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Kirche

Baldegger Schwestern ermöglichen menschenwürdige Unterbringung

Kirche für Flüchtlinge

01.01.2016
AMDEN SG. Baldegg-Schwestern in Amden stellen ihr Haus Asylsuchenden zur Verfügung – ihr mutiges Engagement soll inspirieren. Denn es gehört seit jeher zum Grundauftrag der Kirche, die Botschaft von der Liebe Gottes, die allen Menschen gilt, in Wort und Tat zu verkündigen.

Die Nachricht schlug im Dorf ein wie eine Bombe. Anfang Mai informierte das kantonale Amt für Migration, dass im Kurort Amden über dem Walensee ein Zentrum für 100 bis 120 Asyl­suchende entstehen soll. Die meisten Dorfbewohner erfuhren dies aus den Medien, als die Würfel bereits gefallen waren.

Entsprechend frostig war dann der Empfang für Regierungsrat Fredy Fässler und sein Team, als sie am 11. Mai für eine Informationsveranstaltung ins Dorf reisten. «Asyl-Unterkunft führt zu Aufstand in Amden», titelte eine Pendlerzeitung und zitierte Aufschriften von Plakaten, die im Dorf zu sehen waren: «Kanton opfert Amden», «Befürworter in den Städten, aber haben können es die Kurorte», und auch den bitteren Kommentar: «Danke, liebe Baldegg-Schwestern!»

Es fehlt an Platz
Was war geschehen? Der katholische Frauen­orden der Baldegger-Schwestern hatte das ­«Bergruh» seit 1924 als Kurhaus geführt. Doch der Betrieb liess sich nicht mehr aufrechterhalten. Räumliche Überkapazitäten sind für Kirchen bekanntlich kein seltenes Problem. So gelangten die Schwestern an den Kanton. Bewegt von der anhaltenden Flüchtlingskrise wollten sie einen Beitrag leisten, um eine menschenwürdige Unterbringung von Asylsuchenden zu ermöglichen. Die Gemeinschaft hatte bereits im Gästetrakt des Mutterhauses in Baldegg positive Erfahrungen mit Flüchtlingen gemacht.
Auf solche Hilfe aus der Bevölkerung und Zivilgesellschaft sind Kanton und Gemeinden dringend angewiesen, denn die Kapazitäten für die Unterbringung werden immer knapper. Mittlerweile haben sich in Amden die Gemüter wieder etwas beruhigt. Neben den ablehnenden haben sich auch wohlwollende Stimmen aus dem Dorf gemeldet.
 

Kirche muss sich einbringen

Der Fall dokumentiert exemplarisch, wie sensibel die lokale Bevölkerung auf das Thema Flucht und Asyl reagiert und wie schnell ein kirchliches Werk oder eine Kirchgemeinde, die sich in diesem Bereich engagiert, ins Kreuz­feuer der Kritik geraten kann.

Doch können die Kirchgemeinden deswegen die Augen vor dem Thema verschliessen? Immerhin sieht sich die internationale Staatengemeinschaft mit der grössten Flüchtlingswelle seit dem Zweiten Weltkrieg konfrontiert. Über 50 Millionen Menschen sind auf der Flucht.
Manche von ihnen schaffen es über gefährliche Wege bis in die Schweiz. Gehört es zum Auftrag der Kirchen, aktiv zu werden oder dürfen sie die Bewältigung dieser Krise, hinter der sich unzählige Einzelschicksale verbergen, getrost den zivilen Behörden überlassen?

Als öffentlich-rechtliche Körperschaft ist unsere Kirche Teil des Gemeinwesens, als Kirche aber auch eine dem Evangelium verpflichtete
Gemeinschaft, die sich als Teil der Zivilgesellschaft öffentlich engagiert. Es gehört seit jeher zu ihrem Grundauftrag, die Botschaft von der Liebe Gottes, die allen Menschen gilt, in Wort und Tat zu verkündigen. Daraus leitet sich auch der diakonische Auftrag ab. Die Kirche hat gar keine Wahl: Sie muss sich dort einbringen, wo Menschen in Not sind, auch wenn man sich mit diesem Engagement keinen Blumenstrauss verdienen kann.


Mutig und inspirierend
Das mutige Engagement der Baldegger Schwestern mag hoffentlich inspirierend wirken. Wer sich einsetzt, muss jedoch mit Widerstand rechnen. Darum ist es sinnvoll, sich mit anderen engagierten Menschen zu vernetzen und von ihren Erfahrungen zu profitieren. Die dazu nötige Beratungs- und Koordinationsarbeit leisten die kantonalkirchlichen Dienste gemeinsam mit der ökumenischen Kommission für Asyl- und Flüchtlingsfragen St.Gallen (ÖKoAF SG) und der Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende des HEKS. 

Text: Kirchenrat Heinz Fäh, Ko-Präsident der ökum. Kommission für Asyl- und Flüchtlingsfragen St.Gallen | Foto: as  – Kirchenbote SG


Von roundabout SG-APP (Rahel Schwarz) erfasst am 14.09 2018 11:50

Danke!

Vielen Dank für die Veröffentlichung des Artikels. Wir freuen uns über jedes interessierte Mädchen, über neue Partnerorganisationen oder Workshop-Anfragen. Freundliche Grüsse Rahel Schwarz kantonale Leiterin roundabout SG-APP

Von Maurer Charlotte erfasst am 06.01 2020 09:13

Erwachseme Taufe

Ein lieber Freund, der sich inzwischen sehr mit Gott verbunden hat, möchte eine Erwachsenen Taufe. Er ist als Kind reformiert getauft. Bitte können Sie uns da helfen?

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