Logo
Leben & Glauben

Wenn reden, dann richtig

Weniger ist mehr. Der Paartherapeut und Theologe Hans-Peter Dür vertritt die These, dass Paare auch zu viel miteinander reden können. In seinem Vortrag in Neunkirch kam zum Ausdruck: Wenn reden, dann richtig. Und auch Zuhören will gelernt sein.

Der Streit dreht sich um den Hund. Um den Hund der Ehefrau. Sie hat versäumt, sich um den Vierbeiner zu kümmern. Und das Tierchen verrichtet sein Geschäft ausgerechnet auf dem teuren Teppich ihres Mannes. Worauf er das verbale Feuer eröffnet: Es fallen Vorwürfe, Gegenvorwürfe und Schuldzuweisungen. «DU hast immer!» oder «DU machst nie!».
Dem amerikanischen Psychologen und Paarforscher John Gottmann zufolge ist dies die erste Stufe der vier Kommunikationssünden, die Paarbeziehungen dauerhaft schädigen. Er nennt sie die vier apokalyptischen Reiter. Stufe eins ist die Kritik. Auf sie folgt die zweite Stufe, die Abwehr. Sie besteht aus Verletzung, Abwertung, Ironie und Sarkasmus. Sie provoziert Streit und ebnet den Weg für Stufe drei, die Verachtung. Jetzt wird bewusst verletzt, Schwächen werden ausgespielt und der andere kleingemacht. Es kommt zum Abwerten, Verachten und blankem Hass. Aus dieser Stufe erwächst schliesslich die Stufe vier. Das Mauern. Der Rückzug der Partner. «Oft wirkt man auf dieser Stufe cool nach aussen», sagt Paartherapeut Hans-Peter Dür. «In Wahrheit ist die innere Erregung riesig.»
Die vier apokalyptischen Reiter kämen in jeder Beziehung vor, stellt Dür fest. Es sei allerdings eine Frage des Masses, damit es nicht zur Eskalation komme.
«Wichtig ist für jede Stresssituation, dass sich die Paare beruhigen, den Streit sofort stoppen, sich sofort oder später hinsetzen und einander zuhören», rät der Paartherapeut. Die Gegenmittel seien Fairness, Wertschätzung und das Suchen von Kompromissen. «Beide müssen das Gefühl haben, dass der Beitrag des anderen zur Deeskalation beiträgt.»

Fünf Wertschätzungen wiegen einen Minuspunkt auf
Emotionen seien zwar Fakten der Liebe. «Ohne dass Frau und Mann sich für die Emotionen öffnen, wird die Beziehung kühl und das Paar wird die Nähe vermissen», ist Dür überzeugt.
Es sei deshalb wichtig, dass ein Paar die Zufriedenheit in der Beziehung fördere. «Fünf positive Eindrücke im Alltag, kleine Wertschätzungen zum Beispiel, überwiegen einen Minuspunkt. Das ergibt Zufriedenheit in der Paarbeziehung.»
Untersuchungen zufolge streiten zufriedene Paare anders als unzufriedene. Während der Streit nach vier Interaktionen bei zufriedenen Paaren aufhört, rasen die apokalyptischen Reiter bei gefährdeten Paaren elfmal hin und her. Das sei wie bei einem Zwangsprozess. «Dem Paar fehlt die innere Freiheit, um diesen Prozess zu stoppen. Er geht immer weiter bis zur Erschöpfung», so Dür.
Es sei deshalb wichtig, eine gute Kommunikation zu erlernen. Das gehe nicht gratis. «Gratis geht nur der Abbau», sagt Dür und meint damit den stetigen Rückgang der positiven Eindrücke, wenn man nichts dagegen tut.
Was aber heisst «gute Kommunikation» konkret? Ist miteinander reden nicht per se gut? Hans-Peter Dür verneint. «Kommunikation ist wichtig, aber man kann auch zu viel reden.» Dann nämlich, wenn es um Konflikte geht. «Wichtige, fundamentale Werte einer Beziehung und anstehende Probleme müssen besprochen werden. Was im Verborgenen schwelt, kommt todsicher hoch und muss gelöst werden», sagt Dür. Anderseits sei es für die Paarbeziehung günstig, unwichtige Dinge und Störungen zu übergehen. Es sei anstrengend, über alles und jedes endlos zu diskutieren. «Ich rate Paaren, nicht länger als eine Stunde pro Woche über Probleme zu reden», sagt der Therapeut. Diese Zeit sei am besten in zwei Sprechzeiten aufzuteilen. Ergibt 30 Minuten Sprechzeit für jeden.
Neben der Kommunikation sei für Paarzufriedenheit die gegenseitige wohlwollende Unterstützung und das Gestalten von schönen gemeinsamen Inseln im Alltag wichtig. Besser tun und handeln statt zerreden. Gut sei auch, wenn man einander die Gelegenheit gebe, einander zu vermissen. «Die Liebe braucht Luft. Das Spiel von Abstand und Nähe ist essenziell für den Erhalt einer lebendigen Liebe.»
Die Liebesbeziehungen würden häufig unter dem Gesichtspunkt der Kosten-Nutzen-Rechnung beurteilt, sagt der Experte. «Es gibt Menschen, die glauben, dass eine bessere Option auftaucht. Doch die Folgen der Trennung werden unterschätzt.» Sie hinterlässt oft verletzte Menschen, die sich zweimal überlegen, sich jemals wieder hinzugeben und zu vertrauen

Adriana Schneider


KIRCHENBOTE E-PAPER

Alle Kirchenboten ab 2002 zum Lesen, Suchen und Herunterladen...


Tenöre gesucht– Luther Oratorium in St. Gallen!  | Artikel

Ein Pop-Oratorium über den Reformator Martin Luther wird am 3. November erstmals in der Schweiz aufgeführt. Für das Projekt in St. Gallen wurden  Sängerinnen und Sänger gesucht, wie der Website des Trägervereins zu entnehmen ist.

Zur grossen Freude der Organisatoren ist der 300-köpfige Projektchor zum Luther-Pop-Oratorium bereits praktisch voll besetzt, und er soll auch noch grosszügig «überfüllt» werden.Was aber noch fehlt, sind 25 weitere Männerstimmen – vorzugsweise Tenöre (oder Tenösen)! Wer hat noch nicht, wer will nochmal? «Wir freuen uns über jede weitere Anmeldung!», schreibt Andreas Hausammann.

www.luther-oratorium.ch

Mitmachen kann man unabhängig von kirchlicher Zugehörigkeit. Eine Anmeldung ist nur online möglich!


Zwitschern Sie mit!  | Artikel

Seit Ende September lädt der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) die Bevölkerung ein, über den Glauben nachzudenken. Dies geschieht mit einer Plakatkampagne oder mit den zwölf theologischen Kurzbotschaften, den Glaubenstweets. Lassen Sie sich vom Gezwitscher inspirieren!


Bike und Bibel  | Artikel

Die St.Galler Kantonalkirche nahm 2003 einen Trend vorweg. Als der Begriff E-Bike noch in den Sternen stand, setzte sie aufs Fahrrad und eröffnete den Bibel-Veloweg. Zeit also, ihn wieder in Erinnerung zu rufen und sich auf das Velo zu schwingen, eine Tour zu unternehmen. Mehr erfahren Sie hier.

Der Flyer und die Velokarte dazu