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Kultur

Ein Zauberpark für die «Mutter der Welt»

02.04.2016
Wo einst Bauschutt aufgehäuft wurde, wächst seit 2004 der grösste Landschaftsgarten im Nahen Osten. Heute zählt der Al-Azhar-Park zu den beliebtesten Ausflugs­zielen im Herzen der 19 Millionen zählenden Metropole am Nil.

Wasser symbolisiert in der arabischen Welt den Garten Eden. Irdische Parkanlagen sollen davon eine Vorstellung vermitteln. Teiche, Kanäle und Brunnen übernehmen neben Schatten spendenden Bäumen entlang der Spazierwege auch im Kairoer Al-Azhar-Park die Schlüsselrolle. Sie sorgen während der grössten Hitze für erträglichere Temperaturen. Auf einer Fläche von 30 Hektaren angelegt, behauptet sich der Al-Azhar-Park seit 2004 als Publikumsmagnet.

Das war ein voraussehbarer Erfolg. Die 19 Millionen Einwohner zählende Metropole am Nil, von Chronisten zur «Mutter der Welt» verklärt, besitzt nämlich so gut wie keine Grünanlagen. Kairos Bewohner leiden unter Verkehrslärm, Smog und Raummangel.

Ausblicke bis zu den Pyramiden

Ganze Heerscharen Erholungssuchender ziehen in ihrer Freizeit mit ihren Familien zum Park, angelegt auf einem Hügel, von dem aus die
Besucher an den seltenen Tagen ohne Smog die gut 15 Kilometer entfernten Pyramiden erblicken können. Nach dem historischen Vorbild nordindischer Mogul-Gärten führt der Weg in die Gartenanlage durch einen imposanten Bogenpavillon. In der Marmoreinfassung des gepflasterten Weges sorgen Wasserfontänen für eine frische Brise. Üppige Gärten und farbenfrohe Blumenbeete bestimmen das Bild des Parks, der seinen Namen Al-Azhar (Die Blühende) in Anlehnung an die gleichnamige, im Mittelalter gegründete Universität, zu Recht trägt.

In der Gegenrichtung führt eine weitere gepflasterte Allee zu den begrünten Hügeln. Und im nördlichsten Parkteil stossen die Besucher auf einen Dattelpalm-Hain sowie einen Spielplatz. Im Eingangsbereich des Restaurants sorgen die acht Wasserstrahlen eines im Marmorboden versenkten und mit Mosaiken verzierten Brunnens nach Art der historischen Stadtpaläste für Kühlung. 

 Wasser für Obstbaumgärten 

Das lebensspendende Nass lässt auf seinem Weg geometrische Blumen- und Gemüsegärten nach persisch-islamischer Art erblühen und verharrt dann in Teichen, bevor es in Rinnen hügelabwärts über künstliche Kaskaden perlt. Schliesslich wird es in einem Kanal gesammelt und versorgt den «Bustan» (Obstbaumgarten), der mit Mango- und Orangenbäumen bepflanzt wurde, und fliesst dann in einen See.

Kairo verdankt seine zauberhafte Parklandschaft der Genfer Stiftung «Aga Khan Trust for Culture». An ihrer Spitze steht Prinz Karim Aga Khan IV., spirituelles Oberhaupt der schiitischen Ismaeliten, die zerstreut in der ganzen Welt leben. Sein Entwicklungshilfswerk AKDN gilt weltweit als grösste private Agentur dieser Art.

Da sich durch einen Park alleine die Lebensverhältnisse der benachbarten Altstadtbewohner nicht verbessern lassen, wurde das angrenzende Wohnquartier Darb Al-Ahmar mit einbezogen. So konnten nicht nur historische Baudenkmäler, die heute oft als Schulen oder Kulturzentren dienen, vor dem Verfall gerettet werden. 

Durch Versuche fanden die Gartenbauer heraus, welche Form der Bewässerung optimale Ergebnisse lieferte. Heute setzt man überwiegend auf die ressourcenschonende Sprinkler- und Tropfbewässerung. Inzwischen ist die Parkverwaltung ihrem erklärten Ziel, die Kosten durch eigene Einnahmen zu decken, näher gekommen. Der erwünschte Nebeneffekt – die Wiederbelebung des benachbarten Wohnquartiers Darb Al-Ahmar – lässt sich ebenfalls nicht übersehen. Seine Bewohner haben durch den Garten Arbeit gefunden, immer mehr Wohnhäuser werden renoviert. Der einst gemiedene Ort wird immer attraktiver und zieht zunehmend neugierige Besucher an.

 

Text und Bild: Thomas Veser  – Kirchenbote SG, April 2016

Das irdische Paradies

Idealerweise aus vier rechteckigen Flächen angelegt, ist der «Bustan» Prototyp des Obstgartens. Der persische Begriff fand später Eingang ins Arabische, Türkische und Hebräische. 

Der griechische Politiker und Schriftsteller Xenophon berichtete im 3. Jahrhundert vor der Zeitwende über diese Gärten und betätigte sich in Griechenland selber als Gärtner. Seine Bezeichnung «Parádeisoi» ist die griechische Ableitung des persischen «pairidaeza» für Umzäunung. 

Die oft ausgedehnten Gärten waren für die Versorgung der Bevölkerung gedacht, manchmal gehörte ein Wildgehege dazu.  Daraus entwickelte sich das mitteleuropäische Wort «Paradies».


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