oder Bischof Romero, der Armenbischof von San Salvador, sind Vorbilder. Selbst wenn sie gescheitert sind, haben sie etwas Grossartiges hinterlassen, ihren selbstlosen Einsatz für Unterdrückte. Wie der mazedonische Präsident Boris Trajkowski, ein bekennender methodistischer Christ, der sich für das friedliche Zusammenleben von Christen und Muslimen einsetzte – bis sein Flugzeug abgeschossen wurde. 


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