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Gesellschaft

«Eine Familie kann sich nicht scheiden lassen»

19.03.2016
THURGAU. Eine Trennung ist für Eltern und Kinder eine grosse Herausforderung. Deshalb sehen die Kirchen nun Handlungsbedarf in der Begleitung von Alleinerziehenden. Wie Mütter und Väter verantwortungsvoll mit der neuen Situation umgehen und wie Kinder auf diesem Weg begleitet werden können, wird im März an zwei Kursabenden in Weinfelden vermittelt.

Von Claudia Koch

«Was früher lebensprägend war, ist heute auflösbar», sagt die Paar- und Familienberaterin Roswitha Keller-Hilzinger von Perspektive Thurgau in Romanshorn. Ein Blick auf die Scheidungsrate macht es deutlich: 2013 wurden im Thurgau 40 von 100 Ehen geschieden. Wie viele Kinder dabei betroffen sind, wird in der Statistik nicht erfasst.

Seit über einem Jahr gilt für Eltern grundsätzlich ein gemeinsames Sorgerecht. Doch was tun, wenn die Eltern nicht miteinander reden können oder wollen? Roswitha Keller-Hilzinger empfiehlt, professionelle Hilfe zu holen: «In unseren Beratungen bieten wir Unterstützung, damit sich nach der Scheidung jeder Elternteil als Alleinerziehender zurechtfindet.»

Kinder stehen im Zentrum

Wo liegen eigentlich die grössten Hürden, wenn ein Elternpaar sich trennt? «Die erste Zeit nach der Trennung fordert von allen viel Anpassungsfähigkeit», sagt Keller-Hilzinger. Es brauche Zeit, bis sich die Betroffenen in dieser Phase stabilisiert haben, ähnlich wie in einem Trauerprozess. Vieles muss neu organisiert werden, aber gleichzeitig brauchen die Kinder viel Aufmerksamkeit und Zuwendung beider Elternteile. Väter und Mütter müssen sich – in Bezug auf die Kinder – neu finden und sich auf gute und konstruktive Art mit ihren teils unterschiedlichen Erziehungsstilen auseinandersetzen. All dies unter einen Hut zu bringen ist eine riesige Herausforderung. Denn, so Keller-Hilzinger: «Eine Familie kann sich nicht scheiden lassen.» Im Zentrum des Interesses muss stehen, dass die Kinder sich nicht schuldig fühlen und beide Elternteile weiterhin gern haben dürfen. Merkt ein Elternteil oder gar beide, dass sie den gestellten Herausforderungen nicht gewachsen sind, gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich Hilfe zu holen. Noch bevor es zu einer tieferen Lebenskrise kommt.

Kurs als Hilfe

Hilfe gibt es unter anderem bei der Perspektive Thurgau mit einem Kurs, der sich speziell an Alleinerziehende richtet. «Im Gespräch mit Bruno Strassmann, der von der Fachstelle Kirchliche Erwachsenenbildung der katholischen Landeskirche den Kurs mitgestaltet, kam uns von der Perspektive Thurgau die Idee, die Herausforderungen Alleinerziehender zu thematisieren», sagt Roswitha Keller-Hilzinger. Der Kurs soll den Austausch und die Vernetzung von Mütter und Väter fördern sowie Hilfestellungen geben im Umgang mit den Kindern.

Kurs: 19. April und 3. Mai, ab 19.30 Uhr in Weinfelden. 


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