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Kultur

Musikalisches Naturtalent

01.01.2016
ALT ST. JOHANN. – Doris Bühler-Ammann ist die neue Dirigentin des Evangelischen Kirchenchors Alt St. Johann im Obertoggenburg. Ihre Leidenschaft für die Musik und ihr feines musikalisches Gespür hört man in jedem gesungenen Ton.

Vor drei Jahren hat Peter Roth seinen Dirigentenstab an Doris Bühler-Ammann übergeben. Bevor sie die neue Herausforderung als Dirigentin übernahm, sang sie bereits 15 Jahre als aktives Mitglied im Chor mit. 


Begabung und Fleiss

Für die Toggenburgerin war allerdings nicht von Anfang an klar, dass sie das Amt als Dirigentin übernehmen wollte. Ihr natürliches Gespür für Musik reichte ihr für diese Aufgabe nicht aus. Deshalb entschied sie sich für die vierjährige Ausbildung «Kirchenmusik» an der Evangelischen Kirchenmusikschule EKMS St.Gallen, mit Schwerpunkt Chorleitung und Gesang. «Die Ausbildung gab mir die nötige Sicherheit und bereitete mich optimal auf den Dirigentenberuf vor», erklärt Doris Bühler-Ammann.

Seitdem probt sie einmal pro Woche mit dem Kirchenchor. Auch die Mitglieder vom Kirchenchor haben sie von Anfang an unterstützt.
Doris Bühler-Ammann: «Ich liebe es, mit den Sängern und Sängerinnen zu proben. Es sind tolle Menschen und ich lerne bei jeder Probe etwas Neues dazu.» Dass das Repertoire eher klassisch und traditionell geprägt ist, versteht sich von selbst.

Traditionelles und Populäres
Ihre Vorliebe für die populäre Musik kann sie in St.Peterzell ausleben. Dort ist sie für ein kleines Pensum als populäre Kirchenmusikerin angestellt. Sie arbeitet hauptsächlich mit dem Kinderchor zusammen und leitet zurzeit ein Gospelchor-Projekt. Zu ihren beiden Anstellungen sagt sie: «Ich schätze die Abwechslung zwischen dem traditionell geprägten Chor und den moderneren Klängen des Kinderchors und des Gospelchors. Allerdings steht für mich immer eines im Zentrum: Meine Musik soll dem Publikum und den Mitgliedern der Chöre einen schönen Moment bereiten.»

Musik und Natur
Welche Gefühle durch Musik ausgelöst werden können, hat Doris Bühler-Ammann schon früh erfahren. Es verging kaum ein Tag, ohne dass ihr Vater zu Hause auf der Handorgel spielte. Später begleitete sie ihn am Klavier bei Auftritten an Hochzeiten und Geburtstagen. Rhythmus spielt aber nicht nur in ihrem musikalischen Leben eine zentrale Rolle. Wenn sie nicht gerade mit den Noten beschäftigt ist, führt sie in Schönengrund zusammen mit ihrem Mann einen Bauernhof. Als Bäuerin wird sie stark von den Rhythmen der Tiere und der Natur geleitet.
 
«Vertraue und Dankbarkeit»
Es ist offensichtlich, dass Musik das Leben von Doris Bühler-Ammann bestimmt. Sie ist dankbar für den musikalischen Weg, den sie eingeschlagen hat, und weiss, dass Peter Roth – ein langjähriger Freund der Familie – eine wichtige Rolle bei ihrem Entscheid für die Musik spielte.

Dankbarkeit ist auch in den aktuellen Chorproben ein Schlüsselthema. Der Chor übt derzeit die Jodelkantate «Vertraue und Dankbarkeit» ein. Peter Roth hat diese Komposition Doris Bühler-Ammann gewidmet und bedankt sich damit für ihr Engagement.
Das Werk wird anlässlich des Benefizkonzerts zu Ehren des 50. Todestages von Albert Schweitzer aufgeführt. Das Publikum wird sich sicher dankbar zeigen und das wundervolle Konzert nicht nur mit lautem Applaus honorieren. 

Text: Fabienne Beer Jung, Zuzwil | Foto: Christiana Sutter  – Kirchenbote SG, Oktober 2015

Vertrauen und Dankbarkeit

Der Grund für mangelnde Ehrfurcht vor dem Leben ist oft die Unfähigkeit zur Dankbarkeit. Aus diesem Grunde schrieb der Toggenburger Komponist und Musiker Peter Roth für den Evang. Kirchenchor Alt St.Johann die Kantate «Vertraue und Dankbarkeit».

Herr Roth, Sie haben 39 Jahre lang den Kirchenchor Alt St.Johann geleitet. Ist es Ihnen schwer gefallen, eine Nachfolge zu suchen und Ihr Amt an Doris Bühler-Ammann abzugeben?

Ich habe mir für die Suche fast drei Jahre Zeit gelassen. Doris hat die natürliche Musikalität einer Obertoggenburgerin und das nötige Handwerk, welches sie sich in ihrer vierjährigen Ausbildung in Kirchenmusik angeeignet hat. So war es für mich eine Freude, loszulassen.

Sie haben für Ihre Nachfolgerin die Jodelkantate «Vertraue und Dankbarkeit» komponiert? Wie ist es dazu gekommen?

Ich wollte ein Werk schreiben, das zu Doris Bühler-Ammann passt. Das Werk verbindet Tanzmusik mit Chorgesang und dem Natur­jodel. «Vertraue und Dankbarkeit» heisst es deshalb, weil ich glaube, dass Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten die Voraussetzung für ein erfülltes Leben ist. Dankbarkeit ist für mich das absolute Schlüsselwort für ein gutes Leben. Denn ohne dankbar zu sein, ist das Leben nur schwer zu ertragen.

Wofür sind Sie dankbar und worauf vertrauen Sie in Ihrem Leben?

Ich bin dankbar, dass ich als freischaffender Musiker und Komponist arbeiten darf. Die Texte und die Musik verbinden mich mit jener unsichtbaren Welt im Hintergrund, die unsere Sinne, Vorstellungen und Pläne sprengt.

Was bedeutet Musik für Sie?

Musik ist mein Leben. Sie bildet die Brücke zwischen meinem Alltag und dem schöpferischen Urgrund. So gesehen ist Musik für mich konkrete religiöse Praxis.

Wie sieht Ihr Weg nach dem Kirchenchor aus?

Der Weg nach dem Kirchenchor ist der Weg vor dem Kirchenchor. Ich mache Musik und schreibe Kompositionen. 


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