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Spiritualität

Taizé steht für eine neue Solidarität

10 Jahre nach der Ermordung von Frère Roger: Die internationale Versammlung «Für eine neue Solidarität», die in Taizé stattfand, stand ganz im Geist des verstorbenen Frère Roger Schutz. Über hundert Vertreter verschiedenster Konfessionen trafen sich zu einem Friedensgebet. Eindrücke aus Taizé.

Eine helle Glocke erklingt, gleich beginnt in der orange ausgeleuchteten Versöhnungskirche das Morgengebet. Rundherum sind grosse Foto-Tafeln angebracht, die die Geschichte von Taizé illustrieren. Vor einem Porträt Frère Rogers steht auch Geneviève Bosson. Die ältere Frau aus Vernier nahe Genf sticht heraus aus der Traube junger Leute. Aus ihr sprudeln Erinnerungen, denn bereits 1956 kam sie als 16-Jährige erstmals nach Taizé. «Wir fuhren mit dem Bus von Genf nach Taizé. Keiner wusste damals richtig, wo das liegt. In der alten Dorfkirche wurden wir von Frère Eric begrüsst. Das Gebet fand zwischen bröckelnden Mauern statt. Die Brüder trugen damals noch ihr braunes Habit. Ich spürte schon als junge Gymnasiastin: Hier entsteht etwas Grosses.»

Persönliche Erinnerung an Frère Roger
Geneviève Bosson hat vieles von dem, was auf den Fotos abgebildet ist, persönlich erlebt: Den Bau der Versöhnungskirche, der immer grössere Zustrom von Jugendlichen nach Taizé, die Vorläufer des Konzils der Jugend in den 1970er-Jahren und später den Beginn der europäischen Treffen am Jahresende. Der Tod von Frère Roger vor zehn Jahren hat auch Geneviève Bosson tief getroffen. Sie kannte den Taizé-Gründer aus vielen persönlichen Begegnungen. «Er war eine lichtvolle Erscheinung», erinnert sie sich. Beeindruckt hat sie damals, wie in Taizé nach einem Gefühl der Verlassenheit sofort wieder Zuversicht eingekehrt ist.
Zuversicht herrscht in diesen Tagen auch bei Frère Alois, der seit zehn Jahren der Kommunität vorsteht. Immer wieder wird er gefragt: Was ist vom Geist Frère Rogers noch lebendig in Taizé? «Kampf und Kontemplation», antwortet er. Das ist der Titel eines Buches Frère Rogers, dessen Geist er täglich neu in Taizé spürt. Der Prior sagt: «Der Titel ist alt, doch wenn wir jetzt von Solidarität sprechen, dann ist es das gleiche. Ich sehe, wie sensibel die Jugendlichen dafür sind. Sie wollen den Glauben nicht im Rückzug in einem frommen Winkel leben, sondern Glauben und Gebet soll uns die Augen aufmachen für die Probleme der Welt. Das ist etwas, was vom Erbe Frère Rogers hier lebendig
bleibt.»

Im Austausch mit der Welt
An diesem Nachmittag empfängt Prior Alois Löser im früheren Zimmer von Frère Roger Leute, die als Sachverständige in den Themenworkshops bei der «Versammlung für eine neue Solidarität» sprechen. Darunter sind Ordensleute, Europa-Abgeordnete wie Sven Gigold, Vertreter der Welternährungsorganisation, aber auch Organisationen, die sich um Randständige kümmern.
Die Zelte, in denen die Workshops stattfinden, sind brechend voll. Es geht um syrische Flüchtlinge, Migrantenarbeit, Sozialprojekte, Probleme in Banlieus und vieles mehr. In den Augen des gebürtigen Stuttgarters Alois Löser ist ein ständiges Staunen zu erkennen, wenn er beobachtet, wie sich Taizé entwickelt. Es ist eingetreten, was manch einer vor zehn Jahren so nicht erwartet hätte: Statt zu welken, scheint Taizé zu wachsen, auch innerlich. Die jungen Leute bringen eine neue Dynamik mit. «Wir sind dankbar, dass sie weiterhin hierher kommen. Das zeigt, dass das Ganze nicht an die Person von Frère Roger gebunden ist.»
Noch immer sorgt ein vertrauter Glockenklang aus dem hölzernen Glockengerüst neben dem «Accueil», dem Empfang, dreimal täglich dafür, dass die Jugendlichen die Dinge, die sie gerade tun, ruhen lassen. Die Gebete in der Versöhnungskirche sind der Dreh- und Angelpunkt eines jeden Tages hier. Diese Kirche ist ein weltweiter Magnet. Auch für Clemens Büchner, seinen Bruder Benjamin und Jasmin Galli. Das Trio aus dem baslerischen Füllinsdorf staunt, dass es in der Kirche keine Bänke gibt, sie stattdessen barfuss auf dem Teppichboden gehen können.
Um 20.30 Uhr werden auch sie still. Sie hören niemanden hüsteln oder nervös herumrutschen. Das Singen geht weiter. Wer hier eintaucht, gerät in eine Art spirituelle Trance. Clemens, Benjamin und Jasmin haben sich in ihre Schlafsäcke eingerollt und lauschen den Gesängen.

Vera Rüttimann kath.ch


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